Zwischenmeldung …

… Oslo Teile 3 und 4 stehen aus, ich weiss, und Italien habe ich schon seit längerem fertig geschrieben, aber die Fotos auszusortieren und zu behandeln ist eine Monsteraufgabe …

In Kopenhagen habe ich gar nicht fotografiert, es war so warm und da waren so viele Menschen, Hilfe!!!! Ich gebürtige Hamburgerin bin ein richtiges Landei geworden … 😉

Daher bekommt ihr hier noch einmal ein paar Eindrücke vom Garten …

Erst einmal Tomaten, die MUSSTEN raus. Eine liebe Freundin hat mir geholfen, die Maurerbaljen zu beschützen, u. a. mit einer Glasscheibe von der Ruine. Das sind ganz dicke Scheiben, auf jeden Fall doppeltes Glas, und das lässt er da so rumstehen …

 

Ein neues Apfelbaumabenteuer? Wieder einmal Pink Lady. Der Kern mit der langen Wurzel war bereits im Apfel gekeimt:

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Maltapflanzen; der rote Klee wuchert, und ich erwäge ihn nach draussen zu pflanzen. Die Ich-weiss-nicht-was-es-ist-Pflanze wächst und wächst, aber ich habe immer noch nicht herausgefunden, was es ist. Die Oleander haben gekeimt, wie gesagt das erste Mal, dass es mir gelungen ist. 15 Stück habe ich gezählt:

 

Einige Blüten, u. a. von Steingartenpflanzen, aber der Steingarten ist ja noch nicht fertig. Ich habe eine Schale gemacht mit Lavasteinen, die ich aus Tenerife habe mitgehen lassen:

 

Und ein paar Eindrücke von dem Blütenteppichwaldstück, wo im Moment die Waldhyazinthen in blau, rosa und weiss vorherrschen, sowie die Riesenmaiglöckchen und überall stehen diese wunderbaren, grossblütigen Vergissmeinnicht; ich habe am Grillplatz eine einzige weissblühende Pflanze entdeckt. Die weissen Sterne kenne ich leider nicht; vielleicht wisst ihr was das ist?

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Ich habe leider erst ab nächste Woche Dienstag wieder Zeit zu bloggen. Ich werde mich bemühen, dass es eine Oslo-Folge wird. Die Bilder sind schon ausgesucht, sie müssen „nur noch“ behandelt (verkleinerpixelt) werden.

Ich wünsche euch allen eine schöne, sonnige Woche!

Mariager Fjord, Teil 2

Den zweiten Teil vom 6. Mai will ich euch nicht vorenthalten. Geplant war eine weitere Radtour am nördlichen Ufer des Mariager-Fjords entlang. Es gab keine ausgesprochenen Fahrradwege, aber so genannte „fahrradfreundliche“ Wege, aber das werdet ihr ja noch sehen. Jedenfalls sind es hauptsächlich Landschaftsfotos dieses Mal.

Ein etwas anderer Anblick empfing uns am Samstag Morgen:

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Spiegelglatt das Wasser, so gut wie kein Wind. Es wurden später ganze 22 Grad (Celsius), ein richtiger Sommertag.

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Da drüben würden wir entlangfahren. Ganz links sieht man noch eine Ecke eines kleinen idyllischen Hafens, der „Høllet“ heisst. Das weisse Haus mit dem roten Dach ist ein ganz wunderbares Anwesen.

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Auch an dem gelben Haus kamen wir später vorbei. Rechts daneben sieht man Stinesminde.

Wir starteten in Hobro am Hafen …

… hier ein Haus zu haben könnte man doch gut aushalten oder?  😉   …  die Strasse endet blind, sie ist also keine Durchfahrtsstrasse …

… dann auf einem Schotterweg am Golfplatz vorbei und dann landet man hier:

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Von hier aus hat man einen fantastischen Ausblick auf den Fjord.

Die folgende slide show zeigt den „fahrradfreundlichen“ Weg  bis zu den Bramslev Hügeln, vorbei am gleichnamigen Restaurant, wo gerade eine Konfirmation stattfand und zum Aussichtspunkt am Fjord, wo auch ein Restaurant lag, wo ebenfalls gerade eine Konfirmation stattfand. Das war eine kleinere Angelegenheit, höchstens 50 Leute. 😉  An einigen Stellen konnte man sehen, dass direkt am Wasser entlang ein Fussweg war. Den werden wir nächstes Mal gehen.

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Von den Bramslev Hügeln kehrten wir nach Hobro zurück, allerdings auf richtigen Fahrradwegen an der Strasse entlang. Dort setzten wir uns ins Auto und setzten fort, wo wir aufgehört hatten, denn wir wollten nach Stinesminde. Der Weg dorthin wurde uns angepriesen und sollte mit dem Auto befahrbar sein, obwohl es eine Sandstrasse ist.

Die Sandwegtour in der slideshow beginnt an einem Aussichtsplatz „Lundshøj“ (Wiesenhöhe) (mit Picknicktisch natürlich). Die zwei Gewässer, die man von dort oben sieht sind einmal der Fjord hinten und weiter vorne ein kleiner See, der Kielstrup Sø. Es sieht fast so aus, als ob Wasserdampf vom Fjord hochsteigt …
dann ging es weiter am Wasser entlang und durch den Wald, kilometerlang wunderschön, an „Høllet“ und den eingangs genannten Häusern vorbei bis nach Stinesminde. Dazwischen immer wieder dieser fantastische Weg, der „Under Skoven“ heisst (unter dem Wald). Ich hoffe, dass es euch nicht langweilig wird:

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Man kann an den Bildern sehen, dass da viel Sonne war; viele sind überbelichtet, aber einen Eindruck geben sie trotzdem.

Auf dem Rückweg gingen wir in Hadsund in einem italienischen Restaurant am Hafen essen. Dort liefen gerade sage und schreibe drei Konfirmationen. Vielleicht war deshalb die Pizza so schlecht (aber teuer). Jedenfalls war sie nicht richtig fertiggebacken. Dort werden wir nicht wieder hingehen. Aber ich brauchte wieder nicht zu kochen. Das ist auch mal ganz schön, selbst wenn ich gerne koche.

Das war es erst einmal wieder aus dem hohen Norden. Gute Nacht und einen schönen Sonntag wünsche ich euch allen.

 

Versprechen

 

Mein Mann und ich hatten die 80 überschritten, und das Leben begann wirklich mühsam zu werden: Wehwehchen, Schmerzen, Bewegungslosigkeit. Dann wurde bei meinem Mann die Alzheimer-Diagnose gestellt.

Wir hatten eine Absprache: keine aktive Sterbehilfe, aber auch keine künstliche Lebensverlängerung. Der Gesundere würde auf den anderen aufpassen, bis er starb.

Ich löste unseren Haushalt auf und verkaufte, verschenkte, vererbte all unser Habengut und unsere Wertgegenstände. Dann suchte ich uns einen kleinen stillgelegten Bauernhof in Nordschweden, in der Nähe von Haparanda, wo niemand wohnen will, dicht an der Grenze zu Finnland.

Dort schlugen wir im Sommer 2003 unsere Zelte auf. Das ist im übertragenen Sinne zu verstehen, denn dort stand ein wunderschönes, gemütliches, kleines Holzhaus in schwedisch Rot mit weissen Kanten. Fliessend Wasser und Elektrizität gab es natürlich nicht, aber das Haus hatte einen grossen Eisenofen, einen alten Kochherd, der mit Holz betrieben wurde und einen Dieselgenerator für Licht. Was brauchte man mehr? Ein Ziehbrunnen befand sich direkt vor dem Haus. Ein junger Mann aus Haparanda sorgte für Feuerholz. Die langen dunklen Winter waren hart, aber ich war entschlossen durchzuhalten.

Meinem Mann ging es nach und nach schlechter, bis er mich nicht mehr erkannte. Das war eine schwere Zeit. Eines nachts im August 2006 schlief er dann ganz friedlich ein. Ich hatte so viele Jahre Zeit gehabt, mich darauf vorzubereiten, aber es traf mich trotzdem wie ein Schlag. Ich war wie gelähmt. Was jetzt? Ich wäre ja gerne gleichzeitig mit ihm gegangen, um ihn vor Unbilden auf der anderen Seite zu bewahren. Er liess sich so leicht durch schöne Bilder vom eigentlichen Weg ablenken. Anscheinend hatte es nicht sollen sein. Ich fühlte mich auch nicht dem Sterben nahe.

Ich konnte es im Haus nicht aushalten und beschloss, in den Wald zu gehen. Dort setzte ich mich an einen Baum gelehnt an einen kleinen Bach und begann zu dösen. Nach einer Weile, ich weiss nicht wie lange ich geschlafen hatte, wachte ich auf und sah einen Wolf vor mir stehen, der mich intensiv betrachtete. Ich streckte ihm die Arme entgegen und rief: ”Freund, hilf mir auf die andere Seite!”

Der Wolf sah mich nur an und legte sich dann quer über meine Beine zum Schlafen. Ein unbändiges Lachen stieg in mir auf und am liebsten hätte ich losgegluckst, aber ich wollte den Wolf nicht stören, er lag da so friedlich. Ich beherrschte mich also mit Mühe und Not und fand mich mit der merkwürdigen Situation ab. Ich schlief sogar wieder ein. Vielleicht war das alles nur ein Traum?

Hier könnte die Geschichte enden.

Aber die Wirklichkeit sah anders aus. Ich wurde durch einen Gewehrschuss geweckt. Ich fühlte den Wolf hochzucken und dachte nur: ”Oh, nein!”

Es waren drei Männer. Der eine hatte geschossen. ”Sind Sie verletzt?” riefen sie mir zu. Ich war wie rasend und schrie sie an: ”Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen? Müsst ihr immer alles Schöne verderben?”

Sie sahen mich verständnislos an, denn in ihren Augen hatten sie mir ja gerade das Leben gerettet. Ich beugte mich über den Wolf und brach in hemmungsloses Schluchzen aus.

Mariager Fjord im Mai, Teil 1

Vom 4. bis zum 7. Mai waren wir mit dem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Mariager am Fjord mit demselben Namen. In Dänemark sagt man, dass dies der schönste Fjord in Dänemark sei. Da könnte was dran sein!

Wir kamen bei harter Cooling von Nord-Nordost an. Natürlich wollten wir uns so aufstellen, dass wir direkt aufs Wasser guckten, aber von dort kam der Wind. Nun haben wir ja in Trelde Næs bereits das Zusammenpacken bei Sturm geübt, aber das Aufbauen bei Sturm ist noch um einiges schwieriger. Zum Schluss gaben wir auf und beschlossen, einige Stunden zu warten, ob der Wind sich legen würde.

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Der Campingplatz liegt direkt am Fjord und ist nicht so riesig, sauber und mit netten Leuten bestückt.

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Wir kamen an einem Freitag an, am frühen Nachmittag, da waren noch nicht so viele Camper.

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Ja, so sah das aus, der Wind presste das Zelt gegen den Wohnwagen. Für jede Zeltstange hätten wir eine Person zum Festhalten gebraucht, aber so viele waren wir nicht, nur mein Mann und ich. Wir sind dann immer unterdurch gekrabbelt, denn wir wollten das Zelt nicht wieder aus der Schiene ziehen. Es war schwer genug gewesen, es hinein zu bekommen.

In der Zwischenzeit sind wir dann erst einmal Essen gegangen. Die Stadt liegt auf der anderen Seite der Strasse, also nur drei Minuten zu Fuss vom Platz aus. Hier kehrten wir ein, im Postgaarden: Sehr gemütlich.

So gegen 21.00 Uhr bauten wir dann endlich das Vorzelt auf. Es wehte noch immer ziemlich stark, aber es gelang uns.

Am nächsten Morgen empfing uns dieser Anblick:

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Nicht gerade windstill, aber blauer Himmel. Wir wollten eine Radtour von Hadsund nach Als Odde machen, wo der Mariager-Fjord ins Kattegat mündet. Der Weg führte uns über Dania, einen kleinen Ort, der völlig in privater Hand ist. Er entstand um eine Zementfabrik herum, die jetzt stillgelegt ist, und besteht hauptsächlich aus Reihenhäusern für die Arbeiter, Einzelhäusern für die Angestellten und einem extra luxuriösem Haus für den Direktor. In den meisten Häusern wohnen jetzt Privatleute oder es sind dort Kleinbetriebe untergebracht.

Von der Jugendherberge in Hadsund aus ging es dann mit dem Fahrrad weiter. Wir machten einen Abstecher zur Havnø Mølle, die im Sommer zu besichtigen ist. Solche Kleinodien sind in Dänemark oft nur durch freiwilliges Personal bestückt, genau wie der alte Kaufmannsladen in Tornby.

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Wir schafften es nicht ganz bis nach Als Odde, denn wir kämpften die ganze Zeit gegen den Wind. Wir drehten um und fuhren die Strecke noch einmal mit dem Auto, denn wir wollten im Cafe an der Mündung Kaffee trinken. Es war aber geschlossen, daher fuhren wir zurück in den Wald, wo wir das Jägerhaus JÆGERHUSET  gesehen hatten. Das sah gemütlich aus. Wie man auf den Bildern sehen kann, war der Eindruck berechtigt. Wir wurden von einer interessanten älteren Dame, also so in unserem Alter 😉 begrüsst. Sie hat das Restaurant seit 30 Jahren, glaube ich, und sie erzählte uns, dass in dem Haus nie ein Jäger gewohnt hätte. Es war also nicht klar, wo der Name herkam. Auch die vielen Hexen, die im Restaurant zur Stelle waren, hatten keinen historischen Hintergrund.   😉

Es gefiel uns dort so gut, dass wir am selben Abend zum Essen zurückkehrten. Für abends muss man dort einen Tisch bestellen, sonst kann es passieren, dass man keinen Platz bekommt. Im Sommer kann man auch draussen sitzen. Das Essen ist gut und wirklich nicht überteuert.

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Abends gingen wir dann noch durch Mariager. Wir hatten so viel darüber gehört. Schaut selbst:

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Ich mache ja nicht gerne schlechte Reklame, aber das Eis am Marktplatz ist wirklich nicht zu empfehlen. Es hat eine merkwürdige Konsistens, so als ob da Gelatine mit drin wäre. Ich hatte noch nie so ein seltsam klebriges Eis im Mund. Empfehlen können wir aber die Eisbude im 14 km entfernten Hobro an der Mole im Hafen. Das ist echtes, dekadentes, dänisches Vollsahneeis!

Mariager hat: Ein Kloster mit Klosterkirche, Klostergarten, Klosterrosengarten, Veteran-Eisenbahn, Raddampfer, Salzsiederei mit angeschlossener Wellnessanlage, Museum, Kino, Freimaurerloge (in Dänemark sind die Freimaurer ziemlich stark vertreten) und viele Ausflugmöglichkeiten auf dem Wasser, zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Die Mariageraner sind sehr stolz auf ihre Rosen. Leider blühten die natürlich noch nicht. Zwei Tage waren auf jeden Fall viel zu kurz, und wir werden im Sommer noch einmal dorthin fahren.

Der zweite Teil folgt in Bälde. Es ist gar nicht so einfach, die Fotos auszuwählen. Jetzt erst einmal gute Nacht!

Unser Gästezimmer ist fertig …

Meine Freundin aus Belgien hat es im April eingeweiht. Sie sagt, dass die Matratze bequem ist (ist ja wichtig!).

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Wenn man reinkommt …

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Das ist ein 120 cm breites Bett, also nichts für zwei Walrösser, nur wenn die sich richtig liebhaben …

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Die Regale sind all die Schubladen, die wir aus der Anrichte ausgebaut haben, die wir jetzt zum Feuerholzlagern benutzen. Wir haben das Möbel auf dem Dachboden gefunden.

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Die Hände an der Tür sind jeweils vier Kleiderhaken.

Die Gästesaison kann losgehen … 😉

Intuition, 2. Teil

Hier kommt wieder ein Beitrag zu dem Projekt „Schreib mit mir“, dieses Mal zu Teil 35 von Frau OFFENSCHREIBEN

Eine Woche nach dem seltsamen Vorfall im Restaurant, war Gwiazda abends nach der Arbeit in strömendem Regen auf dem Weg nach Hause, als sie auf dem menschenverlassenen Gehsteig einen jungen Mann liegen sah. Er wirkte völlig durchnässt, so als ob er dort bereits länger gelegen hatte. Gwiazda eilte zu ihm hin und kniete sich neben ihn. Erst jetzt bemerkte sie, dass er gar keine Schuhe trug. Die Arme waren zu beiden Seiten ausgestreckt, wie bei einem Gekreuzigten. Gwiazda versuchte den Puls des jungen Mannes zu finden, erst am Handgelenk, dann an der Halsschlagader. Da war was, aber sehr schwach.

Hier konnte er nicht liegen bleiben, dachte Gwiazda, ich muss einen Krankenwagen rufen. Während sie die Notrufnummer wählte, schlug der junge Mann die Augen auf und sah Gwiazda an. Sein Blick war klar, nicht verwirrt. Das war doch der junge Mann, der seine Verlobte oder Freundin oder was es war so plötzlich im Stich gelassen hatte, als er den Zettel auf dem Boden liegen sah, den Zettel, auf dem gestanden hatte ”Verschwinde so lange du noch kannst”. Mit klarer Stimme sagte der junge Mann: ”Sie müssen den Wanderer warnen, sie sind ihm auf den Fersen!” Gwiazda war wie gelähmt vor Schreck. Wieder dieser Hinweis auf den Wanderer oder den einsamen Wanderer, wie die merkwürdigen Männer ihn genannt hatten. ”Wer ist der Wanderer? Wer ist ihm auf den Fersen?” fragte Gwiazda verzweifelt. Sie verstand überhaupt nichts.

Doch der klare Moment des jungen Mannes war vorbei und sein Kopf fiel zur Seite. ”Hallo, Sternchen” rief jemand, ”was machst du denn hier?” Es war ihr Freund und Nachbar Holger. Gwiazda war froh, ihn zu sehen. ”Holger, gib mir deinen Schirm und ruf dann die Alarmzentrale an, dieser junge Mann ist verletzt, aber ich weiss nicht was ihm fehlt. Er muss dringend in ein Krankenhaus!” rief sie Holger zu. Der fragte nicht viel, gab ihr seinen Regenschirm und rief die Alarmzentrale an.

”Sie sind in 5 Minuten hier”, sagte Holger. ”Hier, nimm meinen Pullover und decke ihn damit zu, er muss ja völlig unterkühlt sein.” Der Krankenwagen kam wie versprochen und nahm den jungen Mann mit. Gwiazda und Holger fuhren mit ihm, sie fühlten, dass sie ihn jetzt nicht im Stich lassen konnten. Keiner der beiden hatte den Mann bemerkt, der gegenüber in einem dunklen Hauseingang stand und sie beobachtete. Ein hochgewachsener Mann mit schwarzem Hut und einem langen schwarzen Mantel.

In der Notaufnahme wurde der Verletzte sofort in einen Behandlungsraum gerollt und seine beiden Begleiter mussten in der Zwischenzeit einem Polizisten erzählen was passiert war. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Nach ungefähr drei Stunden kam ein Arzt zu ihnen und berichtete, dass der junge Mann hart angeschlagen war, jetzt aber stabilisiert wäre. Er wollte ihnen nichts über die Verletzungen sagen, die er gefunden hatte, denn das wäre eine Sache für die Polizei. Er fragte allerdings, ob sie bemerkt hätten, dass die Hose des jungen Mannes mit Benzin getränkt war?  ”Jetzt wo sie es sagen”, antwortete Gwiazda, ”da war ein recht penetranter Benzingeruch, aber ich war so auf den Verletzten fokussiert, dass ich da nicht weiter drüber nachgedacht habe. Glauben Sie, dass man ihn umbringen, ihn in Brand setzen wollte?” Der Arzt zuckte mit den Schultern, ”das muss die Polizei herausfinden.”

Gwiazda hätte den jungen Mann gerne gesehen und ihm ein paar Fragen gestellt, aber das war im Moment, in seinem Zustand, nicht möglich. Sie musste sich ein paar Tage gedulden. Daher beschlossen sie und Holger, endlich nach Hause zu gehen und auf dem Weg noch einen Stärkungstrunk zu sich zu nehmen, denn so einen hatten sie wirklich nötig! Aus dem einen wurden drei und Gwiazda bedankte sich bei Holger, dass er ihr beigestanden hatte. ”So ein Glück, dass du gerade vorbeikamst! Normalerweise bist du um die Zeit doch schon zuhause!” sagte Gwiazda. ”Ja, ein glücklicher Zufall”, meinte Holger, der ziemlich einsilbig war. Das war so gar nicht seine Art, dachte Gwiazda, aber vielleicht war er einfach nur müde.

Als Gwiazda drei Tage später in das Krankenhaus ging, um den jungen Mann zu besuchen, war er nicht da, und das gesamte Personal, einschliesslich des behandelnden Arztes, bestritt, dass er jemals eingeliefert worden war. Das war zu merkwürdig! Sie logen alle, denn im Gang auf einem Stuhl lag Holgers Pullover …

Auch ein Besuch bei der Polizei brachte keine Klärung. Der Beamte, der sie und Holger befragt hatte, stritt ab, sie jemals gesehen zu haben. Was passierte hier? Sie war doch nicht verrückt. Es musste sich hier um einen Komplott handeln, ein Staatsgeheimnis oder so etwas.

Als sie abends nach Hause kam, stellte sie fest, dass Holger ausgezogen war ohne eine Nachricht für sie zu hinterlassen. Als sie versuchte ihn anzurufen, hörte sie die Nachricht ”dieser Anschluss existiert nicht mehr”.

Gwiazda setzte sich auf ihr Sofa, ohne ihren regennassen Mantel auszuziehen (ja, es regnete immer noch) und blieb still und wie verloren und im Dunkeln dort sitzen.