Ein kleiner Ausflug in die dänische Ortsnomenklatur

Natürlich gibt es auch in anderen Ländern witzige Ortsnamen, wie zum Beispiel Rausdorf oder gar Büchsenschinken in der Nähe von Reinbek (östlich von Hamburg), aber ich glaube in Dänemark haben sie bei einigen den Hasen abgeschossen oder wie das heisst.

Bevor wir zum interessanten Teil kommen, erst einmal etwas Belehrung, sonst liest ja niemand bis ans Ende … 😉

So deutet die Endung ”rød” auf eine Rodung hin (Birkerød, Allerød, mir fallen gerade nicht mehr ein); ”-havn” weist auf einen Hafen hin, ”-sted” und ”-by” auf eine Stadt (z. B. Kirkeby) und ”-mølle” auf eine Mühle. Das waren einige der einfachen Fälle.

Nun gibt es auch die Endung ”strup, trup oder drup”. Diese sollen von ”torp” abgeleitet sein und Aussiedlerdorf oder Aussiedlerstadt bedeuten.

Nun aber zu der interessanten Endung ”-løse”. Es gibt ja im Dänischen viele Adjektive mit dieser Endung und wird dort mit dem deutschen ”-los” übersetzt. Ergo ging ich davon aus, dass es bei den Städtenamen genauso war. Stenløse (Steinlos), fand ich ja noch ganz in Ordnung, aber wie steht es mit Sengeløse (Bettlos)? Seltsamerweise gab es kein Ølløse (Bierlos), obwohl es ansonsten viele Orte gibt, in denen das Wort ”Øl” mit einfliesst, z. B. Ølsted, Ølstykke oder Ølby.

Nun muss ich aber lesen, das ”-løse” etwas ganz anderes bedeutet, nämlich soviel wie Lichtung oder offen gelegener Platz. In Verbindung mit Stein- gibt das ja noch Sinn, aber bei Bett-? Mystisch!

Bevor wir zu den richtigen Knallern kommen, hier noch ein interessanter Name: Ramløse. Ram ist ein altes Word für feuchte Wiese, also hier eine Lichtung mit feuchter Wiese. Hierzu interessant, dass der Bärlauch auf Dänisch Ramsløg (Ramszwiebel/lauch) heisst und ja gerne an feuchten Stellen wächst. Übrigens heisst er in Teilen Bayerns auch Rams oder Ramslauch. Wir sind verwandt!

Doch jetzt wird’s spannend, besonders in Jütland, denn dort gibt es neben Rom (bei Lemvig – Gliederbucht) und Paris (in der Nähe von Humlum) Orte mit Namen wie Tarm (Darm), Lem (Glied) und Mørke (Dunkelheit). Die Dänen reissen da alle möglichen Witze drüber, z. B. ”es ist nicht weit zwischen Glied und Darm” oder ”Niemand hat Lust, am Darm-Open teilzunehmen”.

Wir fuhren einmal in ein kleines Örtchen hinein von herrlichem Wetter in eine pechschwarze Wolke mit nachfolgendem Wolkenbruch. Kurz hinter dem Ortsschild ”Mørke” war wieder bestes Sonnenwetter. Als wir nach hinten schauten, konnten wir sehen, dass es sich um ein mehr als lokales Unwetter handelte, das direkt und nur über dem Ort lag. Ob da der Name herkam? Ich muss gestehen, da wäre ich weggezogen … 😉

Oder wie die Dänen sagen: Die Menschen die dort wohnen verbringen ihr ganzes Leben in Dunkelheit … 😀

Das war’s für heute, ich wünsche euch noch einen schönen Abend (Nacht). Vielleicht gibt es bei euch in der Umgebung auch ein paar solche Knüller?

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 24 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2017).

7 Gedanken zu „Ein kleiner Ausflug in die dänische Ortsnomenklatur“

  1. Hier ist alles voll Knüller ;-).
    Meine Klassenkameraden hießen oft Ficker und Geilendorf gibt’s auch. Ich schäme mich ja es zu schreiben aber es ist die reinste Wahrheit…
    Ansonsten kann ich wegen der Anonymität nicht weiter und Detail gehen aber das ist in diesem Falle ganz gut, glaub ich.

    Gefällt 3 Personen

  2. Bei mir in der Umgebung gibt es auch einige Knüller, was vermutlich an der Nähe zu Dänemark liegt (und dem früheren zugehören zu Dänemark). Wir hätten hier zum Beispiel in der näheren Umgebung Oha, Haßmoor, Luschendorf oder Mekkerdorf. Oh, ich vergaß Todesfelde, aber da war ich perönlich noch nie, irgendwie zieht es mich nicht so sehr zu diesem Ort 😀

    Gefällt 2 Personen

    1. Eine schöne Sammlung! Die dänischen Ortsnamen sind ja auch in ganz Schleswig-Holstein zu finden. An der Ostküste von England, so Höhe Lincolnshire und weiter nach Süden findet man auch enorm viele dänische Namen. Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich das auf der Landkarte sah. Aber schliesslich müssen sie ja irgendwo angelandet sein. Besonders Grimsby fällt ins Auge. Grim bedeutet hässlich, und die Stadt ist wirklich nicht sehr schön. 😉

      Gefällt 3 Personen

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