Intuition, Teil 7 (Astras Rede)

Eine motivierende Rede zu schreiben erwies sich schwieriger als erwartet. Astra, alias Gwiazda, tat sich schon mit dem Anfang schwer. Wie sollte sie diese Leute anreden? Kameraden wäre wohl etwas zu plump vertraulich und klang entweder nach Pfadfindern oder nach Kommunisten. ”Mithelden”? Damit könnte sie sich vielleich einschmeicheln, aber es klang ziemlich dämlich.

”Mitstreiter”? Sie stritten ja nicht, die Gegenseite war schliesslich ausgemerzt oder? Sie sollte die Wanderer fragen, wozu sie eigentlich keine Lust hatte.

”Freunde und Freundinnen”, ja, schlicht und einfach. Vielleicht regt sich dann jemand auf, dass ich die männliche Form zuerst gebrauche, aber wenn Gleichberechtigung herrscht, können Frauen ja nicht verlangen, immer an erster Stelle genannt zu werden, nicht wahr? Ausserdem hatten die Menschen hier auf Stewart Island sicherlich wichtigere Dinge im Kopf.

Freunde und Freundinnen,
ich bin keine grosse Rednerin, eher eine Frau der Tat, [Wirklich? Was hast du denn Grosses getan?] genau wir ihr alle, die ihr hier mit mir auf Stewart Island versammelt seid. [”gestrandet” klingt so hilflos, selbst wenn es stimmt]. Jahrelang haben wir Projekt Exitus vorbereitet, immer in der Gefahr, von den Dienern Mammons entdeckt und getötet zu werden, wie meine Eltern [ich habe letztendlich keine Ahnung, ob das stimmt, aber es scheint mir strategisch klug, es hier zu erwähnen von wegen Märtyrer und Heldin, ha, so ein Schwachsinn]. Ihr Tod ist nicht vergebens gewesen, mit offenen Augen und wachem Sinn haben wir uns auf den Weg zu dieser Insel, unserer neuen Heimat gemacht [die Ironie dieser Bemerkung verstehen zwar nur die Wanderer, aber ich kann sie mir nicht verkneifen. Die Anderen wissen sicherlich nicht, dass ich betäubt und entführt worden bin]. Hier werden wir zusammen neu beginnen, eine neue Menschheit heranwachsen sehen und eine bessere Welt als die alte schaffen. In der Zwischenzeit kann der Planet gesunden und wird unsere Nachkommen später mit offenen Armen aufnehmen.
Lasst uns daher nicht so viele Worte machen, sondern schreiten wir zur Tat. Per aspera ad astra, nur durch Mühsal erreicht man die Sterne bzw. die Ziele, die man vor Augen hat. Es gibt viel zu tun. Die Zukunft der Welt und der Menschheit liegt in unseren Händen. Mögen wir uns der grossen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend handeln.
Unsere Herzen sind verbunden; seid tapfer!
[Dann mache ich einen Verbeuger, um meine angeborene Demut zu demonstrieren und winke in die Menge oder so. Mit der Rede konnten die Wanderer doch zufrieden sein oder?] (*Am Ende kommt noch einmal die Rede ohne die eckigen Klammern mit Astras Gedanken.)

Die Wanderer waren mehr als zufrieden. Sie sahen Astra erstaunt an; dann erhellten sich ihre Augen.

”So viel Einfühlungsvermögen hätten wir nicht von dir erwartet”, gestand Astras Grossvater, ”schliesslich warst du bei den Vorbereitungen gar nicht dabei. Aber du hattest schon immer einen wachen Sinn.” Der Bemerkung folgte ein Augenzwinkern. Aha, er hatte also die Ironie bemerkt, gut so. Sie sollten nicht denken, dass sie sie für dumm verkaufen konnten. Wenn sie mitspielen sollte, musste in Zukunft Klartext geredet werden. Sie hegte allerdings den nagenden Zweifel, dass sie den Wanderern bezüglich Manipulation und Strategie gewachsen war. Sie hatte ihre Emotionen noch nicht im Griff.

An dem Tag, an dem Astra ihre Rede hielt, herrschte schönstes Sonnenwetter mit azurblauem Himmel und nur einer sanften Brise. Die versammelten Menschen waren ernst, aber nicht feindselig. Die Rede weckte grossen Widerhall, einige Leute begannen sogar zu weinen. Als Astra ihnen am Schluss zuwinkte, begannen sie einstimig zu rufen ”Astra, Astra, Astra” und ”Per aspera ad astra”.

Die Wanderer warfen sich verstohlen zufriedene Blicke zu. Das Einzige, was Astra Sorgen machte war die Tatsache, dass während ihrer gesamten Rede Holger direkt hinter ihr stand. Sie hatte das nicht gleich bemerkt, aber sie konnte sehen, dass einige Zuhörer tuschelten und hinter sie schauten. Als sie sich umdrehte stand dort Holger und strahlte sie an. Sie musste mit ihrem Grossvater sprechen. Wenn es bedeutete, was sie glaubte, dass es bedeutete, musste sie ihm die Idee ausreden. Verkuppeln lassen wollte sie sich verdammt nochmal nicht, was bildeten die sich ein. Aber vielleicht täuschte sie sich ja auch …

 

 

* Freunde und Freundinnen,
ich bin keine grosse Rednerin, eher eine Frau der Tat, genau wir ihr alle, die ihr hier mit mir auf Stewart Island versammelt seid.
Jahrelang haben wir Projekt Exitus vorbereitet, immer in der Gefahr, von den Dienern Mammons entdeckt und getötet zu werden, wie meine Eltern. Ihr Tod ist nicht vergebens gewesen, mit offenen Augen und wachem Sinn haben wir uns auf den Weg zu dieser Insel, unserer neuen Heimat gemacht. Hier werden wir zusammen neu beginnen, eine neue Menschheit heranwachsen sehen und eine bessere Welt als die alte schaffen.
In der Zwischenzeit kann der Planet gesunden und wird unsere Nachkommen später mit offenen Armen aufnehmen.
Lasst uns daher nicht so viele Worte machen, sondern schreiten wir zur Tat. Per aspera ad astra, nur durch Mühsal erreicht man die Sterne bzw. die Ziele, die man vor Augen hat.
Es gibt viel zu tun. Die Zukunft der Welt und der Menschheit liegt in unseren Händen. Mögen wir uns der grossen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend handeln.
Unsere Herzen sind verbunden; seid tapfer!

 

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 24 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2017).

2 Gedanken zu „Intuition, Teil 7 (Astras Rede)“

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