Intuition, Teil 4

Ich war der Meinung, dass ich diesen Abschnitt gestern Nacht so gegen 02.00 Uhr morgens „gepublished“ hätte. War aber nicht so.

[Für die Nachteulen schon mal vorab:]

Es gingen einige Wochen ins Land, wie man so schön sagt, und nichts tat sich, aber auch gar nichts. Gwiazda hatte keine plötzlichen ”zufälligen” Treffen, weder der einsame Wanderer noch die Ledermantelmänner tauchten auf, und sie bekam nicht den geringsten Hinweis darauf, was sie unternehmen sollte. Auch wusste sie immer noch nicht, was aus Holger und dem jungen Verletzten geworden war.

Sie kam daher auf die Idee, den alten Mann ”anzulocken”, und zwar mit dem Buch ”Sternchen und der Wanderer”.

Am kommenden Sonnabend fand Gwiazda ein Cafe in der Nähe des Restaurants, wo sie die Ledermantelmänner gesehen hatte und setzte sich an einen Tisch am Fenster. Sie legte das Buch von aussen gut sichtbar auf den Tisch.

Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass sich von fast allen Tischen im Cafe mindestens eine Person umwenden und sie anstarren würde. In den Blicken dieser Menschen war Ekel, Schrecken, ja sogar Wut zu lesen. Schliesslich kam ein jüngerer Mann mit wutverzerrter Miene an ihren Tisch und fragte sie, ob das ihr Buch wäre. Intuitiv verneinte Gwiazda. ”Es lag auf dem Stuhl als ich kam.”
”Tun Sie es weg, verbrennen Sie es, vernichten Sie es!” rief der junge Mann mit Verzweiflung in der Stimme.
”Es ist doch nicht mein Eigentum, vielleicht kommt der Besitzer zurück um es zu holen!” erwiderte Gwiazda.
”Dann legen Sie es wenigstens zurück auf den Stuhl, mit dem Titelbild nach unten!” flehte er sie an.
”Na gut, regen Sie sich nicht auf!” sagte Gwiazda und tat wie er sie gebeten hatte. Doch was war das? Auf der Rückseite des Buches, wo normalerweise eine Zusammenfassung des Inhalts stand, war auf einmal das Gesicht des alten Mannes mit der Zipfelmütze zu sehen. Gwiazda versuchte, nicht erstaunt zu wirken, denn schliesslich hatte sie ja behauptet, das Buch nicht zu kennen.

Die Wirkung des Bildes auf den jungen Mann war jedoch verblüffend: er wurde kreidebleich, fasste sich mit der rechten Hand ans Herz und bekam anscheinend keine Luft mehr.

Gwiazda sprang auf und klopfte ihm auf den Rücken. ”Was ist denn mit Ihnen?” fragte sie den jungen Mann, ”das ist doch nur irgendein alter Mann!”
Der junge Mann schaute sie erschreckt an. ”Ja, natürlich, Sie haben völlig Recht”, sagte er und verschwand eilends aus dem Cafe.

Um die Gemüter zu beruhigen, deckte Gwiazda das Buch mit einer Serviette zu und liess es liegen, als sie aus dem Cafe ging. Sie wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es gab anscheinend unzählige Anhänger Mammons. Wie sollte sie nur die Menschheit retten bei so vielen Widersachern? Sie schienen überall zu sein.

Als sie nach Hause kam, sass der alte Mann mit der Zipfelmütze in ihrem Wohnzimmer. ”Bist du denn völlig wahnsinnig geworden? fuhr er sie an, ”willst du in allerletzter Minute noch alles verderben?”

Anstatt zu antworten fragte Gwiazda ihn, wie er in ihre Wohnung gekommen sei und ausserdem sei sie das alles leid, denn sie solle angeblich die Menschheit retten, bekomme aber keine Antwort auf Fragen, sondern nur mystische, vage Andeutungen.

Der Ton des alten Mannes veränderte sich. ”Du hast Recht, es ist nicht einfach für dich. Habe nur noch ein ganz klein wenig Geduld. In wenigen Wochen ist alles vorbei und eine neue Ära mit dir an der Spitze beginnt. Bitte vertraue mir, um deines Grossvaters willen! Du wirst benachrichtigt, wenn es so weit ist. Es wird nicht mehr lange dauern, einen Monat höchstens.”

Bevor Gwiazda nachfragen konnte was ”mit dir an der Spitze” bedeutete, war der alte Mann wieder verschwunden. Das war doch eine irritierende Angewohnheit!

Sie hatte die Nase gestrichen voll, endgültig! Sie würde das alles vergessen, und die Wanderer konnten sie mal an die Füsse fassen. Aus, Schluss, vorbei!

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 24 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2017).

3 Gedanken zu „Intuition, Teil 4“

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