Intuition

Hier wiederum eine Kurzgeschichte zu dem Projekt „Schreib mit mir “ von Frau Offenschreiben.

Gwiazda war entschlossen, ihren Abend zu geniessen, egal ob alle anderen abgesagt hatten, sie hatte es verdient, sich mit einer erstklassigen italienischen Fischplatte zu verwöhnen. Auch einen guten Wein gönnte sie sich. Sie legte ihr Besteck, tupfte den Mund mit der Serviette ab, und hob ihr Glas, um noch einen Schluck zu trinken. Im selben Moment ging ein Mann an ihrem Tisch vorbei, sein weiter wehender Mantel streifte ihren Stuhl und ihren Tisch. Aus dem Augenwinkel sah Gwiazda wie ein Zettel neben ihr zu Boden fiel. Sie las ”Verschwinde so lange du noch kannst.” Instinktiv bedeckte sie den Zettel mit ihrem Fuss und gab ihm einen Schubs, so dass er zum Tisch auf der anderen Seite des Ganges rutschte. Dieser Zettel konnte unmöglich für sie bestimmt sein.

Am betreffenden Tisch sass ein jüngeres Paar. Der Mann sah den Zettel, las ihn und griff sich an den Hals, total schockiert. Er sprang auf, wobei er fast den Tisch umstiess und lief zum Hinterausgang. Die Tür fiel hart hinter ihm ins Schloss. Seine Partnerin blickte ihm fassungslos nach.

Gwiazda blickte auf, um zu sehen, ob der merkwürdige Fremde mit dem wehenden Mantel noch im Raum war, aber er musste in der Zwischenzeit das Restaurant verlassen haben. Er war jedenfalls nicht mehr zu sehen. Sie winkte dem Kellner um zu bezahlen. Jetzt war ihr die Situation doch ein wenig zu bizarr geworden.

Bevor sie jedoch zu ihrer Tasche greifen konnte, betraten drei hohe Gestalten den Gastraum und stellten sich vor die Eingangstür. Sie waren in lange schwarze Ledermäntel und weitkrämpige Lederhüte gekleidet, und hielten altertümliche Gewehre in den Händen. Der eine von ihnen schoss in die Luft, um sich Gehör zu verschaffen. ”Hört, hört mich an!” rief er, ”wir suchen den einsamen Wanderer. Hat jemand von Ihnen den Mann gesehen?”

Niemand antwortete, niemand rührte sich; alle waren wie gelähmt. Gwiazda begriff, der Zettel war für den einsamen Wanderer bestimmt gewesen, der hatte ihn nur verloren. Sollte sie etwas sagen? Nein, es war besser, sich nicht in diese äusserst merkwürdige Angelegenheit einzumischen. Warum wohl der junge Mann hinausgelaufen war? Er musste etwas auf dem Kerbholz gehabt haben. Die junge Frau, die er hinterlassen hatte, sass tränenüberströmt an ihrem Tisch.

Der Mann, der geschossen hatte kam auf Gwiazda zu. ”Sie haben ihn gesehen. Ich sehe das in ihren Augen”, behauptete er. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, daher begann sie, um Zeit zu gewinnen mit einem langgezogenem ”Ähhhh …”. Sie räusperte sich und sagte dann: ”hier war ein Mann mit wehendem Mantel; den einen Moment war er hier und dann war er weg. Ich habe nicht einmal sein Gesicht gesehen.”

In diesem Moment entdeckte der Mann den Zettel, der immer noch auf dem Boden lag „Verschwinde so lange du noch kannst.“

„Er wurde gewarnt“, sagte der Mann zu seinen Gefährten. Er wandte sich um, und alle drei verliessen ohne ein weiteres Wort das Restaurant.

Dänische Kultur: Was ist denn eigentlich „typisch dänisch“? [1]

Reblogged von Bloggerkollegin Meermond, die eine Serie über dänische Kultur (mit mehr) begonnen hat:

Über die Dänen und deren Kultur im gelebten Alltag wussten wir vor unserem Umzug nicht so viel und ich denke, das geht vielen Deutschen nicht anders. Neueste Studien und Umfragen ergaben, dass sich Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen dürfen und dass sogar ihre Babys weniger schreien als britische oder gar kanadische*!

Was nur macht sie so glücklich? Was machen sie anders als wir Deutsche?

Insgesamt habe ich beobachtet, dass die Dänen zufrieden sind, wenn sie sich als ein wertvoller Teil von Familie und Gesellschaft wissen. Man definiert sich hier nämlich durch Arbeit und Familie.

 

Lest mehr hier: https://meermond.wordpress.com/2017/04/20/daenische-kultur-was-ist-denn-eigentlich-typisch-daenisch-1/

Oslo Mini-Cruise, Teil 2 („Klondike“ und Botanischer Garten)

Ich werde über Oslo in mehreren Abschnitten berichten, ansonsten wird der Beitrag allzu lang. Wir waren zu allen Jahreszeiten dort, sogar einmal im Dezember bei -15 Grad Celsius. Von der Reise stammt das Gegenlichtbild auf meiner Blogseite, eines meiner absoluten Lieblingsfotos. Das war so kalt, dass wir uns alle 45 Minuten irgendwo aufwärmen mussten, trotz warmer Kleidung und Wollstulpen über den Knien. Da es in Norwegen teuer ist, essen zu gehen, haben wir uns teilweise in den überdachten Einkaufszentren aufgewärmt. Es gibt allerdings eine allerliebste gemütliche Kaffee- und Teestube, die man nicht verpassen sollte. Ich muss herausfinden, wie sie heisst. Die haben selbstgebackene Kekse!

Aber beginnen wir am Anfang. Wenn man vom DFDS Seaways Anleger kommt, begrüsst einen Akershus Schloss und Festung (https://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Akershus)

Oslo_Juni2009 002

Und wenn man am Kai entlang in Richtung Innenstadt geht, kann man Glück haben und sieht so ein Prachtstück:

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”Klondike” entdeckten wir auf einer unserer ersten Reisen und suchten es danach noch mehrmals auf. Im Sommer war es natürlich besonders schön mit all den Kletterrosen. Es handelt sich hier um einen alten Stadtteil mitten in Oslo auf einem Hügel, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Rund um ihn herum wogt das Grossstadtleben. Teilweise ist es ganz für den Autoverkehr abgesperrt. (Karte 1, ”Klondike” ist mit einem roten Ring versehen). Natürlich heisst der Stadtteil nicht ”Klondike”. Ich habe versucht, etwas darüber herauszufinden, aber alle Touristenseiten schweigen sich aus. Entweder sehen die Norweger das nicht als etwas Besonderes an oder sie wollen die Touristen dort nicht haben.

Oslokarte 1

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Wenn man auf die Karte schaut liegt östlich von ”Klondike” ein Wasserlauf, die Akerselva. An ihr kann man auf einem Weg entlanggehen, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, mal sehr schön, mal weniger schön, aber immer interessant. Nach der Strecke mit den Grünanlagen führt der Trondheimsvejen fast direkt zum Botanischen Garten der Universität Oslo. (Karte 2)

Oslokarte 2

Ich hatte die Spaziertour auf dem Schiff geplant, und so meinen Mann geschickt in den Botanischen Garten gelockt. ”Oh, guck mal auf die Karte, der ist hier ganz in der Nähe!”  😉   Ich fürchte aber, er durchschaute mich …  😀

Es gibt verschiedene schön angelegte Beete in dem Garten, aber das Centrepiece sozusagen ist die Nachbildung eines Wasserlaufs, wie er auf dem norsk højfjeld in den Bergen vorkommen könnte, mit all den dazugehörigen Pflanzen. Hier sah ich zum ersten Mal den wunderschönen blauen Scheinmohn, Meconopsis betonicifolia, den die Dänen auch valmuesøster (Schwester des Mohns) nennen. Der ist allerdings in Tibet heimisch und nicht in Norwegen. Ich fand nur diese blaue Farbe so bestechend.

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Wenn man der Akerselva bis zu Ende folgt, also in südlicher Richtung, kommt man zum Hauptbahnhof, hinter dem der Hafen und seit 2007 das neue Opernhaus liegen. Das war ein sehr schöner und langer Spaziergang! Ich denke mal mit Zickzack in den kleinen Strassen, die ich nicht mit auf der Karte habe, waren das um die 10 Kilometer. (Karte 3) In dem Stadtteil Grønland, unter dem Autobahnkreisel stiessen wir auf einen riesigen Flohmarkt. Auch sahen wir in der Gegend auffallend viele indische Restaurants.

Oslokarte 3

Wenn man auf der Rückfahrt dann das Schloss Elsinore (Hamlets Schloss) in Helsingør erspäht, ist es nicht mehr weit bis Kopenhagen.

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Auf dem Öresund zwischen Helsingør (Dänemark) und Helsingborg (Schweden) herrscht reger Fährverkehr. Die Oslo-Fähre muss sich dazwischen hindurchfädeln.

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Das war’s für dieses Mal. Wir haben noch 2-3 Folgen zugute, mal sehen, wie viele das werden. In einer der anderen Folgen kommen auch Bilder von der Einfahrt in den Oslofjord, ein ganz prachtvolles Erlebnis. Auch Bilder vom Nordhafen in Kopenhagen werden dabeisein.

Ich wünsche euch allen schon mal ein schönes Wochenende!

Oslo Mini-Cruise, Teil 1 (der Lacher)

Ich bin ja kein Morgenmensch oder hatte ich das schon einmal erwähnt?  😉  Das heisst, dass ich am Morgen besonders tütelig bin, auch noch um 9.00 Uhr, was gewisse Leute bereits ”Vormittag” nennen.

An einem Mittwoch wollten wir nach Kopenhagen und von dort die Oslo-Fähre nehmen. Das ist ein Mini-Cruise mit zwei Übernachtungen an Bord und ca. 6 Stunden Zeit in Oslo. Aufstehen um 6.30 Uhr, Frühstück um 7.00 Uhr, 10.45 Uhr Fähre von Ebeltoft nach Odden, von dort weiter nach Kopenhagen.

Noch halb im Tran stach ich mir mit voller Wucht einen Zahnstocher in die Unterlippe … da sollte er ja eigentlich nicht hin, schlecht gezielt.

Auf dem Weg zur Fähre nach Ebeltoft schlief ich dann noch ein wenig. Wir kamen zu früh dort an und warteten geduldig darauf, dass die Billetautomaten aufmachten. Als sich 15 Minuten vor Abfahrt immer noch nichts tat, wurden wir unruhig. Wir waren immer noch das einzige Auto, kein Mensch im Gebäude zu sehen, keine sich annähernde Fähre … ich machte dann noch den dummen Scherz, dass die sicher den Verkehr eingestellt hätten … ging dann aber um das Gebäude herum, um jemand Menschenähnliches zu finden, als mein liebender Ehemann mich zu sich rief. Er tippte vielsagend mit dem Finger auf unser E-Ticket. Was stand da ”Århus-Odden”, nicht ”Ebeltoft-Odden”. Wir waren am falschen Fährhafen! Zum Glück hatte mein Mann das Billet für einen frühen Abgang bestellt. Wir hatten 5,5 Stunden Zeit, um mit dem Auto nach Kopenhagen zu kommen, also kein Problem.

Haha, meinte ich schadenfroh, jetzt habe ich auch etwas, was ich dir jahrelang auf’s Butterbrot schmieren kann, schusseliger geht’s doch kaum!

Abends auf dem Schiff spielte ich ”Hosenträger-Fluppen”. Man steckt einen Finger unter ein Hosenträgergummi eines beliebigen Herren, zieht den so weit wie möglich nach hinten und lässt dann los, flupp! Der ging dann wirklich nach hinten los. Er löste sich nämlich und fluppte mir mit der Metallklemme direkt in das Gesicht, dieses Mal auf die Oberlippe. Trotz ziemlicher Schmerzen musste ich herzlich lachen, und mein liebender Ehemann wieherte ungehemmt. Instant Karma!

Am nächsten Morgen kam dieser liebende Ehemann auf die Idee, wieder um 07.00 Uhr zu frühstücken, denn zu dem Zeitpunkt war das Restaurant so schön leer, das Essen noch weitgehend unbeatmet und unbegrabbelt (Büffet, das Argument zog bei mir), also das machten wir. Am Nebentisch sass ein Mann, der dem Ehemann einer ehemaligen Kollegin täuschend ähnlich sah. Haare samt Haarschnitt, Gesichtsform, Brille, und als er sich zu mir umdrehte war ich überzeugt, dass er es war, dasselbe offene Lächeln mit allen Zähnen! Warum drehte er sich zu mir um? Weil ich nach einem Gang zum Büffet zu ihm an den Tisch ging anstatt zu meinem eigenen Mann. Peinlich, peinlich, sowas Dummes konnte doch auch nur mir passieren. Jedenfalls stellten wir bei der Gelegenheit fest, dass es nicht der Mann meiner Kollegin war, denn hier handelte es sich um einen Norweger oder Schweden und keinen Dänen.

Fünf Minuten später kam ein kleiner rundlicher Mann an unseren Tisch, setzte sich, zog meinen Kaffee zu sich rüber und sagte mit vorwurfsvollem Blick ”Guten Morgen”. Ich zog meine Kaffeetasse zu mir zurück und erwiderte ”Guten Morgen”. Erst war er ganz baff, dann begriff er, falscher Tisch und ging zwei Tische weiter. Unser Nachbar lachte und meinte ”das ist ansteckend”. Ich war froh, dass ich doch nicht die Einzige war, der sowas passierte.

Mal sehen, wie das morgen beim Frühstück wird … 😉

P.S.: Oslo ist eine ganz wunderbare Stadt mit vielen besuchenswerten Orten. Ein ausführlicher Bericht mit Bildern, zusammengetragen aus verschiedenen Reisen folgt in Bälde. Aber schon mal vorab, falls jemand von euch einen Mini-Cruise planen sollte oder auch einfach nur eine Überfahrt von Kopenhagen aus: nehmt, wenn ihr Kinder habt, die „Pearl of Scandinavia“ und nicht die „Crown of Scandinavia“. Auf der Pearl gibt es jede Menge Angebote für Kinder, auf der Crown so gut wie gar nichts. Beides sind aber ansonsten sehr schöne Schiffe mit sehr gutem Essen (und Trinken …).

Sofia

Hier wieder eine Geschichte zu dem Projekt „Schreib mit mir“ von Frau Offenschreiben.

 

Sofia hatte endlich Feierabend. Draussen war es dunkel und es regnete schon wieder. Seit drei Tagen nieselte es fast ununterbrochen. Alles war von dieser aufdringlichen Feuchtigkeit durchdrungen. Ein Regenschirm war völlig nutzlos gegen diesen sanften, aber beharrlichen Ansturm, daher hatte sie sich endlich einen praktischen Regenmantel mit Kapuze zugelegt und sogar ein Paar Gummistiefel erstanden.

Nun stand Sofia wie ein personifizierter Wasserfall an der Bushaltestelle und wartete auf die Nummer 22, die sie nach Hause fahren sollte. Ihre Handtasche hatte sie zum Schutz unter dem Mantel über die Schulter gehängt.

Sie sah die Lichter eines Busses, der sich näherte. Als der Bus näher kam, sah Sofia, dass auf dem Display weder Nummer noch Zielstation angegeben waren und trat zurück, damit der Bus nicht hielt. Er hielt allerdings trotzdem an, und die Tür öffnete sich. Der Busfahrer, ein sehr alter Mann mit einer Art Zipfelmütze auf dem Kopf, sah Sofia streng an. ”Meine Güte”, dachte Sofia, ”der muss doch schon lange Rentner sein, wieso fährt der noch Bus? Soll ich da wirklich einsteigen?” Diese stierenden Augen waren fast hypnotisierend, aber noch zögerte Sofia.

Dann bemerkte sie, dass ein Fahrgast die beschlagene Scheibe mit dem Ärmel abwischte und zu ihr hinaus sah. Es war ein Kind, vielleicht 6 Jahre alt. Sofia konnte nicht sehen, ob es ein Junge oder ein Mädchen war, aber sie konnte ein rundes Gesicht mit ebenso runden Augen und vielen blonden Locken ausmachen. War das Kind allein unterwegs? Dazu schien es zu jung zu sein. Jetzt konnte Sofia nicht mehr zögern, sie musste herausfinden, was es mit dem Kind auf sich hatte. Sie zeigte dem Busfahrer ihre Monatskarte, aber er verlangte Kleingeld. ”Ich habe kein Kleingeld”, sagte Sofia, ”ausserdem habe ich ja bezahlt, die Monatskarte ist noch gültig!” Daraufhin winkte der Fahrer sie einfach weiter, schloss die Tür und setzte den Bus in Gang.

Sofia ging unterdessen nach hinten und versuchte, das Kind zu finden. Es waren aber nur ein paar wenige Erwachsene im Bus, kein Kind, wie sehr sie auch suchte. War es Einbildung gewesen? Jetzt sass sie hier in einem Bus, von dem sie nicht wusste, wo er hinfahren würde. Wie sollte sie nur nach Hause kommen? Sie drückte den Halteknopf, aber der Bus hielt nicht an. Sie versuchte es fünf Mal, aber immer ohne Erfolg. War das ein Kidnapping? War der Busfahrer verrückt oder hatte er gar einen Herzinfarkt erlitten? Der Bus schlingerte so merkwürdig. Sie lief nach vorne, um nachzusehen, aber da war kein Busfahrer mehr. Jeden Moment mussten sie in etwas oder jemanden hineinfahren.

Kurzentschlossen setzte sich Sofia hinter das Steuer und versuchte, den Bus auf der richtigen Strassenseite zu halten und gleichzeitig nach der Bremse zu suchen. Nach einer wilden Jagd eine steile Strasse hinunter, gelang es ihr, nach und nach den Bus abzubremsen, bis er zum Stillstand kam.

Wie öffnete man denn nun die Tür? Sofia versuchte es mit dem manuellen Hebel, denn all die Knöpfe und Schalter wollte sie lieber nicht ausprobieren. Es war etwas schwierig, aber es gelang ihr und sie stieg aus. Die anderen Fahrgäste folgten ihr. Wo waren sie gelandet, das war doch nicht ihre Stadt! Das war nicht einmal ihre Zeit! Sie befanden sich in irgendeinem kleinen, altertümlichen Dorf ohne richtige Beleuchtung. Nur aus einigen Häusern drang Licht auf die Strasse.

Die anderen Fahrgäste gingen alle zusammen in eine Richtung, als ob sie wüssten, wo sie hin mussten. Sofia beschloss, ihnen zu folgen, was blieb ihr anderes übrig? Sie kamen zu einem grösseren Haus, aus dem fröhliche Musik erklang und traten ein. Ein grosses Fest schien hier im Gang zu sein. Sie wurden herzlich willkommen geheissen und gebeten sich doch an den Tisch zu setzen, Essen und Trinken käme gleich.

Das war doch seltsam, Sofia konnte sich keinen Reim darauf machen. Auf einmal hörte sie wie aus weiter Ferne eine Stimme ihren Namen rufen; ”Sofia, Sofia!” sanft und lieblich. Sie sah sich nach der oder dem Rufenden um, konnte aber nicht ausmachen, wer es sein könnte. Da war es wieder ”Sofiaaaaa!” dieses Mal etwas eindringlicher. Auf einmal war da nur noch Licht, die Leute, das Fest, alles verschwand und wurde von dem gleissenden Licht verschlungen.

Dann schlug Sofia die Augen auf und sah in das besorgte Gesicht ihrer Arbeitskollegin Maria. Anscheinend lag sie auf der Erde und Maria war über sie gebeugt. ”Ein Bus hat dich angefahren, Sofia. Ich habe es vom Fenster aus mit angesehen und bin sofort runtergelaufen”, sagte Maria. Sie schien tatsächlich ohne Umschweife aus dem Büro gestürzt zu sein, denn sie trug keinen Mantel und war bereits total durchnässt. ”Da kommt der Krankenwagen, Sofia, ich werde mit dir fahren”, sagte Maria, und da wusste Sofia, dass alles gut werden würde.

Gestern war ein merkwürdiger Tag

Schon ab dem Morgen befand ich mich die meiste Zeit in dem zu Unrecht ”Stilles Örtchen” genannten Raum des Hauses, und offensichtlich wirken sich derartige Dinge auch auf das Gehirn aus.

Ich hatte am Vorabend Brotteig vorbereitet für das Langzeit-Mischbrot. Das musste verarbeitet werden. Nachdem man den Teig in die Formen gefüllt hat, muss er noch einmal 2 Stunden gehen. Ich stelle also meinen Handy-Wecker auf 19.50 Uhr, weil mein kleiner Küchenwecker nur maximal eine Stunde anzeigt.

Während wir irgendwas im Fernsehen anschauen (was???), sehe ich die Uhrzeit und denke, wenn ich jetzt den Herd vorheize, passt es mit den Broten. Ich heize 15 Minuten vor und schiebe dann die drei Brote in den Ofen.

Auf einmal, mitten in einer französischen Serie, geht mein Handy-Wecker in Gang. Wie bitte? Was denn? Schnell gucken, wie die Brote aussehen. Sehen gut aus, kein Problem. Ich hatte allerdings keine Ahnung, wie lange die nun schon im Ofen waren (klarer Gedanken unfähig, höherer Mathematik unfähig).

Nach einer weiteren halben Stunde gucke ich nochmal nach den Broten und sehe, dass ich die Temperatur gar nicht runtergeschaltet habe nach den ersten 20 Minuten, von denen ich sowieso nicht weiss, wann die abgelaufen sind. Mein Mann gerät in Panik: dann sind die vielleicht schon verbrannt, SEINE Brote!  😉  Ich schaue nach. Sie sind dunkelbraun oben, aber nicht schwarz. Ich nehme sie aus dem Ofen, und eine halbe Stunde später wird gekostet: Lecker, trotz allem!

Ich habe zwar wieder Krämpfe davon bekommen, aber das war es wert!

 

Radtour am Limfjord

Am letzten Sonntag (9. April), sollte schönes Wetter werden. Also plante mein Mann, nachdem wir unsere Freundin am Bahnhof in Aalborg abgesetzt hatten, eine Fahrradtour zu machen. Wir fuhren mit dem Auto in Richtung Nibe und parkten auf einem regulären, legalen Parkplatz in Klitgårds Fiskeleje und radelten an Nibe vorbei und rechts in das kleine Örtchen Valsted (siehe Karte 1). Das war ein Fund, ein kleines Stückchen heile Welt. In Valsted kann man den Fjordvej runterfahren (Sandweg) und kommt dann nach etwas Zickzack an eine Stelle, wo nach links ein Grasweg abgeht; der führt zu einem Picknickplatz mit Bänken und Tisch am Wasser.

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Auf dem Weg von Aalborg nach Klitgårds Fiskeleje kamen wir an vielen gutsituierten Häusern vorbei. Die Gegend dort ist Pferdezüchtergebiet. Jütland ist bekannt für seine wunderbaren Pferde. Man denke an Tarok, der allerdings aus Skive stammte, etwas weiter südlich, aber immer noch Limfjord.

Wir fuhren den gleichen Weg zurück, allerdings durch die Stadt Nibe, die sehr gemütlich ist, und machten auch am Hafen halt.

Mit unserem Auto setzten wir dann fort nach Aggersund und wählten eine Strasse, die über einen kleinen Damm führt. Das wollten wir immer schon einmal ausprobieren. (siehe Karte 2)

Karte 2_AggersundRyaaMejeriGoogleKort

Der Damm ist sehr schmal (auf der Karte eingekreist). Es kann hier wirklich nur ein Auto zur Zeit fahren. Allerdings gibt es auf der einen Seite mehrere Ausweichstellen, so dass die Autos, die von der Gjøl-Seite kommen, immer auf die anderen warten müssen. Wir kamen von Østerby … am Anfang des Dammes steht dort ein kleines Aussichtshaus.

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Das ist natürlich nichts Atemberaubendes, aber ein kleines Abenteuer, eine der vielen kleinen Putzigkeiten in Dänemark.

Von der anderen Seite aus kann man dann über Birkely zur Strasse 55 fahren, die dann nach Blokhus, Løkken, Lønstrup usw. führt.

Wir machten in Blokhus Halt, weil wir hungrig waren. Das war schwierig, denn viele Restaurants haben zwischen 15.00 und 17.00/17.30 Uhr geschlossen (es war 15.30 Uhr). Wir fanden aber ”Futten”, das durchgehend geöffnet ist und in einem alten Fachwerkhaus untergebracht ist, gemütlich, urig, rustikal. Das Essen ist einfach, aber schmackhaft (anscheinend sind die Burger gut), die Bedienung ausserordentlich nett und freundlich.

An manchen Wochenenden gibt es Jazz-Lunch im „Futten“. Dazu muss man sich anmelden, weil der Jazz bei zu wenigen Anmeldungen ausfällt.

Man kann jedoch auch in Ryaa Halt machen und die dort ansässige Meierei besuchen (siehe Karte 2). Dort hat man im ehemaligen Wohnhaus ein kleines Cafe eingerichtet mit einigen der alten Möbel. Man bekommt kleine Gerichte, die preisgünstig sind und sehr gut schmecken. Alles ist frisch, es gibt die eigene Butter, Brot wird auch selbst gebacken etc. etc. und dann wird dort das berühmte Ryaa-Eis hergestellt. Neben dem Cafe ist ein Laden, wo man sich verführen lassen kann. Mehr darüber könnt ihr hier www.ryaais.dk lesen. Ich gehe sehr gerne dort essen, wenn wir in der Nähe sind, weil ich auch immer etwas Vegetarisches bekommen kann. Vegan ist allerdings ein Problem, aber das ist es allgemein in Dänemark.

Das war’s für heute, vielleicht kommt ihr ja mal in die Gegend. Ich wünsche euch allen noch eine schöne Woche.