Was habe ich eigentlich so gemacht im Leben?

Ich bin eigentlich nie ehrgeizig gewesen. Das eine Jahr in der Fremdsprachenschule, das mich zur fremdsprachlichen Sekretärin mit Englisch, Französisch und Spanisch ausbildete, war mehr oder weniger meine Berufsausbildung. Wenn ich allerdings einen Job hatte, habe ich ihn so gut gemacht, wie ich konnte, und das war manchmal besser als andere. Ich hätte nach dem Abitur studieren können, wusste aber nicht was. Ausserdem wäre ich dann weiterhin von meinem knauserigen Vater abhängig gewesen. Ich wollte so schnell wie möglich Geld verdienen. Von zuhause bin ich bereits vor dem Abitur ausgezogen, da ich den Stress mit meiner Mutter nicht mehr ertragen konnte. Ich bekam ein Zimmer bezahlt und ansonsten meine Monatskarte und 50 DM Taschengeld, das war’s. Mein Vater wollte nicht noch mehr Geld ausgeben, da ich ja schliesslich zuhause wohnen konnte, wenn ich wollte. Den ersten Monat habe ich daher von Schwarzbrot und Erbeermarmelade von Aldi gelebt. Ich war zu stolz, zum Essen zu meiner Mutter zu gehen. Zum Glück hatte ich gute Freundinnen, die ihre Mütter baten, mich immer mal zum Mittagessen einzuladen. Dann begann ich im Otto-Versand zu arbeiten in der Spätschicht und verdiente mir so ein wenig Geld dazu.

Mein Austronesistik-Studium habe ich nur gemacht, weil ich probieren wollte, wie es ist zu studieren und die Thematik mich interessierte (Kulturen und Sprachen aus Indonesien und der Südsee). Man kann damit aber nur Professor werden, und das wollte ich auf keinen Fall. Ich passte nicht zu den Menschen an der Uni.

Ich hatte diverse Beziehungen mit Männern verschiedener Hautfarben, Nationalitäten und Glaubensrichtungen, immer auf der Suche nach der grossen Liebe. Ich ging eine verkorkste Ehe mit einem Halbösterreicher ein, die viel zu lange gedauert hat. Neun Jahre, glaube ich. Drei Jahre danach, nachdem ich mich immun glaubte, ”geschah” eine neue Ehe und es folgte der Umzug nach Dänemark mit Kater und Kegel. Da bin ich noch, mit meinem geliebten Mann und gleichzeitig bestem Freund seit 24 Jahren. Wir haben einige finanzielle AufundAbs erlebt und diverse seelische Krisen durchgestanden, die von aussen auf uns eingestürmt sind und die unsere Beziehung nur noch stärker gemacht haben.

Mein Kater wurde 16 Jahre alt.

Ich war immer gut mit Sprachen. Ich spreche Deutsch, Englisch und Dänisch auf gleichem Niveau, Französisch fortgeschritten und Spanisch und Russisch auf Anfängerniveau. Das hat mir im Beruf geholfen und machte mir Spass.

Dann habe ich vier Jahre lang ein Heilpraktiker-Studium neben einem Vollzeitjob durchgezogen, und zwar als Fernstudium kombiniert mit Wochenendseminaren in Hamburg bei einer Heilpraktikerin in Blankenese. Ich wollte aus meinem Beruf ausbrechen, habe mich dann aber letztendlich nicht getraut. Aber das Studium hat viel Nutzen für meinen Mann und mich gebracht. In diesem Zusammenhang habe ich mich sehr eingehend mit alternativen Heilmethoden beschäftigt, vor allem mit Pflanzenkunde und Ernährung, und sie an mir und meinem Mann erprobt.

Achja, und dann habe ich noch 4 Massagekurse (Kopenhagen) und 3 Sanjo-Kurse (Hamburg-Altona) gemacht, alles im Zusammenhang mit der Heilpraktik. Aber nur, weil es mich interessierte. Und ebenfalls sehr nützlich für den Hausgebrauch. Ärzte sehen uns selten.

Ich hatte vorübergehend mal geplant, an zwei Wochenenden im Monat nebenberuflich zu massieren und Sanjo zu praktizieren, aber das erwies sich als illusorisch. Und jetzt habe ich keine Lust mehr. Mein Mann und einzelne Freundinnen kommen in den Genuss meiner Entspannungsmassage. Eine war mal in einem Spa in Estland, wo sie u. a. auch eine Massage bekam, die sie längst nicht so gut fand wie meine. Ha!

Nicht zu vergessen, mit 10 Jahren habe ich angefangen, Reiten zu lernen. Ich liebe Pferde und Tiere allgemein, habe aber leider eine Tierhaarallergie entwickelt. 16 Jahre Asthma (Kater).

Und Garten, ja, Blumen und Pflanzen liebe ich auch und habe bis jetzt 6 Gärten angelegt, da wir öfter umgezogen sind. Man hat mir ja damals geraten, Gartenbau zu studieren, aber wo ist der Zusammenhang zwischen so einem Studium und im Garten zu pusseln? Und gutes Essen liebe ich, meistens zu Hause, da schmeckt es am besten. Und Wandertouren und Radtouren und ganz allgemein Touren. Und Musik natürlich, und zwar aller Art, Nationalität und Epochen.

Eine Leseratte bin ich auch. Einer meiner Lieblingsautoren ist Terry Pratchett mit seiner Scheibenwelt und seinen wunderbaren Kinderbüchern. Aber auch P. D. James mit ihren Krimis und ihrem ganz anderen Roman ”The children of men” und Maeve Binchi, die so sehr treffend Menschen beobachtet hat. Drei meiner ausgesprochenen Lieblingsbücher sind ”Jean le bleu” von Jean Giono, ”The sixth sense” von Stephen McKenna und ”The far pavilions” von M. M. Kaye. Ich könnte nicht sagen warum, nur dass sie zu mir ”sprechen”.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich auch handarbeite? Nähen, Häkeln, Stricken, Basteln, you name it. Und von meinem Vater habe ich Tapezieren und Malen gelernt, also so richtig. Wir haben immer alles selber renoviert.

Es gibt also viele Dinge, über die ich mich freue und mit denen ich mich beschäftige, und ich langweile mich daher nie. Neuerdings ist das Schreiben von Kurzgeschichten dazugekommen. Aber darauf habe ich keinen Einfluss, die ”kommen” oder nicht. Es ist auch nicht alles veröffentlichbar …

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 24 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2017).

16 Gedanken zu „Was habe ich eigentlich so gemacht im Leben?“

    1. Keine Ahnung. Mein älterer Bruder hat mir öfter bescheinigt, dass ich einen Knall habe, weil er meine Entscheidungen nicht verstanden hat, z. B. Freiheit über finanzielle Sicherheit. Aber eigentlich, so im Vergleich mit anderen Menschen, war mein Leben doch ganz normal.

      Gefällt 2 Personen

  1. Sehr interessant! 😀 Ich konnte einige Parallelen zwischen meinem und Deinem Leben entdecken. Mein Traum war es in Dänemark zu leben. Das hatte aber nicht geklappt. Ich war mit einem Dänen zusammen, der wollte aber unbedingt in Deutschland bleiben. 😀 Kommst Du auch aus Hamburg? Ich nehme das jetzt einfach mal an, wegen dem Job beim Otto-Versand. Ich hatte vor langer Zeit bei Bon Prix gejobbt. 😉
    LG Susanne

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    1. Ja, eigentlich war mein Leben bisher gar nicht so schlecht. Meine Kindheit war nicht so toll, aber es gibt so viele, die es viel schlimmer hatten. Einiges hätte ins Auge gehen können, aber ich bin immer glimpflich davongekommen. Ich hatte nie einen richtigen „Plan“ für mein Leben. Da habe ich heute immer noch keine Lust zu. Ich nehme mit, was sich bietet … oder eben nicht. 😉

      Gefällt 2 Personen

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