Langweiliges Rentnerdasein?

Mitnichten, ich langweile mich nie, wirklich und wahrhaftig nie.

Und am Wochenende erfuhr ich, wie ein lieber Bekannter sich als Rentner in seine bis dahin auf der Seitenlinie gelaufene Kreativität gestürzt hat und jetzt dabei ist, sich einen Namen zu machen. Und zwar macht er das mit Foto-Art, wie ich das nennen würde oder Ablichtungs-Kunst, wenn man es auf Deutsch vorzieht. Hier eine Geschmacksprobe:

MagicColour_Arno

Wenn ihr Interesse habt, schaut doch mal bei ihm vorbei: http://www.magic-colour.de.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche!

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Intuition, Teil 3

Wiederum ein Beitrag zu dem Projekt ”Schreib mit mir” von Frau OFFENSCHREIBEN

Es dauerte mehrere Wochen, bis Gwiazda langsam anfing, sich mit den Umständen abzufinden. Erst der merkwürdige Auftritt der Lederbekleideten im Restaurant; dann der junge Mann, der fluchtartig das Restaurant verlassen hatte und den sie später halbtot auf dem Gehsteig gefunden hatte; der Komplott hinterher, der seine gesamte Existenz ableugnete. Das war eine ganze Menge, die sie verarbeiten musste. Aber letztendlich kam sie zu dem Schluss, dass sie mit der Angelegenheit nichts mehr zu tun haben wollte, wirklich ganz und gar nichts.

Sie hatte sich auch eine Zeit lang von ihrer Arbeit als Krankenschwester beurlauben lassen. Doch jetzt wollte sie ihr Leben gerne wieder normalisieren.

Der erste Arbeitstag lief friedlich ab. Die Kolleginnen und Kollegen waren alle sehr rücksichtsvoll. Irgendwie hatte ihre Geschichte sich herumgesprochen. Gwiazda wollte aber nicht wissen, was genau erzählt wurde. Es würde sowieso nicht stimmen.

Am Abend ging sie zufrieden nach Hause. Sie würde die Fäden ihres Lebens wieder aufnehmen und alles würde sich ordnen.

Als sie in die Strasse einbog, in der sie wohnte, stand auf einmal ein alter Mann vor ihr. Er sah alt aus, enorm alt, mit unzähligen Falten im Gesicht. Auf dem Kopf trug er eine altmodische Zipfelmütze, die im Gegensatz zu seinem strengen Gesicht und den scharf, ja fast stechend blickenden Augen stand. Sein Mantel war mehr ein Umhang. Was er darunter trug, war nicht zu sehen. Gwiazda fand, dass er der Beschreibung des alten Busfahrers aus der Halluzination ihrer Freundin Sofia nach deren Unfall ähnelte. Genauso hätte sie ihn sich vorgestellt.

”Du verschwendest deine Zeit, Mädchen”, fuhr der Alte sie an. ”Geh nach Hause und finde das Buch, dein Lieblingsbuch, das du sogar mit ins Bett nahmst. Erinnerst du dich denn nicht daran? Öffne es, damit sein Zauber sich dir zeigen kann. Tu es solange du noch kannst!” Nach diesen Worten eilte der alte Mann um die Ecke und verschwand in der Dunkelheit.

Gwiazda erinnerte sich natürlich an das Buch. Es war ein Märchenbuch: Sternchen und der Wanderer. Der Wanderer? Wie hatte sie das nur vergessen können! Die Neugier packte sie, vergessen waren Frustration und Angst. Sie eilte in ihre Wohnung und kramte das Buch hervor. Es lag in der hintersten Ecke ihres Kleiderschranks, wo sie es unter einer Decke versteckt hatte. Warum eigentlich? Sie wusste es nicht mehr. Vielleicht hing es mit dem Tod ihrer Eltern zusammen, die ihr als Kind daraus vorgelesen hatten.

Unter der Decke lag auch ihr alter Wecker mit einer Abbildung des Sternenbilds Orion auf der Scheibe. Beide Gegenstände waren eng mit ihrer glücklichen Kindheit verknüpft, die ein jähes Ende fand, als erst ihre Mutter und später ihr Vater verunglückten; ihre Mutter wurde auf dem Weg nach Hause überfahren und ihr Vater wurde am Arbeitsplatz von einer Palette mit Gasbetonsteinen erschlagen, die sich auf mystische Weise aus den sie haltenden Ketten gelöst hatte, als der Kran sie anhob, um sie in das dritte Obergeschoss des entstehenden Verwaltungsgebäudes zu heben. Ihr Vater hatte die Aufsicht über die Baustelle geführt.

Gwiazda öffnete das Buch. – Nichts tat sich. Sie wartete ein wenig. Plötzlich stieg eine Art Nebel aus dem Buch auf und formte ein Hologramm, das Bild eines Mannes in wehendem Mantel und schwarzem Hut.

Das Hologramm begann zu sprechen. ”Du, der dieses Buch geöffnet hast, bist der letzte Nachkomme der Wanderer. Die Gruppe der Wanderer bildet das Gewissen der Welt. Einstmals waren wir Tausende, jetzt gibt es nur noch fünf. Dein Grossvater ist einer von uns. Dein Vater hat sich geweigert, die Aufgabe zu übernehmen. Er wollte lieber ein normales Leben führen. Es hat ihm nichts genützt. Die Wanderer werden von den Dienern Mammons gejagt, der sich die Menschheit untertan machen will. Sie sind überall! Sie sind gnadenlos! Du musst die Aufgabe weiterführen, du bist das letzte Glied, die letzte Hoffnung!”

”Aber ich bin eine Frau”, warf Gwiazda ein, ”wie kann ich ein Wanderer sein?”

Das Hologramm antwortete nicht, denn es handelte sich hier um eine Aufzeichnung. Gwiazda fragte sich, wann die wohl gemacht worden war, denn früher war sie nicht im Buch gewesen, da war sie sich völlig sicher. Vielleicht hatte ihr Grossvater sie hergestellt nach dem Tod ihrer Eltern? Warum konnte sie sich überhaupt nicht an ihren Grossvater erinnern?

Das Hologramm hatte ihr weder gesagt, was sie tun könnte noch wie sie es tun könnte. Sehr hilfreich war das alles nicht. Jetzt war sie wieder aus ihrem Alltag gerissen, den sie doch so gerne wiederherstellen wollte und hatte noch nicht einmal Anweisungen oder Ratschläge für die von ihr anscheinend erwartete Rettung der Menschheit erhalten. Ob es wohl Pflicht für einen Wanderer war, in der seltsamen Kleidung herumzulaufen? Und welche Rolle spielte ihr ehemaliger Nachbar und angeblicher Freund Holger eigentlich? Diente er Mammon? Der junge Mann, den sie auf der Strasse gefunden hatte, war ein Sympathisant des Wanderers, denn er hatte ihn warnen wollen. Hatte Holger wohlmöglich etwas mit dem Anschlag auf den jungen Mann zutun? Das wäre schrecklich, unvorstellbar! Aber es war sehr merkwürdig, dass Holger am Abend so spät gerade dort war. Und dann war er sang- und klanglos verschwunden. Oder war auch ihm etwas zugestossen und sie verdächtigte ihn ungerechtfertigt?

Sie würde alle diese Fragen nicht am selben Abend beantwortet bekommen, so viel war sicher! Als Erstes würde sie jetzt das Buch noch einmal durchlesen. Vielleicht waren Hinweise darin versteckt. Ansonsten konnte sie nur hoffen, dass sie dem alten Mann noch einmal begenen würde. Das nächste Mal würde sie ihm gezielte Fragen stellen.

Zwischenmeldung …

… Oslo Teile 3 und 4 stehen aus, ich weiss, und Italien habe ich schon seit längerem fertig geschrieben, aber die Fotos auszusortieren und zu behandeln ist eine Monsteraufgabe …

In Kopenhagen habe ich gar nicht fotografiert, es war so warm und da waren so viele Menschen, Hilfe!!!! Ich gebürtige Hamburgerin bin ein richtiges Landei geworden … 😉

Daher bekommt ihr hier noch einmal ein paar Eindrücke vom Garten …

Erst einmal Tomaten, die MUSSTEN raus. Eine liebe Freundin hat mir geholfen, die Maurerbaljen zu beschützen, u. a. mit einer Glasscheibe von der Ruine. Das sind ganz dicke Scheiben, auf jeden Fall doppeltes Glas, und das lässt er da so rumstehen …

 

Ein neues Apfelbaumabenteuer? Wieder einmal Pink Lady. Der Kern mit der langen Wurzel war bereits im Apfel gekeimt:

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Maltapflanzen; der rote Klee wuchert, und ich erwäge ihn nach draussen zu pflanzen. Die Ich-weiss-nicht-was-es-ist-Pflanze wächst und wächst, aber ich habe immer noch nicht herausgefunden, was es ist. Die Oleander haben gekeimt, wie gesagt das erste Mal, dass es mir gelungen ist. 15 Stück habe ich gezählt:

 

Einige Blüten, u. a. von Steingartenpflanzen, aber der Steingarten ist ja noch nicht fertig. Ich habe eine Schale gemacht mit Lavasteinen, die ich aus Tenerife habe mitgehen lassen:

 

Und ein paar Eindrücke von dem Blütenteppichwaldstück, wo im Moment die Waldhyazinthen in blau, rosa und weiss vorherrschen, sowie die Riesenmaiglöckchen und überall stehen diese wunderbaren, grossblütigen Vergissmeinnicht; ich habe am Grillplatz eine einzige weissblühende Pflanze entdeckt. Die weissen Sterne kenne ich leider nicht; vielleicht wisst ihr was das ist?

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Ich habe leider erst ab nächste Woche Dienstag wieder Zeit zu bloggen. Ich werde mich bemühen, dass es eine Oslo-Folge wird. Die Bilder sind schon ausgesucht, sie müssen „nur noch“ behandelt (verkleinerpixelt) werden.

Ich wünsche euch allen eine schöne, sonnige Woche!

Mariager Fjord, Teil 2

Den zweiten Teil vom 6. Mai will ich euch nicht vorenthalten. Geplant war eine weitere Radtour am nördlichen Ufer des Mariager-Fjords entlang. Es gab keine ausgesprochenen Fahrradwege, aber so genannte „fahrradfreundliche“ Wege, aber das werdet ihr ja noch sehen. Jedenfalls sind es hauptsächlich Landschaftsfotos dieses Mal.

Ein etwas anderer Anblick empfing uns am Samstag Morgen:

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Spiegelglatt das Wasser, so gut wie kein Wind. Es wurden später ganze 22 Grad (Celsius), ein richtiger Sommertag.

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Da drüben würden wir entlangfahren. Ganz links sieht man noch eine Ecke eines kleinen idyllischen Hafens, der „Høllet“ heisst. Das weisse Haus mit dem roten Dach ist ein ganz wunderbares Anwesen.

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Auch an dem gelben Haus kamen wir später vorbei. Rechts daneben sieht man Stinesminde.

Wir starteten in Hobro am Hafen …

… hier ein Haus zu haben könnte man doch gut aushalten oder?  😉   …  die Strasse endet blind, sie ist also keine Durchfahrtsstrasse …

… dann auf einem Schotterweg am Golfplatz vorbei und dann landet man hier:

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Von hier aus hat man einen fantastischen Ausblick auf den Fjord.

Die folgende slide show zeigt den „fahrradfreundlichen“ Weg  bis zu den Bramslev Hügeln, vorbei am gleichnamigen Restaurant, wo gerade eine Konfirmation stattfand und zum Aussichtspunkt am Fjord, wo auch ein Restaurant lag, wo ebenfalls gerade eine Konfirmation stattfand. Das war eine kleinere Angelegenheit, höchstens 50 Leute. 😉  An einigen Stellen konnte man sehen, dass direkt am Wasser entlang ein Fussweg war. Den werden wir nächstes Mal gehen.

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Von den Bramslev Hügeln kehrten wir nach Hobro zurück, allerdings auf richtigen Fahrradwegen an der Strasse entlang. Dort setzten wir uns ins Auto und setzten fort, wo wir aufgehört hatten, denn wir wollten nach Stinesminde. Der Weg dorthin wurde uns angepriesen und sollte mit dem Auto befahrbar sein, obwohl es eine Sandstrasse ist.

Die Sandwegtour in der slideshow beginnt an einem Aussichtsplatz „Lundshøj“ (Wiesenhöhe) (mit Picknicktisch natürlich). Die zwei Gewässer, die man von dort oben sieht sind einmal der Fjord hinten und weiter vorne ein kleiner See, der Kielstrup Sø. Es sieht fast so aus, als ob Wasserdampf vom Fjord hochsteigt …
dann ging es weiter am Wasser entlang und durch den Wald, kilometerlang wunderschön, an „Høllet“ und den eingangs genannten Häusern vorbei bis nach Stinesminde. Dazwischen immer wieder dieser fantastische Weg, der „Under Skoven“ heisst (unter dem Wald). Ich hoffe, dass es euch nicht langweilig wird:

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Man kann an den Bildern sehen, dass da viel Sonne war; viele sind überbelichtet, aber einen Eindruck geben sie trotzdem.

Auf dem Rückweg gingen wir in Hadsund in einem italienischen Restaurant am Hafen essen. Dort liefen gerade sage und schreibe drei Konfirmationen. Vielleicht war deshalb die Pizza so schlecht (aber teuer). Jedenfalls war sie nicht richtig fertiggebacken. Dort werden wir nicht wieder hingehen. Aber ich brauchte wieder nicht zu kochen. Das ist auch mal ganz schön, selbst wenn ich gerne koche.

Das war es erst einmal wieder aus dem hohen Norden. Gute Nacht und einen schönen Sonntag wünsche ich euch allen.

 

Versprechen

 

Mein Mann und ich hatten die 80 überschritten, und das Leben begann wirklich mühsam zu werden: Wehwehchen, Schmerzen, Bewegungslosigkeit. Dann wurde bei meinem Mann die Alzheimer-Diagnose gestellt.

Wir hatten eine Absprache: keine aktive Sterbehilfe, aber auch keine künstliche Lebensverlängerung. Der Gesundere würde auf den anderen aufpassen, bis er starb.

Ich löste unseren Haushalt auf und verkaufte, verschenkte, vererbte all unser Habengut und unsere Wertgegenstände. Dann suchte ich uns einen kleinen stillgelegten Bauernhof in Nordschweden, in der Nähe von Haparanda, wo niemand wohnen will, dicht an der Grenze zu Finnland.

Dort schlugen wir im Sommer 2003 unsere Zelte auf. Das ist im übertragenen Sinne zu verstehen, denn dort stand ein wunderschönes, gemütliches, kleines Holzhaus in schwedisch Rot mit weissen Kanten. Fliessend Wasser und Elektrizität gab es natürlich nicht, aber das Haus hatte einen grossen Eisenofen, einen alten Kochherd, der mit Holz betrieben wurde und einen Dieselgenerator für Licht. Was brauchte man mehr? Ein Ziehbrunnen befand sich direkt vor dem Haus. Ein junger Mann aus Haparanda sorgte für Feuerholz. Die langen dunklen Winter waren hart, aber ich war entschlossen durchzuhalten.

Meinem Mann ging es nach und nach schlechter, bis er mich nicht mehr erkannte. Das war eine schwere Zeit. Eines nachts im August 2006 schlief er dann ganz friedlich ein. Ich hatte so viele Jahre Zeit gehabt, mich darauf vorzubereiten, aber es traf mich trotzdem wie ein Schlag. Ich war wie gelähmt. Was jetzt? Ich wäre ja gerne gleichzeitig mit ihm gegangen, um ihn vor Unbilden auf der anderen Seite zu bewahren. Er liess sich so leicht durch schöne Bilder vom eigentlichen Weg ablenken. Anscheinend hatte es nicht sollen sein. Ich fühlte mich auch nicht dem Sterben nahe.

Ich konnte es im Haus nicht aushalten und beschloss, in den Wald zu gehen. Dort setzte ich mich an einen Baum gelehnt an einen kleinen Bach und begann zu dösen. Nach einer Weile, ich weiss nicht wie lange ich geschlafen hatte, wachte ich auf und sah einen Wolf vor mir stehen, der mich intensiv betrachtete. Ich streckte ihm die Arme entgegen und rief: ”Freund, hilf mir auf die andere Seite!”

Der Wolf sah mich nur an und legte sich dann quer über meine Beine zum Schlafen. Ein unbändiges Lachen stieg in mir auf und am liebsten hätte ich losgegluckst, aber ich wollte den Wolf nicht stören, er lag da so friedlich. Ich beherrschte mich also mit Mühe und Not und fand mich mit der merkwürdigen Situation ab. Ich schlief sogar wieder ein. Vielleicht war das alles nur ein Traum?

Hier könnte die Geschichte enden.

Aber die Wirklichkeit sah anders aus. Ich wurde durch einen Gewehrschuss geweckt. Ich fühlte den Wolf hochzucken und dachte nur: ”Oh, nein!”

Es waren drei Männer. Der eine hatte geschossen. ”Sind Sie verletzt?” riefen sie mir zu. Ich war wie rasend und schrie sie an: ”Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen? Müsst ihr immer alles Schöne verderben?”

Sie sahen mich verständnislos an, denn in ihren Augen hatten sie mir ja gerade das Leben gerettet. Ich beugte mich über den Wolf und brach in hemmungsloses Schluchzen aus.

Mariager Fjord im Mai, Teil 1

Vom 4. bis zum 7. Mai waren wir mit dem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Mariager am Fjord mit demselben Namen. In Dänemark sagt man, dass dies der schönste Fjord in Dänemark sei. Da könnte was dran sein!

Wir kamen bei harter Cooling von Nord-Nordost an. Natürlich wollten wir uns so aufstellen, dass wir direkt aufs Wasser guckten, aber von dort kam der Wind. Nun haben wir ja in Trelde Næs bereits das Zusammenpacken bei Sturm geübt, aber das Aufbauen bei Sturm ist noch um einiges schwieriger. Zum Schluss gaben wir auf und beschlossen, einige Stunden zu warten, ob der Wind sich legen würde.

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Der Campingplatz liegt direkt am Fjord und ist nicht so riesig, sauber und mit netten Leuten bestückt.

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Wir kamen an einem Freitag an, am frühen Nachmittag, da waren noch nicht so viele Camper.

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Ja, so sah das aus, der Wind presste das Zelt gegen den Wohnwagen. Für jede Zeltstange hätten wir eine Person zum Festhalten gebraucht, aber so viele waren wir nicht, nur mein Mann und ich. Wir sind dann immer unterdurch gekrabbelt, denn wir wollten das Zelt nicht wieder aus der Schiene ziehen. Es war schwer genug gewesen, es hinein zu bekommen.

In der Zwischenzeit sind wir dann erst einmal Essen gegangen. Die Stadt liegt auf der anderen Seite der Strasse, also nur drei Minuten zu Fuss vom Platz aus. Hier kehrten wir ein, im Postgaarden: Sehr gemütlich.

So gegen 21.00 Uhr bauten wir dann endlich das Vorzelt auf. Es wehte noch immer ziemlich stark, aber es gelang uns.

Am nächsten Morgen empfing uns dieser Anblick:

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Nicht gerade windstill, aber blauer Himmel. Wir wollten eine Radtour von Hadsund nach Als Odde machen, wo der Mariager-Fjord ins Kattegat mündet. Der Weg führte uns über Dania, einen kleinen Ort, der völlig in privater Hand ist. Er entstand um eine Zementfabrik herum, die jetzt stillgelegt ist, und besteht hauptsächlich aus Reihenhäusern für die Arbeiter, Einzelhäusern für die Angestellten und einem extra luxuriösem Haus für den Direktor. In den meisten Häusern wohnen jetzt Privatleute oder es sind dort Kleinbetriebe untergebracht.

Von der Jugendherberge in Hadsund aus ging es dann mit dem Fahrrad weiter. Wir machten einen Abstecher zur Havnø Mølle, die im Sommer zu besichtigen ist. Solche Kleinodien sind in Dänemark oft nur durch freiwilliges Personal bestückt, genau wie der alte Kaufmannsladen in Tornby.

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Wir schafften es nicht ganz bis nach Als Odde, denn wir kämpften die ganze Zeit gegen den Wind. Wir drehten um und fuhren die Strecke noch einmal mit dem Auto, denn wir wollten im Cafe an der Mündung Kaffee trinken. Es war aber geschlossen, daher fuhren wir zurück in den Wald, wo wir das Jägerhaus JÆGERHUSET  gesehen hatten. Das sah gemütlich aus. Wie man auf den Bildern sehen kann, war der Eindruck berechtigt. Wir wurden von einer interessanten älteren Dame, also so in unserem Alter 😉 begrüsst. Sie hat das Restaurant seit 30 Jahren, glaube ich, und sie erzählte uns, dass in dem Haus nie ein Jäger gewohnt hätte. Es war also nicht klar, wo der Name herkam. Auch die vielen Hexen, die im Restaurant zur Stelle waren, hatten keinen historischen Hintergrund.   😉

Es gefiel uns dort so gut, dass wir am selben Abend zum Essen zurückkehrten. Für abends muss man dort einen Tisch bestellen, sonst kann es passieren, dass man keinen Platz bekommt. Im Sommer kann man auch draussen sitzen. Das Essen ist gut und wirklich nicht überteuert.

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Abends gingen wir dann noch durch Mariager. Wir hatten so viel darüber gehört. Schaut selbst:

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Ich mache ja nicht gerne schlechte Reklame, aber das Eis am Marktplatz ist wirklich nicht zu empfehlen. Es hat eine merkwürdige Konsistens, so als ob da Gelatine mit drin wäre. Ich hatte noch nie so ein seltsam klebriges Eis im Mund. Empfehlen können wir aber die Eisbude im 14 km entfernten Hobro an der Mole im Hafen. Das ist echtes, dekadentes, dänisches Vollsahneeis!

Mariager hat: Ein Kloster mit Klosterkirche, Klostergarten, Klosterrosengarten, Veteran-Eisenbahn, Raddampfer, Salzsiederei mit angeschlossener Wellnessanlage, Museum, Kino, Freimaurerloge (in Dänemark sind die Freimaurer ziemlich stark vertreten) und viele Ausflugmöglichkeiten auf dem Wasser, zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Die Mariageraner sind sehr stolz auf ihre Rosen. Leider blühten die natürlich noch nicht. Zwei Tage waren auf jeden Fall viel zu kurz, und wir werden im Sommer noch einmal dorthin fahren.

Der zweite Teil folgt in Bälde. Es ist gar nicht so einfach, die Fotos auszuwählen. Jetzt erst einmal gute Nacht!