Moskau – eine Wechseldusche … Moscow – a Scottish shower (hot and cold water alternating)

Ich bin mit meinem Arbeitgeber öfter mal in Städte und Länder gereist, die ich sonst nie gesehen hätte. Da wir arbeiten mussten, hatten wir nie sehr viel Freizeit, aber ein wenig konnten wir uns immer umsehen. So war ich in Wien, Budapest, Warschau, Moskau, Baku, Malta, Belgrad, Bukarest, Tallinn, Helsinki, Dubrovnik und Cesme in der Türkei. Einige von diesen Reisen möchte ich hier gerne vorstellen. Mit Moskau fängt es an.

… With my employer I traveled to cities and countries, which I otherwise might never have seen. As we had to work, we didn’t have too much free time, but we could always see a few things. This way I was in Vienna, Budapest, Warsaw, Moscow, Baku, Malta, Belgrade, Bucharest, Tallinn, Helsinki, Dubrovnik and Cesme in Turkey. Some of these places I should like to present here. I will start with Moscow.

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Warum Wechseldusche? Weil man von einigen Leuten überaus nett behandelt wurde und von anderen dagegen total pampig. Man wusste nie, wie die Reaktion ausfallen würde. Ein Lächeln wurde oft nicht erwidert.

… Why a Scottish shower? Because some people treated us extremely friendly and others were completely rude. One never knew what to expect. A smile was often not returned.

Meine russischen Kolleginnen hatten uns gewarnt, dass die Autofahrer in Moskau regelrecht Jagd auf Fussgänger und Fahrradfahrer machten. Das hielt ich natürlich für übertrieben, war es aber nicht. Beim Überqueren einer Strasse ging ich daher immer mit Einheimischen, denn man kann nicht mit einer grünen Ampel rechnen, da kann plötzlich trotzdem ein Auto angebrettert kommen, selbst wenn die Rot haben. Aber wir haben alle überlebt.

… My Russian colleagues had warned us that the drivers in Moscow were actually hunting pedestrians and cyclists. Of course I thought they were exaggerating, but they weren’t. When crossing a road, I always tried to keep close to locals. One could not rely on a green light; from somewhere a car could come thundering, if it had a red light or not. But we all survived.

Unser Hotel lag an der Metro-Station Sokolniki. Unweit von uns war ein riesiger Park. Ich schaffte es, einmal dort spazieren zu gehen. Es war ein Park nach meinem Geschmack, teilweise kultiviert und teilweise verwildert. Was ich schade fand war, dass man überall im Park aus Lautsprechern  mit Musak berieselt wurde.

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… Our hotel was situated near the metro station Sokolniki. Not far from there was a huge park. I managed to walk in it once. It was a park after my taste, partly cultivated, partly wild. What I regretted was that all over the park were loudspeakers and people were bathed in muzak all the time.

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Auf der einen Seite vom Hotel lag ein total hypermodernes Hochhaus mit Büros, Läden und Restaurants, unter anderem ein Sushi-Restaurant, das von einem Japaner betrieben wurde und das wir öfter aufsuchten. Auch befand sich dort ein Supermarkt, der lokale, frisch zubereitete Leckereien in Form von Piroggen und gefüllten Paprika, Tomaten und Auberginen anbot. Die meisten dieser kleinen Gerichte waren ohne Fleisch.

… On one side of the hotel lay a hyper modern skyscraper with offices, shops and restaurants, among others a sushi place, driven by a Japanese, which we frequented. There was also a supermarket that offered freshly prepared local snacks like pirogies, filled peppers, tomatoes and eggplants. Most of these were vegetarian.

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Von meinem Hotelzimmer aus sah ich dies:           … From my hotel room I saw this:

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Die Bank Societe General Wostok im Erdgeschoss musste schon lange ausgezogen sein. Das Haus sah für mich aus, als ob es zum Abriss freigegeben worden war. Einige Einwohner hatten ihre Wohnungen über die Balkons zusammengelegt. Russen sind enorm erfindungsreich darin, sich mit wenigen Dingen zu behelfen und mit merkwürdigen Umständen fertig zu werden.

… The Bank Societe General Wostok must have abandoned its premises a long time ago. The house looked as if it was released for demolition. Some people had connected two flats via the balconies. Russians are extremely resourceful in making do with few things and cope with strange circumstances.

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Sokolniki hatte alles, von                                        … Sokolniki had everything, from 

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zu dem Unvermeidlichen                             … to the inevitable

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Viel Zeit zum Touristenspielen hatten wir nicht, aber wir waren doch zweimal in der Stadt. Mein Russisch reichte aus, um mir eine Zehnerfahrkarte für die Metro zu kaufen und die Namen der Stationen zu lesen. Bis in die Innenstadt mit Kreml und rotem Platz waren es nur drei oder vier Stationen. Da ich nicht alle 10 Klipps von meiner Karte brauchen würde, wollte ich einen Kollegen mit hineinnehmen. Ich stellte mich dusselig an und die Schranke schlug Alarm. Da kam eine dicke Dame angeschleppt, drückte auf ein paar Knöpfe und schrie uns ansonsten an, dass ich Angst bekam. Wir fuhren von der Station Sokolniki bis zur Station Lubyanka und gingen dann zu Fuss. Wieder Wechseldusche: auf der einen Seite spielten Leute auf der Strasse Musik und alle tanzten, auf der anderen Seite war ein Arbeiter mit einer Baumaschine mit irgendetwas im Gang (abends spät im Dunkeln …) und fuhr mehrmals fast Fussgänger über, die entsetzt zur Seite sprangen.

… We didn’t have much time to play tourists, but we went into town twice. My Russian was good enough to buy a 10-tour ticket for the Metro and to read the names of the stations. To the city with Kremlin and Red Square we only had to go three or four stops. As I knew that I wouldn’t need all 10 clips of my ticket, I wanted to take a colleague in. However, I was clumsy and triggered the alarm of the barrier. A really fat lady approached, pressed a few buttons and screamed at us in a way that got afraid. We went from the  stop Sokolniki to the stop Lubyanka and proceeded on foot. Here again a Scottish shower: on the one hand there were street musicians and everybody was dancing, on the other hand there was a worker with a construction vehicle working on something or the other (late in the evening, in the dark …) and several times nearly  drove into pedestrians, who jumped out of his way screaming.

FOTOS: Roter Platz, Lenin-Mausoleum, Vasilij Kathedrale und Kaufhaus GUM/Red Square, Lenin mausoleum, Vasilij Cathedral and department store GUM. 

Tagsüber/During daytime:

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Und Abends/and at night:

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Es war ganz unterschiedlich, welche Fremdsprachen die Leute beherrschten, wenn überhaupt, mal war es Englisch, mal Französisch und an einem Abend hatten wir Glück mit Spanisch. Ich traute mich einfach nicht, mein unzulängliches Russisch einzusetzen.

… It was a gamble, which foreign language people would speak, if any, sometimes it was English, sometimes French, and one evening we got lucky with Spanish. I simply didn’t dare to use my insufficient Russian.

In der Nähe des Roten Platzes war eine kleine Wasseranlage mit einem schönen Springbrunnen und kleinen Wasserläufen mit Mosaikböden sowie Statuen, die Szenen aus russischen Märchen darstellten. Laut Karte heisst das Reka Neglinaja. Die Anlage habe ich sowohl bei Tageslicht als auch im Dunkeln fotografiert.

… Near the Red Square was a little water installation with a beautiful fountain and small water basins with mosaics at the bottom as well as statues depicting scenes from Russian fairytales. As per the map it is called Reka Neglinaya. I took photos of it in daylight and at night.

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In einer Fussgängerzone nahmen uns unsere russischen Kolleginnen mit in eine Schokoladnitza, schon der Name war lecker. In einer Schokoladnitza bekommt man hauptsächlich warme, geschmolzene, sehr dunkle Schokolade, in die man dann Früchte taucht. Mit Schokolade als Getränk wie wir es kennen, hat das also wenig zu tun. Da das nicht mein Fall ist, bestellte ich Käsekuchen, und ich muss sagen, dass es einer der besten war, die ich je in einem Café gegessen habe, käsig, cremig, einfach nur lecker. Hier hatten wir zum ersten Mal ein merkwürdiges Erlebnis. Wir setzten uns an einen Tisch und eine junge Russin kam und brachte uns Menues. Dann kam unser indischer Kollege dazu und fortan wollte die blonde, blauäugige junge Frau uns nicht mehr bedienen. Es kam dann eine zentralasiatische Kellnerin an unseren Tisch. Der Gedanke, dass das rassischtisches Verhalten war, kam mir erst gar nicht und den anderen auch nicht. Wir rätselten vergeblich herum, wie wir die junge Frau wohl beleidigt hatten. Mein einer belgischer Kollege wies mich dann später darauf hin, dass viele Russen enorme Rassisten wären.

… In one of the pedestrian areas, our Russian colleagues took us to a chocolatnitza; the name alone sounded tasty. In a chocolatnitza you mainly get warm, molten, very dark chocolate, in which you dip fruit. It has nothing to do what we think of when we say we want to drink a hot chocolate. As this was not really for me, I ordered a cheesecake, and I must say that it was one of the best I ever got in a cafe, cheese, creamy, simply delicious. In this place we had our first strange experience. We sat down at a table and a young Russian waitress came with menus. Then our Indian colleague arrived, and from then on the blond, blue eyed young woman didn’t want to come to our table anymore. We were then served by a central Asian waitress. We never thought that this was because of racism. Instead we were trying to think of, how we might have offended the young lady. One of my Belgian colleagues later told me that many Russians were extreme racists.

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Dieser Eindruck bestätigte sich dann später als wir mit einer grösseren Gruppe am roten Platz essen gehen wollten. Meine belgische Kollegin und ich gingen zuerst hinein und suchten einen Tisch aus, und wurden sehr freundlich empfangen. Dann kamen die anderen, auch wieder mit unserem indischen Kollegen. Der stand oft draussen vor der Tür und quatschte in sein Handy, weil er für die IT-Vernetzung verantwortlich war. Von da an kam kein Kellner mehr an unseren Tisch, wir wurden völlig ignoriert. Schliesslich verliessen wir dann das Restaurant. Wir versuchten es noch beim Japaner, wo wir schon Stammkunden waren, aber dort stand ein Russe vor der Tür und verweigerte uns den Zutritt, weil geschlossen werden sollte. Das konnten wir ja verstehen, aber man musste uns ja nicht behandeln, als ob wir versucht hatten einzubrechen oder? Dann kam der japanische Chef uns noch hinterhergelaufen, denn wir waren so um die acht Personen und er wollte uns gerne bewirten. Meine belgische Kollegin (und Freundin) und ich hatten dann aber die Nase voll und gingen ins Hotel zurück, wo wir room service auf ihr Zimmer bestellten. Das war friedlich, lecker und gemütlich. Ich glaube  (hoffe) nicht, dass mein indischer Kollege mitbekommen hat, was da vor sich ging …

… This impression was confirmed when we on another day wanted to eat in a restaurant near the Red Square with a larger group. My Belgian colleague and I went in first and chose a table and were received very friendly. Then the others came, again with our Indian colleague. He often stood outside talking into his mobile phone, because he was responsible for our IT-network. From then on, none of the waiters came to our table, we were completely ignored. In the end we left. We tried at the Japanese, where we were already regulars, but a stout Russian stood in the entrance and refused to let us in, because they wanted to close. We could understand that, but why treat us as if we were trying to break in? Then the Japanese chef came running after us. We were a group of about 8 people, and he wanted to serve us. But my Belgian colleague (and friend) and I were fed up and went back to the hotel, where we ordered room service to her room. That was peaceful, delicious and cozy. I don’t think (hope) that my Indian colleague understood what was happening there …

Das Frühstück und das Mittagessen nahmen wir im Hotel ein. Beide Mahlzeiten waren hervorragende Buffets. Man durfte nur seinen Teller nicht unbeaufsichtigt lassen, denn die Kellner waren so aufmerksam, dass sie einem manchmal die Teller entrissen, mit denen man noch nicht fertig war.

… Breakfast and lunch we had at the hotel. Both meals consisted of excellent buffets. We just had to guard our plates, because the waiters were so eager that they snatched our plates away, even if we hadn’t finished yet.

FOTOS Kreml/Kremlin

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Das Sicherheitspersonal im Hotel und auch im Kreml war sehr freundlich und hilfsbereit. Aber am Eingang des Kremls hatten wir noch so ein seltsames Erlebnis. Man durfte grössere Taschen nicht mit heineinnehmen, sondern musste sie an einem Kiosk lassen, der in der Nähe vom Eingang lag. Uns erklärte man das. Aber dann kam eine chinesische Reisegruppe und ihnen wurde nichts erklärt. Der junge befehlshabende Soldat am Eingang wies einen Mann barsch zurück wegen seines kleinen Rucksacks. Seine Frau erklärte sich dann bereit, mit dem Rucksack draussen auf ihn zu warten. Ich fand das schade für sie, und da sie Englisch sprach, erklärte ich ihr, wo sie ihren Rucksack abgeben könnte. Das tat sie dann auch. Als Ergebnis wurde ich von dem Soldaten wie ein Verbrecher behandelt und angeschrien. „Handtasche öffnen“, und als ich nicht schnell genug war, riss er sie mir aus der Hand. Ich dachte, dass ich jetzt ganz bestimmt verhaftet werden würde. Er war anscheinend sehr unsicher (das sind die gefährlichsten) und fühlte, dass ich seine Autorität untergraben hatte. Er hatte das Ganze beobachtet, aber ich hatte mir gar nichts dabei gedacht, ich wollte nur der Frau helfen.

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… The security personel in the hotel and also inside the Kremlin was very friendly and helpful. But at the entrance we had another odd experience. It was not allowed to take larger bags inside, so we had to leave them at a kiosk that was near the entrance. A guide explained that to us. But then a Chinese travel group came and nothing was explained to them. The young commanding officer at the entrance refused entry to a man in a very rude way because of his little backpack.  His wife was willing to take it for him and wait outside. I thought that was a pity for her, and as she spoke English, I explained to her, where she could deposit the backpack. She did that. As a result, the soldier treated me like a criminal and shouted at me. „Open the handbag“, and when I wasn’t fast enough, he yanked it out of my hand. I thought that now I certainly would be imprisoned. It seemed like he was very insecure (those are the most dangerous ones) and felt that I had undermined his authority. He had watched everything, but I meant no harm by it, I just wanted to help the woman.

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Wenn ich mal im Urlaub nach Russland reisen sollte, dann jedenfalls nicht nach Moskau. Nach St. Petersburg vielleicht oder an die Wolga. Aber es war eine interessante Erfahrung, das muss ich gestehen.

… If I should ever travel to Russia on holidays, I would not choose Moscow. Mayby St. Petersburg or the Wolga area. But it was an interesting experience, I must admit that.

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Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr 25 Jahre verheiratet und in Dänemark lebend (2018).

16 Gedanken zu „Moskau – eine Wechseldusche … Moscow – a Scottish shower (hot and cold water alternating)“

  1. Toll, dass du von deinen Auslandsreisen berichtest. Aber wie du über Moskau schreibst, wäre das keine Stadt für mich. Da tobt viel Wut und Angst durch die Straßen. Von den Vorurteilen mal abgesehen. Ich dachte hier in Deutschland gäbe es schon viel Rassismus. Aber Menschen das Essen zu verweigern… Es macht traurig.

    Gefällt 1 Person

    1. … hihi, und ich habe die Kommentarfunktion nicht eingeschränkt, also auch späte Leser können überall kommentieren.
      In manchen Ländern sind geschlossene Reisegruppen wirklich angebracht. In Russland vielleicht nicht generell, aber Moskau ist ein hartes Pflaster.

      Gefällt 1 Person

      1. Die haben schon über Jahre einen Reiseleiter, der sich auch überall auf der Welt gut auskennt. So weit ich mich erinnere hatte er einen russischen Führer verpflichtet.
        Solche Reisen kosten natürlich auch richtig viel Geld. Ich habe alle Fotos gesehen und meine Begeisterung war riesen groß!

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