Weil’s so schön war, noch eine Krankenhausgeschichte …

… aber die ist hauptsächlich lustig. Ich war 18 Jahre alt und hatte Hepatitis B bekommen, also da muss ich 19 gewesen sein, denn es war dasselbe Jahr wie die zweite Schottlandreise. Die Hepatitis mit 19 und die Lungenentzündung mit 40 waren die beiden Krankenhausaufenthalte meines Lebens, bisher, toitoitoi, nichts beschreien … 😉

 

18 19 Jahre alt und Hepatitis: Einzelhaft im Krankenhaus

Ich war seit einigen Tagen gelb wie eine Zitrone im Gesicht und mochte nur Äpfel und Vanilleeis essen. Meine Ärztin, zu der ich dann letztendlich ging sagte mir: Ab ins Krankenhaus, sofort! Da ich den Ernst der Situation wohl nicht so ganz begriffen hatte, fuhr ich dann noch mit der U-Bahn in der Stadt herum, um allen möglichen Leuten Bescheid zu sagen. Dafür wurde ich hinterher sehr gerügt. Meine Vermieter berichteten mir später, dass da Leute vom Gesundheitsamt gekommen wären und mein ganzes Zimmer desinfiziert hätten. Was ich denn gehabt hätte, Pest? Haha, witzig!

Ich landete also im Krankenhaus, in Einzelhaft wegen der Ansteckungsgefahr. Während der ersten Woche durfte ich überhaupt keinen Besuch bekommen. Das war mir auch egal, ich hatte sowieso dauernd Fieber und bekam nicht alles mit, was um mich herum vorging. Danach musste etwaiger Besuch sich in Plastik kleiden, einschliesslich der Schuhe. Meine Toilettenbesuche fanden auch im Zimmer statt. Da gab es einen Stuhl mit einem Becken daruntergehängt …

Jeden Donnerstag wurde Blut abgenommen, mindestens 10 von diesen kleinen Glasbehältern. Und ich war so verknallt in den Arzt, der das Blut abnahm! Ein junger, gutaussehender! Wie nannten wir sowas zu der Zeit? Modewort war „geil“, aber den Ausdruck mochte ich nicht. „Süss“ war auch doof. Heute würde ich wohl „lecker“ sagen, aber das ist dänisch beeinflusst. Ihr wisst sicher, was ich meine, und nett war er auch noch. Ich war ziemlich besorgt über das Volumen der wöchentlichen Blutabnahme. Der Arzt beruhigte mich, es wäre höchstens ein halber Liter, woraufhin ich meinte, was denn wäre, wenn der halbe Liter nur aus dem Gehirn käme. Auweia, da kam der halbe Liter wohl her…

Das Essen war nicht berauschend. Ich durfte nicht allzu fett essen wegen der Leber; morgens Toast mit Magerquark. Ich sollte unbedingt zunehmen, warum eigentlich? Der Chefarzt eröffnete mir, dass man nicht wüsste, warum eine bestimmte Diät oder eine bestimmte medikamentöse Behandlung wirkte. Das war ja beruhigend. Ein Patient war bereits 6 Wochen und ein weiterer bereits 14 Wochen im Krankenhaus, und die hätten bei der Einlieferung nicht so schlimm ausgesehen wie ich. Na toll, das baut auf!

Was macht man also nach zwei Wochen im Krankenhaus, wenn man nicht mehr so richtig Fieber hat und tagsüber auch nur rumliegt und deshalb nachts nicht schlafen kann? Schlaftabletten wollte ich nicht nehmen; das war mir zu albern. Bei all dem Ausruhen war es doch klar, dass ich nachts nicht müde war! Was macht man also? Man macht Yoga!

Nachts im Bett machte ich also ein ausführliches Yoga-Programm, dem ich später meine schnelle Genesung zuschrieb (Leberübung: Twister).

Nachts sass ich auf der Fensterbank und guckte mir an, ob und was draussen vor sich ging.

Nachts bekam ich auch Besuch von der netten Nachtschwester, wenn sie mal etwas Abwechslung und jemanden zum Klönen brauchte. Sie wusste ja, dass ich nicht schlief. Einmal flüchtete sie sich förmlich in mein Zimmer um zu verschnaufen. Sie und ein Pfleger hatten gerade einen 200 kg Mann ins Bett zurückhieven müssen, aus dem er herausgefallen war. Sie war eine kleine zierliche Person und war von diesem Kraftakt völlig fertig.

Und was macht man tagsüber? Man schreibt Gedichte oder was man dafür hält.

Nach vier Wochen wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Das war doch schnell. Ich sage nur: Yoga! Ich sollte allerdings noch zwei Wochen der Schule* fernbleiben. Das schmerzte …

Ein Gutes kam bei dem Krankenhausaufenthalt heraus: ich kam meinem Vater näher. Er besuchte mich einmal allein, und es gelang uns ausnahmsweise, ein ernstes, offenes Gespräch zu führen, das mir endlich einmal Einblick in seine Sicht der Dinge gab.

[*das war die Fremdsprachenschule Hamburg]

 

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 24 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2017).

4 Gedanken zu „Weil’s so schön war, noch eine Krankenhausgeschichte …“

  1. Nun, da hatte die Krankheit und der Aufenthalt im Krankenhaus am Ende doch was Gutes! Wir hoffen Du hast die Zeit danach mit Deinem Vater gemeinsam genießen können!
    Musst Du heute noch auf irgendetwas aufgrund der damaligen Erkrankung achten?
    Liebe Grüße
    AnDi

    Gefällt 2 Personen

    1. Das änderte schon unsere Beziehung zu einander. Wir sind sogar mal zusammen einen trinken gegangen. Das wäre vorher undenkbar gewesen.

      Ich durfte ein Jahr lang absolut keinen Alkohol trinken und die Pille nicht nehmen. Das war eigentlich alles. Das Einzige was jetzt noch daran erinnert ist, dass ich kein Blut spenden darf.

      Gefällt 3 Personen

      1. Kein alk, keinen Kaffee, keine Zwiebeln, keine fetten Speisen …. kommt mir sehr bekannt vor 😦 Auch der berühmte nachtstuhl ist mir bestens bekannt. Ich habe ihn schätzen gelernt, denn mit all den Infusionen wäre ich nicht bis zur Toilette gekommen.

        Gefällt 2 Personen

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