Nicht nur eitel Sonnenschein … Not only sunshine and roses

In Aalborg gibt es im Südwestviertel ein richtiges second-hand Kaufhaus, wo wir die meisten unserer Sachen kaufen und Dinge, die wir nicht mehr brauchen, die aber durchaus noch gut erhalten sind, zum Verkauf spenden. Der Grund dafür ist das hier:

… In Aalborg’s southwest area there is a real second-hand department store, where we buy most of our stuff, and things that we don’t need anymore and which are still good looking and intact, we donate for sale. The reason, why we are doing it is this:

2019-09-11 10.29.33

„Man braucht nicht zu trinken, um ein Alkoholproblem zu haben
Deine abgelegte Kleidung, deine Schuhe und Taschen können den 122.000 Kindern helfen, die mit betrunkenen Eltern leben.
Blaues Kreuz                Wiederverwertung“

… „One doesn’t have to drink for having an alcohol problem
your discarded clothes, your shoes and bags can help the 122.000 children, who live with drunk parents.
Blue Cross                    Recycling“

Auf diesem Schild habe ich zum ersten Mal Zahlen gesehen. 122.000 Kinder, das sind ungefähr 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Dänemarks und daher wesentlich mehr Prozent der Kinder in Dänemark. Ich finde, dass das erschreckend viele sind! Und Alkohol ist immer noch als Sozialrauschmittel akzeptiert, obwohl er oft zu Gewalt führt. Immer mehr Jugendliche trinken selbst auch in ganz jungem Alter.

… On this signpost I have for the first time seen figures. 122.000 children, that is about 2.5 percent of the entire population of Denmark and therewith rather more percent of children in Denmark. In my eyes, that is scarily many! And alcohol is still accepted as social intoxicant, although it often leads to violence. Even more and more young people drink at an early age.

Diese Konfrontation mit konkreten Zahlen hat mich doch ziemlich schockiert … und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher. Nicht alle Alkoholiker sind arm …

… This confrontation with concrete figures has rather shocked me … and the number of unreported cases is probably much higher. Not all alcoholics are poor …

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend.

23 Gedanken zu „Nicht nur eitel Sonnenschein … Not only sunshine and roses“

  1. Ich bin zutiefst erschrocken, als ich 12/2014 mit den Nachbarn zu einem Weihnachtsfest war. Gerade drei Monate im Land war es für mich unfassbar zu sehen, dass für den 14 Jährigen Nachbarsbub ebenfalls ein Glas Wein hingestellt wurde. Von den Eltern. Mein Sohn, ebenso 14, sah mich an, ich riss nur die Augen auf und Sohn griff wie selbstverständlich zur Limodose.
    Es ist öffentlich akzeptiert, dass die Absolventen der Folkeskole ihren letzten Schultag Alkohol saufend im städtischen Park zelebrieren.
    Ein No Go für mich, für das ich bis heute Unverständnis bei so manchen anderen Däneneltern ernte. Die spießige Deutsche eben…aber DAS ist und bleibt für mich inakzeptabel.
    Übrigens, heute ist auch bei mir ein Besuch des Blå Kors eingeplant 😂 der Laden ist fabelhaft!!!!

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  2. eine erschreckende zahl, das empfinde ich auch so, der satz, dass soundsoviele kinder mit betrunkenen eltern leben ist auch sehr eindringlich und beunruhigend. ich finde es schön, dass du dort bzw. ihr eure dinge dort kauft und abgebt, was ihr nicht mehr braucht. hier in meiner nähe gibt es auch eine stelle, wo man dinge hinbringen kann, die man nicht mehr braucht. jeder, der möchte, kann mitnehmen, was gefällt oder benötigt wird. ich finde, das könnte ein modell der zukunft sein und bleiben: tauschen und abgeben.

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    1. In Kopenhagen hat man so ein Modell mit Lebensmitteln. Ein junger Mann hat auch ein Netzwerk zum Lebensmitteltausch in Gang gebracht via Handy. Das ist schon mal ein Anfang. Im blauen Kreuz ist es wirklich billig, besonders Kleidung. Viele Eltern kaufen dort die Kinderkleidung.
      Übrigens, auf Dänisch stand da gar nicht „betrunken“, sondern „besoffen“ … ich habe das instinktiv entschärft, eigentlich dumm.

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  3. Eine wunderbare Einrichtung, die gleich mehrere Zwecke erfüllt! Kindern zu helfen, die Alkohol süchtige Eltern haben, Sachen verkaufen und mit dem Geld diese Kinder zu unterstützen, Sachen zu kaufen, die andere Menschen nicht mehr brauchen und damit auch der Umwelt einen Gefallen tun …

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  4. Liebe Birgit,
    diese Zahlen sind mir schon bekannt, aber trotzdem weniger erschreckend. 😦
    Auf der einen Seite herrscht diese Armut und auf der anderen Seite wieder der totale Überfluss.
    Ich gebe meine Sachen immer an Bedürftige weiter. Oftmals auch an Sammelstellen.
    Wie vielen junge Menschen ich schon den Hausstand gespendet habe kann ich gar nicht mehr sagen. Durch die Auflösung unserer Berliner Wohnung war fast alles Im Doppel. Es ist nicht einziger Gegenstand in den Müll gegangen.
    Im Moment bin ich gerade wieder dabei meinen derzeitigen Hausstand rigoros zu verringern. 😉
    Auch wenn man in solchen, wie von dir beschriebenen Stätten einkauft tut man etwas Gutes.
    Du dem wird auch der Müllberg nicht größer.
    Viele liebe Grüße zu euch,
    Lilo

    Ihr habt mich erkannt – das hat mich sehr gefreut. Ja, dort bin ich schon einiger Zeit, jedoch unter einem anderen Namen. ;):)

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    1. Ich habe das auch immer vor jedem Umzug in Hamburg gemacht (das war auch 9 Mal). Alles was ich nicht mitnehmen wollte, konnten erst Freunde und Verwandte durchstöbern, der Rest ging zum Roten Kreuz. Ich hatte drei Umzugskisten, die ich drei Umzüge lang nicht ausgepackt habe. Ich ging dann davon aus, dass ich die Sachen wohl nicht wirklich brauchte … und habe die drei Kisten unbesehen weggegeben. 😀 😀 Meine Mutter war entsetzt, aber ich habe nie etwas vermisst.

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  5. Die Zahlen sind schrecklich und die Hintergründe traurig. Was es anrichtet mit alkoholkranken Eltern aufzuwachsen, kann ich nachvollziehen. Umso besser ist diese Aktion, die zumindest einen Teil versucht wiedergut zumachen. Das Problem mit den trinkenden Eltern bleibt ja leider bestehen.

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    1. Ich kann das ja auch nachvollziehen. Genau deshalb bin ich auch unzufrieden damit, dass Alkohol immer noch als „cool“ angesehen wird. Trinken sollte in Einsamkeit stattfinden, wo man niemandem andern schaden kann.

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