Schon wieder Strandbilder …

Mein Mann und ich waren an einem wirklich schönen Strand, und zwar liegt der hinter Tornby klitplantage. Wenn man auf der Landstrasse 55 (Nord-Süd-Richtung) fährt und nach Tornby kommt, biegt man von Norden rechts und von Süden links in den Rævskærvej ein und fährt den bis zum Ende durch. Dort ist ein Parkplatz gleich an den Dünen. Es sind ca. 200 m durch die Dünen zum Strand, vielleicht weniger, jedenfalls nicht mehr. Mit Babies und Picknick und Baby-Ausrüstung ist es natürlich etwas anstrengender, aber es lohnt sich.

KarteTornby

Auf dem Weg zum Parkplatz kommt man auch an dem Wikingerdorf vorbei, von dem Frau Meermond schon berichtet hat, Yxengård.

Die drei ersten Bilder sind vom April, als ich mit meiner belgischen Freundin dort war, daher sieht der Himmel anders aus.

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Keine Angst, man muss nicht die steile Düne hoch. Wir wählten den bequemen Weg, ziemlich gerade und fast ohne Steigung.

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Tadaaa …

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Hier ein Bild von einer seltsamen Küstenformation:

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Und ein paar Eindrücke einfach nur zum Geniessen:

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Das war an einem Samstag Vormittag!!! Wir haben ganze fünf Leute getroffen, davon zwei Wanderdamen. Von Skagen bis zur deutschen Grenze verläuft nämlich ein Wanderweg, der Nordsøsti, der Nordseepfad, ca. 500 km lang (http://www.dvl.dk/naer-og-fjern/vandrelinks/480-nordsostien#, http://www.wandermap.net/en/official/1956134-north-sea-trail/). Teilweise geht er am Strand entlang, teilweise durch die Städte, teilweise verläuft er an der Steilküste.

Das war’s erst einmal wieder für heute. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

P.S.: … die seltsame Küstenformation war ein Trickfoto, aber das habt ihr bestimmt bemerkt … 😉

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Intuition, Teil 7 (Astras Rede)

Eine motivierende Rede zu schreiben erwies sich schwieriger als erwartet. Astra, alias Gwiazda, tat sich schon mit dem Anfang schwer. Wie sollte sie diese Leute anreden? Kameraden wäre wohl etwas zu plump vertraulich und klang entweder nach Pfadfindern oder nach Kommunisten. ”Mithelden”? Damit könnte sie sich vielleich einschmeicheln, aber es klang ziemlich dämlich.

”Mitstreiter”? Sie stritten ja nicht, die Gegenseite war schliesslich ausgemerzt oder? Sie sollte die Wanderer fragen, wozu sie eigentlich keine Lust hatte.

”Freunde und Freundinnen”, ja, schlicht und einfach. Vielleicht regt sich dann jemand auf, dass ich die männliche Form zuerst gebrauche, aber wenn Gleichberechtigung herrscht, können Frauen ja nicht verlangen, immer an erster Stelle genannt zu werden, nicht wahr? Ausserdem hatten die Menschen hier auf Stewart Island sicherlich wichtigere Dinge im Kopf.

Freunde und Freundinnen,
ich bin keine grosse Rednerin, eher eine Frau der Tat, [Wirklich? Was hast du denn Grosses getan?] genau wir ihr alle, die ihr hier mit mir auf Stewart Island versammelt seid. [”gestrandet” klingt so hilflos, selbst wenn es stimmt]. Jahrelang haben wir Projekt Exitus vorbereitet, immer in der Gefahr, von den Dienern Mammons entdeckt und getötet zu werden, wie meine Eltern [ich habe letztendlich keine Ahnung, ob das stimmt, aber es scheint mir strategisch klug, es hier zu erwähnen von wegen Märtyrer und Heldin, ha, so ein Schwachsinn]. Ihr Tod ist nicht vergebens gewesen, mit offenen Augen und wachem Sinn haben wir uns auf den Weg zu dieser Insel, unserer neuen Heimat gemacht [die Ironie dieser Bemerkung verstehen zwar nur die Wanderer, aber ich kann sie mir nicht verkneifen. Die Anderen wissen sicherlich nicht, dass ich betäubt und entführt worden bin]. Hier werden wir zusammen neu beginnen, eine neue Menschheit heranwachsen sehen und eine bessere Welt als die alte schaffen. In der Zwischenzeit kann der Planet gesunden und wird unsere Nachkommen später mit offenen Armen aufnehmen.
Lasst uns daher nicht so viele Worte machen, sondern schreiten wir zur Tat. Per aspera ad astra, nur durch Mühsal erreicht man die Sterne bzw. die Ziele, die man vor Augen hat. Es gibt viel zu tun. Die Zukunft der Welt und der Menschheit liegt in unseren Händen. Mögen wir uns der grossen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend handeln.
Unsere Herzen sind verbunden; seid tapfer!
[Dann mache ich einen Verbeuger, um meine angeborene Demut zu demonstrieren und winke in die Menge oder so. Mit der Rede konnten die Wanderer doch zufrieden sein oder?] (*Am Ende kommt noch einmal die Rede ohne die eckigen Klammern mit Astras Gedanken.)

Die Wanderer waren mehr als zufrieden. Sie sahen Astra erstaunt an; dann erhellten sich ihre Augen.

”So viel Einfühlungsvermögen hätten wir nicht von dir erwartet”, gestand Astras Grossvater, ”schliesslich warst du bei den Vorbereitungen gar nicht dabei. Aber du hattest schon immer einen wachen Sinn.” Der Bemerkung folgte ein Augenzwinkern. Aha, er hatte also die Ironie bemerkt, gut so. Sie sollten nicht denken, dass sie sie für dumm verkaufen konnten. Wenn sie mitspielen sollte, musste in Zukunft Klartext geredet werden. Sie hegte allerdings den nagenden Zweifel, dass sie den Wanderern bezüglich Manipulation und Strategie gewachsen war. Sie hatte ihre Emotionen noch nicht im Griff.

An dem Tag, an dem Astra ihre Rede hielt, herrschte schönstes Sonnenwetter mit azurblauem Himmel und nur einer sanften Brise. Die versammelten Menschen waren ernst, aber nicht feindselig. Die Rede weckte grossen Widerhall, einige Leute begannen sogar zu weinen. Als Astra ihnen am Schluss zuwinkte, begannen sie einstimig zu rufen ”Astra, Astra, Astra” und ”Per aspera ad astra”.

Die Wanderer warfen sich verstohlen zufriedene Blicke zu. Das Einzige, was Astra Sorgen machte war die Tatsache, dass während ihrer gesamten Rede Holger direkt hinter ihr stand. Sie hatte das nicht gleich bemerkt, aber sie konnte sehen, dass einige Zuhörer tuschelten und hinter sie schauten. Als sie sich umdrehte stand dort Holger und strahlte sie an. Sie musste mit ihrem Grossvater sprechen. Wenn es bedeutete, was sie glaubte, dass es bedeutete, musste sie ihm die Idee ausreden. Verkuppeln lassen wollte sie sich verdammt nochmal nicht, was bildeten die sich ein. Aber vielleicht täuschte sie sich ja auch …

 

 

* Freunde und Freundinnen,
ich bin keine grosse Rednerin, eher eine Frau der Tat, genau wir ihr alle, die ihr hier mit mir auf Stewart Island versammelt seid.
Jahrelang haben wir Projekt Exitus vorbereitet, immer in der Gefahr, von den Dienern Mammons entdeckt und getötet zu werden, wie meine Eltern. Ihr Tod ist nicht vergebens gewesen, mit offenen Augen und wachem Sinn haben wir uns auf den Weg zu dieser Insel, unserer neuen Heimat gemacht. Hier werden wir zusammen neu beginnen, eine neue Menschheit heranwachsen sehen und eine bessere Welt als die alte schaffen.
In der Zwischenzeit kann der Planet gesunden und wird unsere Nachkommen später mit offenen Armen aufnehmen.
Lasst uns daher nicht so viele Worte machen, sondern schreiten wir zur Tat. Per aspera ad astra, nur durch Mühsal erreicht man die Sterne bzw. die Ziele, die man vor Augen hat.
Es gibt viel zu tun. Die Zukunft der Welt und der Menschheit liegt in unseren Händen. Mögen wir uns der grossen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend handeln.
Unsere Herzen sind verbunden; seid tapfer!

 

Entspannung der Lage?

Gestern Morgen wurde noch einmal eine kleine Portion Holz „nachgelegt“:

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Aber gleichzeitig kamen Leute, um am Abwasserabfluss eine Art Siphon anzubringen, damit bei bestimmten Windrichtungen nicht Kloakgeruch herrscht. Deshalb hatten wir nämlich unseren Sitzplatz verlegt, weil da Kloakgeruch aus den Deckeln und dem Keller kam, wenn der Wind in das Abflussroh blies. Das Abwasser wird in einem breiten Flexrohr unterirdisch in einen Graben hinter dem Waldstück geleitet und endet dann letztendlich in dem Teich, den man vom Grillplatz aus sehen kann. Aber nicht das aus der Toilette, das fliesst in einen Septiktank.

Ausserdem sind der Hauswirt und ein Mann dabei, den Sockel an der Stelle zu reparieren, wo das Wasser in den Keller kommt. Da wird sich die nagelneue Pellet-Heizung freuen, die seit Ende Februar im Wasser gestanden hat. Er klingelte an, um Bescheid zu sagen, dass er jetzt am Sockel arbeite und dass sie auf die Pflanzen achtgeben würden (!!!) und weil er Wasser brauchte, um die Mauer abzuspülen. Der erste Blick in die Augen war nicht sehr freundlich, aber dann führten wir uns beide musterhaft auf.  Ich fragte ihn sogar, ob ich die Tomaten entfernen sollte, um guten Willen zu zeigen. Seid ihr nicht stolz auf mich???  😉  😀

Ich weiss nicht, was in ihn gefahren ist, aber ich bin froh, wenn sich die Situation auf diese Weise entschärft. Vielleicht hat er Einsichten gehabt? Vielleicht will er es nicht auf sich sitzen lassen, dass mein Mann ihn unzuverlässig genannt hat? Wie dem auch sei, die neuen Mieter werden es besser haben. Zumindest mit der Bausubstanz. Ich bin nicht sicher, dass er das mit der Kränkung des Privatfriedens begreift.

Und hier noch etwas Schönes:

Drinnen:

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Die fünf priviligierten Oleanderpflänzchen (plus Geranienableger, der sich gerade auf eine neue Blüte vorbereitet) …

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… und die zehn anderen. Ich habe einfach noch nicht so viele weisse Übertöpfe, aber das mache ich noch. Der oberste kleine Oleander ist eine Art Halbalbino, wie der Bärlauch in Trelde.

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Die Malta-Pflanze wächst enorm, trotzdem ich den Haupttrieb bereits beschnitten habe. Der gelbe Klee steht trocken in der Speisekammer. Wenn ich den wieder anfange zu giessen, müssten sich eigentlich aus den Knöllchen, die er abgeworfen hat, neue Pflanzen bilden. Wir werden sehen …

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Hier eine aparte Kletterpflanze. Ich weiss nicht, wie sie heisst. Die dickfleischigen, herzförmigen Blättchen sind ungefähr daumennagelgross. Und dann bekommt sie diese kleinen lila Blüten, die wie Laternchen aussehen.

Draussen:

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Hier stehen jetzt alle meine Rhodos. Sie sehen schön gesund aus. Kleinere Stauden habe ich einfach mit in die Kübel gestellt. Der Trailer steht dort als Windschutz. Ich grabe das meiste schon aus und fülle die Löcher auf, denn dann kann sich das Gras bis zu unserem Auszug wieder erholen.

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Die Osttreppe. Das Beet davor ist dabei sich zu etablieren. Die Stockrosen waren eigentlich dazu gedacht, die Treppe zu verdecken, aber ich nehme sie alle mit, auch die Lupinen (nicht mit im Bild).

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Unsere Tomaten sind alle am Blühen. Die Früchte werden sicherlich alle gleichzeitig im August reif sein … 😀

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Zwischen all den blauen Glockenblumen hat sich bisher nur eine einzige weisse gezeigt. Die Pflanze werde ich mitnehmen. Von den blauen habe ich eine Menge in anderen Blumentöpfen (sie sähen sich überall hin). Ich finde sie wunderschön! Sie blühen ziemlich lange und halten sich auch gut in der Vase.

So, das war’s für heute. Ich wollte eigentlich gestern schon posten, aber mir ging es nicht so gut. Gestern Mittag hatte ich auf einmal 38 Fieber! Die Medizin ist auch ein echter Hammer und macht mich müde, aber sie scheint zu wirken, denn das Borreliose-Erythem ist fast weg. Noch fünf Tage Antibiotikum und dann bin ich wieder „frisk som en havørn“, wie man hier sagt (fit wie ein Seeadler).

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche. (Am Donnerstag soll es bei uns Sturm, Regen und Gewitter geben, mal sehen … es kommt ja nicht immer so, wie sie es vorhersagen … 😉   )

 

 

 

Der Morgen danach …

Heute Morgen, der Morgen nach unserem ganz privaten St.-Hans-Feuer, das unser Vermieter veranstaltet hat, war da immer noch ziemlich viel Glut in dem Haufen. Gestern Abend/Nacht um halb elf kam nochmal jemand. Ich hörte ja eine Maschine. Anscheinend hat derjenige die Glut von den Bäumen weggeschubst und eine Art Wall um die Glut errichtet. So ganz sicher fühlten die sich anscheinend doch nicht. (Am späten Nachmittag waren sie ja alle abgeschwirrt und haben es einfach brennen lassen.) Heute Morgen war er wieder da und hat die Glut auseinandergerissen, damit sie schneller abkühlt. Es qualmt immer noch und stinkt nach Rauch, aber das geht die Mieter ja nichts an, die müssen das nur riechen … 😉

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Unser Vermieter hat ja gestern noch meinen Mann angerufen und ihm erzählt, dass ich nicht ganz richtig im Kopf wäre. Das fiel bei meinem Mann nicht auf guten Boden … 😉 Hat er vielleicht geglaubt, dass mein Mann auf seiner Seite sein würde?

Ich hatte nämlich zu seinem Sohn gesagt, dass ich die Feuerwehr rufen würde, wenn die grossen Bäume anfangen würden zu brennen. Das ist ja zum Glück nicht passiert. Wegen der Bemerkung bin ich nicht richtig klug im Kopf. 😀

Auf dem folgenden Bild könnt ihr sehen, wie hoch an den Bäumen die Blätter ab- und angesengelt sind (5-6 m hoch). Ich wage zu behaupten, dass es ohne den vielen Regen nicht so glimpflich abgegangen wäre.

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Jetzt habe ich mir noch eine Borreliose angelacht und war gestern dann auch noch beim Arzt und habe sofort Antibiotika bekommen. Mir war nicht sofort klar gewesen, dass es eine Borreliose war, weil ich an derselben Stelle auch noch drei dicke Mückenstiche hatte, aber gestern bekam ich Fieber und da dachte ich, jetzt aber ab zum Arzt. Ich hatte das schon einmal in Schweden, aber da sah das viel schlimmer aus.

Nun, das Drama ist vorbei (hoffentlich) und von nun an kann es nur noch besser werden.  😉 Anfang September ziehen wir um, und dann beginnt wieder einmal ein neues Leben mit einem neuen Garten.  Wenn ich mich richtig daran erinnere wird das dann Nr. 7.

Ich wünsche euch allen noch ein schönes Restwochenende.

 

Abbruchszenen Ende

Hier die letzten Bilder der Abbruchserie. Die sprechen für sich selbst:

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Der Vermieter rief an. Ich hatte nämlich gesagt, dass ich die Feuerwehr rufen würde, wenn die grossen Bäume anfangen würden zu brennen. Da hatte er natürlich Angst, dass sein unreglementiertes Feuer publik wird, stellte es aber so dar als ob er in seiner grossen Güte verhindern wollte, dass ich einen unnötigen Einsatz der Feuerwehr bezahlen müsste.

Mein Mann sagt, die Bäume werden nicht anfangen zu brennen, die wären zu feucht. (Es hat in der Nacht ziemlich geregnet.) Jedenfalls will ich das Auto zuhause haben, falls ich flüchten muss.

Und hier noch was Schönes:

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Wünscht mir Glück, ich habe nämlich wirklich Schiss in de Büx.

Dekoration selbermachen

Mit anderen Worten: Handarbeit! (Ein Thema, das ich dieses Jahr sehr vernachlässigt habe … wegen Zeitmangel … und weil all die Kochrezepte irgendwie wichtiger waren …) In diesem Falle habe ich eine Idee aufgegriffen, die ich auf dem Jahrmarkt in Hjallerup gesehen habe. Das ist der grösste Jahrmarkt in Dänemark und findet einmal im Jahr statt. Dort findet man alles von Socken über Kunst zu Pferden samt Zubehör.

Besonders angezogen haben mich dort drei Stände: einer wo alle möglichen Gegenstände aus Fahrradschlangen hergestellt wurden, sogar eine Motorradjacke genäht aus diesen Gummidingern. Sah gut aus; der zweite Stand war auch einer, wo man Ideen dazu bekam, aus Altem was Neues zu machen, wie das unten auf den Bildern; und dann einer wo man aus Metall alle möglichen Gegenstände und Figuren geschmiedet hatte. Die Auto- und Motorradmodelle taten es mir natürlich an, aber es gab auch einen Whisky-Flaschenhalter in Form eines Piraten mit Säbel und Papagei auf der Schulter. Das Sortiment war sehr vielseitig.

Ich habe keine Fotos gemacht, das muss man einfach erleben. Pflanzen gab es auch sehr billig. Ich habe mir 10 Impatiens gekauft, um das Rhododendronbeet aufzuhellen, aber zum Thema Garten kommt ein anderer (kurzer) Beitrag.

 

Ich habe die Idee ein bisschen aufgepeppt und Kordeln gedreht, anstatt nur einfach Garnfäden zu nehmen. Die Flasche hängt an drei Kordeln, die unten zusammengeknotet sind. Ich habe sie sowohl unten als auch oben durch die Häkelei gezogen, damit nicht alles dauernd verrutscht. Ausserdem kann die Flasche dann auch nicht rausfallen. Man kann alle möglichen Gläser nehmen, grosse, kleine, breite, schmale. Diese Flasche war im Moment das schönste Glasgefäss, das ich hatte.

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Man kann die Aufhängung natürlich verkürzen. Die Kette habe ich auch auf dem Markt gekauft. Da war ein Stand, wo jeder Artikel nur 5 Kronen kostete. Da habe ich einige kleine Deko-Sachen mitgenommen.

Das Wochenende kommt mit Riesenschritten, erst einmal tschüss und bis demnächst in diesem Theater!

 

Intuition, Teil 6

Intuition, Teil 6

 

Gwiazda verbrachte Stunden damit hin- und her zu überlegen. Nur eines war sicher: sie würde die Gasmaske nicht benutzen. Sie wollte nicht Teil eines Verbrechens dieses Ausmasses sein. Irgendwann siegte die Erschöpfung und Gwiazda schlief auf dem Sofa ein.

So bemerkte sie nicht, dass Holger zurückkam, ihr etwas in den Arm spritzte und zwei junge Männer mit einer Tragbahre in ihre Wohnung liess, die sie in einen Krankenwagen trugen, der mit Blaulicht vor dem Haus hielt. Ihre Entführung wurde als Notfall getarnt. Holger schloss die Wohnung ab, warum eigentlich?

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Als Gwiazda aufwachte, wusste sie nicht, wo sie wahr. Dieses Zimmer hatte sie noch nie gesehen. Sie wühlte sich schwach, benommen, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.

Jemand klopfte an die Tür und trat ein. Es war Holger. ”Du bist wach, wie schön!” rief er aus, ”wie fühlst du dich?”

”Ich weiss nicht. Wo bin ich, was ist passiert?”

”Wir sind alle auf Stewart Island, einer grossen Insel vor der Küste Neuseelands. Exitus ist vorbildlich verlaufen. Menschen, Tiere, Lebensmittel etc. etc. alles ist reibungslos rübergeschafft worden. Und dann haben wir die Boote zerstört.”

Gwiazda war sprachlos und starrte Holger stumm an.

”Ich musste dich betäuben, sonst hättest du die Gasmaske nicht aufgesetzt, das war mir klar!” sagte Holger, ”aber wir brauchen dich als Leitfigur für die neue Menschheit. Du bist die Mutter des neuen Volkes. Verfolgt von den Anhängern Mammons, deine Eltern von ebendiesen ermordet, du bist unsere Heldenfigur, die diese Gruppe zusammenhalten soll.”

Gwiazda fühlte sich nicht sehr heldenhaft. Noch nie in ihrem Leben war sie so schockiert gewesen wie jetzt. Sie war gefangen genommen worden, ganz einfach. Jetzt war sie an dieses Projekt gebunden, ob sie wollte oder nicht. Sie gab vor wieder zu schlafen. Sie war einfach noch nicht stark genug, sich dieser neuen Realität zu stellen.

Am nächsten Tag kam ihr Grossvater zu Besuch. Er war der ’einsame Wanderer’ und ging immer noch in Hut und wehendem Mantel gekleidet. Er erzählte Gwiazda, wie sie jahrelang diese Operation vorbereitet hatten, immer in der Gefahr schwebend, dass die Diener Mammons sie entdecken würden. Aber es war ihnen gelungen 900 Menschen auf diese Insel zu bringen. Familien aller Nationalitäten, Hautfarben und Religionen. Das Ziel war diese Menschen sich vermischen zu lassen, so dass am Ende alle sehr individuell aussahen und es keine Gruppen mehr geben würde, zu denen man zugeordnet werden konnte. ’Die haben keine besonders gute Menschenkenntnis’, dachte Gwiazda, ’ohne Schubladen können die meisten Menschen gar nicht leben; Schubladendenken gibt ihnen Sicherheit.’ Aber natürlich konnten diese Wandereranhänger besondere Menschen sein.

”Wir haben nur zwei Gesetze, die für ein friedliches Miteinander ausreichen sollten: ’Einer für alle, alle für einen’ und ’was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu’, das reicht völlig. Alle arbeiten drei Stunden am Tag in den Feldern und drei Stunden in ihrem anderen Beruf, wenn sie einen haben, ansonsten 6 Stunden in den Feldern oder beim Fischen. Bis alles eingerichtet ist, wird die Nahrung hauptsächlich aus Fisch und anderen Meerestieren bestehen. Die Leute sind in guter Stimmung und zuversichtlich. Ich hoffe, dass du sehr bald zu ihnen reden können wirst.” erzählte ihr Grossvater.

’Zu ihnen reden? Ach ja, sie war ja die Mutter der Nation’, dachte Gwiazda spöttisch.

Von dem Tag an wurde sie nicht in Ruhe gelassen. Holger kam, der Grossvater kam, und eine ältere Dame kam sie besuchen. Sie war auch ein Wanderer oder würde man hier Wanderin sagen? Sie machte ihr klar, wie wichtig ihre Rolle war. Sie müsste sich überlegen, wie sie die Leute ansprechen und motivieren würde und, das Wichtigste, sie müsste einen neuen Namen bekommen, der einer ’Mutter der Nation’ würdig war. Gwiazda benutzte diesen Ausdruck nur in Gedanken. Die Wanderer nannten sie ’unsere Heldin’.

Sie hatte den Eindruck, dass man sie erst aus dem Zimmer lassen würde, wenn sie sich fügte. Da sie ins Zimmer gesperrt nichts herausfinden konnte, musste sie wohl oder übel erst einmal mitspielen und dann weitersehen. Nun gut, eine motivierende Ansprache und ein Heldenname. Das würde sie können oder? Erst einmal der Name.

Ihr Name Gwiazda bedeutete ’Stern’ auf Polnisch, und Freunde nannten sie normalerweise ’Sternchen’. Die jetzigen Kinder glaubten, dass sie das Sternchen aus dem Buch ’Sternchen und der Wanderer’ war, hatte Holger ihr erzählt. Aber Sternchen passte nicht mehr als Name, bei all der Verantwortung, die Gwiazda anscheinend tragen sollte.

Wie wäre es mit ’Kind der Sterne’ oder ’Sternenkind’, aber sie war kein Kind mehr, dann könnte sie genausogut ’Sternchen’ beibehalten. ’Madame Etoile’? Das klang nach Puffmutter. ’Star Girl’? ’Star Woman’? Das klang nach Superheldin, nicht ideal, aber besser als die anderen Namen. ’Sternenkönigin’? Ziemlich anmassend, nicht wahr? ’Orion’? Das müsste doch Respekt einflössen, klang aber irgendwie männlich. ’Pleijada’? Oh, nein, dann konnte sie sich gleich ’Asteroida’ nennen.

Warum nicht ”Astra”? Per aspera ad astra, durch Mühsal zu den Sternen. Dann war Stewart Island auf jeden Fall noch Teil der Aspera …

Eines stand fest, sie musste aus diesem Zimmer raus, damit sie sich ein Bild von der Lage der Dinge machen konnte. Sie musste mit den anderen Leuten sprechen, hören wie sie dachten, warum sie bei diesem Verbrechen mitgemacht hatten. Ihr war klar, dass sie so natürlich nicht reden durfte, aber denken konnte sie schliesslich immer noch was sie wollte.

’Astra’ also, das klang gut. Das lateinische Motto könnte sie in ihre motivierende Ansprache einbauen. Am besten war, sie würde mit ”ich bin keine grosse Rednerin” beginnen, denn dann waren die Erwartungen nicht so hoch und sie musste keine lange Rede schreiben. Sie liess sich Papier und Kugelschreiber bringen und begann, ihre Antrittsrede als Heldin der neuen Nation zu entwerfen.