Schottlandreise 1974, Teil 2

Kendal-Patterdale-Glasgow

2. Juli 1974 (Dienstag)

Am nächsten Tag wollen wir nach Loch Windermere trampen. Das Wetter ist wunderbar und wir haben keine Probleme, mitgenommen zu werden.

http://www.lakedistrict.gov.uk/visiting/placestogo/explorewindermere 

Windermere ist ein wunderschönes Städtchen, mit sauberen Parkanlagen, reichen Einzelhäusern und ausschliesslich älteren, ehrwürdigen Gebäuden. Leider ist es auch ’highly touristic’. Uns hält es jedenfalls nicht lange dort. Wir wandern langsam zurück, singend, träumend und Gitarre spielend.

 

3. Juli 1974 (Mittwoch)

Wir verbringen noch einen weiteren Tag in Kendal, an dem wir uns eigentlich die Burganlage ansehen wollen, aber dann doch zu faul sind und sie uns von unten, aus der Ferne anschauen.

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(Kendal Burganlage, Luftfoto von Jonathan Webb)

In der Nähe unseres Domizils treffen wir auf eine Dame, die ihren Hund spazieren schleift, und wir kommen mit ihr ins Gespräch. ”Ihr solltet nicht trampen”, sagt sie, ”Männer sind so schlecht!”

[Ich glaube die anderen Nächte haben wir dann in der Jugendherberge in Kendal geschlafen und nicht bei John.]

 

4. Juli 1974 (Donnerstag)

Wir tun es am folgenden Morgen trotzdem oder sagen wir besser, wir versuchen es! Auf der von uns gewählten Strasse fahren fast keine Fahrzeuge, von Autos gar nicht zu reden. Es fängt dann auch noch an zu regnen, und wir bedauern beide, nicht unsere Parka mitgenommen zu haben anstatt der zwar wasserdichten, aber kalten Öljacken. Nach drei Stunden sind wir den Tränen nahe. Wir sind wirklich gut ausgerüstet!

Ein reizendes junges Ehepaar nimmt uns dann schliesslich mit und setzt uns nach einer endlosen und wunderschönen Hügelauf-, Hügelab-Fahrt in einer atemberaubenden Schlucht an einem Parkplatz ab. Dort parkt ein Bus voller College boys. Sie würden uns sehr gerne mitnehmen, aber der Fahrer erlaubt es nicht.  

Wie wir in Patterdale in der Jugendherberge ankommen, ist nicht aufgezeichnet. Aber sämtliche Quellen berichten, dass wir sie lebendig erreichen. Patterdale liegt im Herzen des Lake Districts. Dort treffen wir eine Gruppe schottischer Mädchen, zwei Iren und zwei Mädchen aus ’Birmingim’. Die eine Schottin, Janet, schwingt die blau-weisse Fahne und plädiert dafür, ’Scotland the brave’ zur Nationalhymne zu ernennen. Ich spiele später Schach mit ihr, obwohl ich es seit drei Jahren oder noch länger nicht praktiziert habe. Trotzdem endet das Spiel nach drei Stunden mit einem Patt, und ich bin sehr stolz.

yha_patterdalelakedistrict

Abends erblassen meine beste Freundin und ich, als wir das schottische Dinner sehen. Es besteht aus mindestens fünf Gängen, mit Gemüse, Kartoffeln, Pastry, Brot, Käse, allem, was das Herz begehrt. Wir dagegen essen unsere chinesische Kulimahlzeit und sind froh, dass wir uns die Mägen nicht so dekadent vollzustopfen brauchen.

http://www.visitcumbria.com/pen/patterdale/

 

5. Juli 1974 (Freitag)

Am nächsten Tag müssen wir eine lange Strecke laufen, bekommen dann aber einen guten Lift mit einer Grossfamilie aus Northumberland, alle rothaarig, alle gut gelaunt und kauderwelschend, typisch ’Nukassel breed’!

Bis nach Glasgow nimmt uns schliesslich ein rothaariger Lastwagenfahrer mit, der seinen Whiskey ausgerechnet in Cambuslang, in einer Parallelstrasse zum Woodlands Crescent, wo Margaret [siehe Tagebuch von 1973] wohnt, abliefern muss. Ist das Glück oder wie? Kein Forschen nach Bussen in einer fremden Stadt. In dem Warenlager ist das Führerhaus sofort von der Arbeiterjugend umzingelt und man redet von zwei Seiten auf uns ein. Leider verstehen wir nur jedes zehnte Wort. Das ist Glaswegian!

Meine beste Freundin und ich ergreifen die Flucht und schleppen uns mit unserem Gepäck den Hügel zum Woodlands Crescent hinauf, begleitet von einer fröhlichen Kinderschar, die unsere leicht vornübergebeugte Haltung nachahmt und uns bis zu Margarets Haus begleitet. Das ist gut so, denn Hausnummern existieren nicht (die armen Postboten), und die Kinder helfen uns beim Erfragen. Als meine Freundin dann auch noch die Gitarre auspackt, sind sie vollends entzückt und nicht von unserer Seite zu bringen. Heather und Janet erinnern sich nicht an mich, aber Margaret ist sehr erfreut und empfängt uns ausserordentlich herzlich.

Abends gehen wir alle in den Viertelpub, umd unsere Ankunft zu feiern. Dort treffen wir auch Eddie, Margarets Freund, unseren Retter von Loch Ard, der seit dem letzten Jahr ganz schön fett angesetzt hat. Auch im Pub sind wir gleich wieder umringt und lernen einige charmante Jünglinge kennen. Es trifft sich, dass wir uns mit zweien von ihnen, Tom und Patrick, für den nächsten Abend wieder im Pub verabreden.

 

6. Juli 1974 (Sonnabend)

Tagsüber sind wir nämlich mit Margaret und Töchtern bei den Grosseltern eingeladen, einem reizenden, liebenswürdigen Paar. Margarets Vater weiss eine ganze Menge über Schottland und empfiehlt mir, zum besseren Verständnis der Hochlandmentalität und -atmosphäre das Buch ’Kidnapped’ zu lesen. (Obwohl dies ein Kinderbuch ist. Ich erinnere mich daran, diese Geschichte von R. L. Stevenson einmal als Hörspielserie im Radio gehört zu haben.) [Es gibt auch ein Folgebuch, das ’Catriona’ heisst. Ich habe beide Bücher gelesen.] Mich interessiert vor allem auch die Bedeutung dieser oft wiederkehrenden Vorsilben in Ortsnamen, wie z. B. ’Aber’, ’Kin’, ’Drum’ und ’Kyle’. ’Aber’ und ’Inver’ sind zum Beispiel sind Worte für Mündung, wie bei Aberdeen und Inverness. ”Und Lochaber”? Frage ich ihn. Er kennt diesen Namen nicht, meint aber, dass dort zwei Seen ineinander münden müssten. Ein Blick auf die Karte und man sieht, dass er Recht hat. Leider behalte ich nicht alles, was er uns erzählt, sonst hätte ich aus vielen schottischen Ortsnamen die geografische Lage ersehen können.

Abends treffen wir unsere beiden jungen Männer und haben eine vergnügte Zeit. Patrick hat eine etwas raufige, ruppige Art an sich und dreht mir einmal unerwarteterweise das Handgelenk um. Ich bin dementsprechend sauer und er entschuldigt sich sofort. Anscheinend ist das ’the Glasgow way of playing’. Pat arbeitet übrigens in Alexandria, was ich einigermassen verwirrend finde. Es stellt sich dann aber heraus, dass es sich um einen Vorort von Glasgow handelt. Wir gehen später noch ein Stück mit in ihre Richtung. Da wir aber von fern eine wüste Schlägerei bemerken, anscheinend nichts Ungewöhnliches in Glasgow, schicken die beiden uns zurück, mit Küsschen, was für mich wiederum sehr unerwartet kommt.

 

7. Juli 1974 (Sonntag)

Am darauffolgenden Tag wollen wir uns Glasgow ein wenig näher ansehen und vor allem Bücher kaufen. Margarets Nachbarn Julie und Hughie, bei denen wir abends zu einer Party eingeladen sind, nehmen uns in ihrem Auto mit in die Stadt. In Glasgow gibt es einen riesigen überdachten Flohmarkt, der ’The barrels’ heisst und jeden Tag geöffnet ist. Da wollen wir unbedingt hin. Ansonsten laufen wir mehr ziellos umher, bekommen aber, meiner Meinung nach, ein ganz gutes Bild von Glasgow.

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(Wie man sieht, habe ich den Namen falsch verstanden, der Markt heisst nicht ‚The Barrels‘, sonder ‚The Barras‘.)

In Cambuslang werden wir mit cheers empfangen, denn Deutschland hat gerade die Fussballweltmeisterschaft gewonnen. Wir haben ausserdem Gelegenheit, Margaret beim Haareschneiden zu beobachten. Sie hat das nicht gelernt, bringt aber einen total professionellen Schnitt zustande. Der junge Mann ist begeistert.

Während unseres Dinner-Verdauungsspaziergangs hören wir auf einmal pipes and drums von irgendwoher. Wir gehen dem Klang nach und kommen zu einer Art griechischem Theater in Miniatur, wo eine kleine Gruppe Jugendlicher in Tartan musiziert. Die Akkustik ist hervorragend. ”Das müssen Studenten sein”, mein Margaret, ” wenn sie Soldaten wären, hätten sie kürzere Haare.” – Manche Dinge sind eben überall gleich. 

Der Abend naht indessen und mit ihm die Party und die Kleidersorgen. Wir besitzen schliesslich nur Jeans und T-Shirts. Auf mittlere Bälle sind wir nicht vorbereitet. Margaret meint, dass das nichts ausmacht und dass alle dafür Verständnis haben werden. Sie leiht mir ein sehr raffiniert ausgeschnittenes braun-weisses T-Shirt aus ihrem eigenen Bestand.  

Als wir eintreffen, ist Julie bereits betrunken. Ausser uns dreien sind da Eddie, zwei uns unbekannte Ehepaare und Willy mit Frau. Willy haben wir schon am Abend vorher kennengelernt. Er ist mindestens 1,90 m gross, rothaarig oder besser rotmähnig und totaltätowiert auf beiden Armen. Auf einem Bild seiner Ausstellung steht: ”Marriage? – Never more!” – Meint er nun damit, dass er seiner ersten Liebe treu bleiben will oder, dass seine Ehe mit der hübschen schwarzhaarigen Carol nicht sehr glücklich ist? Immerhin haben sie ein Kind zusammen. An diesem Abend verabreichen sie sich allerdings gegenseitig diverse Ohrfeigen. Au, backe! Nach Margarets Erzählung ist Willy ein Typ, der sechs Monate arbeitet und dann erst einmal sechs Monate pausiert. Carol und er haben sich schon einmal getrennt, sind aber des Kindes wegen wieder zusammengezogen.

Hughie frisst am laufenden Band Sandwiches mit dem Kampfschrei ”Feed the bear”. Beim Tanzen hebt er mich einmal mit einem irren Schrei in die Höhe, aber er sieht mich gar nicht an dabei und ich muss an den Hilfeschrei eines Tieres denken.

Julie schüttet immer mehr in sich hinein, die anderen auch, und ich bin völlig nüchtern. Eine vor Kurzem hinter mich gebrachte Hepatitis hat mich zwangsweise für ein Jahr abstinent gemacht. So labe ich mich in der Küche an köstlichem Orangensaft, während Julie mir blöde kichernd über die Schulter guckt und fragt: ”Does that make you feel sexy?” – Hughie ist inzwischen in seinem Sessel eingeschlafen, und Eddie vertraut mir an, dass Julie ihn mit Absicht betrunken macht, weil er dann einschläft und sie sich umso besser an die Männer der anderen Frauen heranmachen kann. Margaret bezeichnet sie als ’flout’, eine Person, die die Aufmerksamkeit anderer Leute auf sich lenken möchte. Später sagt man mir, diese Bezeichnung sei mehr als höflich, man nenne solche Damen eher ’cow’. Am liebsten wäre Julie mit beiden Männern ins Bett gesprungen, nur stören die Ehefrauen. Diese sind sehr nett anzusehen und ich verstehe nicht, wie ihre Männer die hässliche, dünne Julie ihren eigenen Frauen vorziehen können, selbst wenn es nur für eine Runde ist. Noch unverständlicher ist mir, dass die Ehefrauen Verständnis für Julie aufzubringen scheinen, sich neben sie setzen und sie zu beruhigen versuchen. ”I am so hot tonight!” stöhnt sie. Meine Güte, Sodom und Gomorrha, wo bin ich denn hier mit meinen zarten 19 Jahren gelandet?

Meine beste Freundin und ich haben schliesslich die Nase voll und verabschieden uns. Julie hockt gerade am Sideboard und will sich an der daraufliegenden Tischdecke hochziehen. Sie reisst dabei alles vom Tisch, Schallplatten, Gläser, alles landet auf dem Boden und lacht sich halb tot darüber.

 

8. Juli 1974 (Montag)

Den letzten gemeinsamen Tag wollen wir alle gerne in friedlicher Atmospäre verbringen. Margaret, die Kinder und wir nehmen an einer Busfahrt durch die Trossachs teil. Wir fahren die Strecke am Loch Kathrine entlang bis zum Loch Lomond, die ich schon kenne, biegen dann aber nach links ab in Richtung Campbelltown (”Campbelltown Loch, I wish you were whiskey …”). Wir besichtigen einen ’Weaver’s Shop’, wo wir zum ersten Mal einen richtigen Eindruck von der Vielfalt der Tartanmuster bekommen. Schlipse mit Clan-Bezeichnung hängen an den Wänden, und ich versuche, mir so viele wie möglich zu merken. Leider sind sie sich teilweise so ähnlich, dass ich nur noch höchstens zehn Muster auf Anhieb erkennen würde. [Jetzt nur noch fünf.]

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Natürlich ist man willkommen, wenn man unbedingt etwas kaufen möchte!

http://www.rampantscotland.com/features/faq.htm

Am Loch Long essen wir (die ganze Reisegruppe) ’High Tea’ eine schottische Abendmahlzeit. Dazu gehört eine warme Platte, Spiegeleier oder Fisch mit Pommes Frites oder gebackenen Bohnen und diverse kleine Kuchen. Zusätzlich wird Weissbrot und Marmelade gereicht. Dazu trinkt man so viel Tee, wie man will. Meine Freundin und ich übernehmen hierfür die Bezahlung, denn Margaret hat sich nicht davon abbringen lassen, uns zu der Busfahrt einzuladen. Beim Hinausgehen lassen wir drei Stücke Ingwerkuchen für Janet und diverse Bread Sticks für Heather vom Nebentisch mitgehen.

Am Abend gehen wir zum letzten Mal in den Pub, um uns zu verabschieden. Ein Freund von Pat versichert mir, dass diesem das Herz brechen wird, wenn ich jetzt schon wieder fortgehe. ”C’est vrai”, meint Pat. Er ist schon ein hübscher Junge, gross und schlank mit diesen reizvollen keltischen Farben, schwarzen Haaren und dunkelblauben Augen, genau wie Heather und Willys Frau Carol (und Donovan …). Tom und Pat bringen uns nach Hause, und im Hinterhof spielt sich dann die rührende Abschiedsszene ab. Als wir dann schliesslich ins Haus wollen, bekomme ich mit dem Schlüssel die Wohnungstür nicht auf, so dass Eddie, der geraume Zeit vorher hineingefallen ist (da besoffen), wieder in die Hosen steigen muss, um uns hineinzulassen. ”Das war ein schöner, friedlicher Tag”, meint Margaret.

(Fortsetzung folgt)

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Schottlandreise 1974, Teil 1

Ich hatte ja versprochen, jetzt im Januar mit der zweiten Schottland-Saga zu beginnen. Die ist in insgesamt 8 Teilen, denn wir waren ja doppelt so lange weg.

Hier also der Anfang:

Schottland 1974, Teil 1, Hamburg-London-Kendal

Wie man bereits im Tagebuch von 1973 lesen konnte, war ich sehr angetan von Schottland. Daher wollte ich im darauffolgenden Jahr noch einmal hin, und zwar alle sechs Wochen der Sommerferien. Meine beste Freundin und ich. Wir teilten ja den Schmerz der eigentlich ganz nützlichen Fremdsprachenschule, und jetzt wollten wir die letzte Möglichkeit teilen, sechs Wochen an einem Stück auf der Wanderschaft zu sein. Denn ab nächstes Jahr würden wir arbeiten müssen.

Ich habe keine Daten im zweiten Tagebuch stehen, aber meine Recherche hat ergeben, dass die Sommerferien in 1974 für Hamburg vom 1. Juli bis zum 10. August stattfanden. Was das Fährschiff anbelangt, scheinen es in den beiden Jahren zwei verschiedene gewesen zu sein, die aber beide ’Prinz Hamlet’ hiessen. Das gibt Sinn, denn die Cafeteria sah das zweite Mal ganz anders aus. Es gab keine gepolsterten Sitzbänke mehr, auf denen man einigermassen bequem schlafen konnte. Die zweite Prinz Hamlet, wurde dann abgelöst von der ’Hamburg’ und der ’Admiral of Scandinavia’. Am 28. Februar 2002 wurde der Fährverkehr von Hamburg aus eingestellt und nach Cuxhaven verlegt. Dieser Fährverkehr wurde dann am 6. November 2005 eingestellt. Keine Fähre mehr nach England. Seit 2014 kann man auch von Esbjerg nicht mehr nach Newcastle segeln. Die Flüge und die Mietautos sind zu billig geworden. Na, das war ein Kursus in Fährologie. Aber ihr wisst ja sicher, wie das ist, wenn man erst einmal anfängt, im Internet zu recherchieren …

Dieses Tagebuch enthält auch noch anderweitige Lücken. Es sieht fast so aus, als ob ich mit anderen Dingen als mit Schreiben beschäftigt war …

Ich werde erst einmal davon ausgehen, dass wir am 28. Juni abgesegelt sind. Ich konnte keine alten Fahrpläne auftreiben. Vielleicht finden wir unterwegs im Tagebuch irgendwelche Hinweise auf Wochentage oder so, die uns Aufschlüsse geben können. Da ist eine Bemerkung von einem Wochenende am 16. und 17. Reisetag (Juli), das würde mit Abfahrt 28. Juni passen, denn eine Abreise am 5. Juli würde nicht mit einer Rückreise innerhalb der Sommerferien passen, die ja am Wochenende 10./11. August endeten.

 

28. Juni 1974 (Freitag)

Bei schönstem Sonnenwetter legt die ’Prinz Hamlet’ ab. Sowohl Schiffsdeck als auch die St. Pauli Landungsbrücken sind gleichmässig überfüllt und bieten ein sommerlich buntes Bild. Meine beste Freundin und ich verspüren keine besondere Lust, für die Filmkamera meines Vaters zu posieren und verschwinden schleunigst in der Menschenmenge. Ich will nichts mehr sehen, denn eigentlich bin ich schon auf der anderen Seite des Kanals.

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Leider kann selbst meine Fantasie mich nicht vor der Eintönigkeit der Überfahrt bewahren. Doch ein stiller Beobachter kann sich ein wenig die Zeit vertreiben. Da gibt es z. B. den Möchtegern-Lebemann und seinen schmierigen Freund, die sich gleich zwei Mädchen aufreissen und lautstark auf dem Deck herumprotzen. Der Schönere von beiden bezeichnet sich selbst als ’a clever fox’ (er ist Deutscher), bestellt am laufenden Meter Sekt und ist sehr erstaunt, dass die Mädchen nicht die nächste Woche mit ihm zusammen in seinem Bett verbringen wollen. Die an Deck befindlichen Passagiere kommen dabei unterhaltungsmässig voll auf ihre Kosten.

Im Laufe des Nachmittags begegnen wir noch einer sehr netten Irin, einer Berlinerin und zwei Hamburgern. Viele von uns verbringen eine harte Nacht auf dem Fussboden der Kantine, einem Schmelztiegel von allen möglichen Überzeugungen und sozialen Schichten. Für meine Freundin und mich ist die Nacht zusätzlich auch noch relativ kühl, denn unsere sagenhaft warmen, da alugefütterten (denn das reflektiert die Eigenwärme), leichten, da ohne Daunen, weltraumerprobten Astronautenschlafsäcke erweisen sich als absolute Enttäuschung. Auf gut Deutsch: wir frieren uns den Arsch ab! Nach längerer Überlegung kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir wohl doch nicht, wie ursprünglich geplant, im Freien übernachten werden.

 

29. Juni 1974 (Sonnabend)

Das Wetter am nächsten Morgen ist schlecht, kalt und griesgrämig. Ich nehme meine Flöte, die ich dieses Mal dabei habe (eine Piccolo, passt in die Jackentasche) und setze mich in einer windgeschützten Ecke auf einen Rettungsmaterialkasten. ”Sind Sie Schottin?” fragt mich ein Mann. – ”Nein.” – Aber Sie spielen doch schottische Volkslieder!” – ”Ja.” Das soll wohl männliche Logik sein. Meine Freundin kommt auch dazu und singt auf ihrer Gitarre, die sie fest entschlossen ist, sechs Wochen durch Schottland zu schleppen. Ich sehne mich nach Aktivität, nach dem ’Auf und davon’.

In Harwich angekommen verlaufen wir uns erst einmal auf dem Weg zum Bahnhof (das mache uns mal jemand nach in so einer kleinen Stadt) und entdecken dabei einen Sandwich-Laden! Wir kaufen einen kleinen Vorrat, um sie in der Bahn zu essen. Doch, oh wie so trügerisch ist äusserer Anschein! Man hat fein säuberlich dünne Scheiben Käse und Schinken an den Rand des Sandwiches gelegt und die Mitte kahl gelassen! Ich fühle mich betrogen! Irgend jemand erzählt mir später, dass das in England so üblich sei. Also nicht das Betrügen, sondern diese Arte Brote! Ich habe jedoch während der folgenden sechs Wochen nie wieder solche Sandwiches gegessen. Allerdings geht unsere Reise ja hauptsächlich durch Schottland, aber soll das bedeuten, dass die Engländer schottischer sind als die Schotten?

Nach Ankunft in London gehen wir erst einmal zur Jugendherberge, eine ’summer hostel’, die nur in der Hauptsaison geöffnet hat. Das Einkaufszentrum um St. Pauls Cathedral herum ist mittlerweise fertiggestellt und sieht genauso hässlich aus wie alle anderen.

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Summer hostel in der Nähe  von St. Paul’s Cathedral

Ich rufe den Schwager meines afrikanischen Freundes an, bei dem wir schon angemeldet sind, und wir verabreden uns an der U-Bahn. Während ich auf ihn warte, fragen mich zwei Engländerinnen nach der Kathedrale, und ich erkläre ihnen den Weg. Ich glaube, sie haben nicht einmal bemerkt, dass ich Ausländerin bin. Dann bemerke ich einen Afrikaner, der mich prüfend anschaut, wie ich ihn, dann aber mit einem Zeitungsverkäufer spricht und daraufhin enteilt. Ich laufe hinterher und hole ihn in der Kantine der Jugendherberge ein. Es war tatsächlich der Schwager. Zu dritt fahren wir zu ihm und seiner Frau nach Hause. Die Schwester meines Freundes ist ein äusserst liebenswertes Geschöpf. Sie empfängt uns so herzlich, als ob wir alte Freunde wären. Der Schwager schenkt mir ein afrikanischen Batik-Hemd mit vielen Löchern und dann folgt das unvermeidliche Bilderbegucken. Das ist bei allen meinen afrikanischen Freunden eine Leidenschaft. Leider fotografieren sie grundsätzlich nur Familienmitglieder und Freunde, und das nicht einmal sehr gut. (Einige besonders typische Exemplare befinden sich noch in meinem Besitz.) [O.k., o.k., in meiner Familie gab es auch solche Familienfotobegeisterten, ich gebe es zu. Und ich selber stehe im Verruf, hauptsächlich ’Blümchen im Wind’ zu fotografieren, mehr oder weniger scharf, je nach Windstärke. Wir haben also einander nichts vorzuwerfen. Inzwischen sind noch ’Vögel im Wind’ dazugekommen.]

Schliesslich bringt uns der Schwager wieder zum Bus. Einige Jugendliche schreien uns hinterher: ”Badhe loves the white!” Das ist ihm peinlich und er bittet uns, diese dummen jungen Leute zu ignorieren. Naja, Vorurteile gibt es eben überall. Badhe lädt uns ein, auf der Rückreise bei ihnen zu essen und zu übernachten. Ausserdem will er mir helfen, die Schlangenlederstiefel zu kaufen, die sich mein Freund so sehr wünscht, und zwar mit Plateau-Sohle, die sind im Augenblick in gewissen Kreisen der letzte Schrei.

 

30. Juni 1974 (Sonntag)

Am nächsten Tag hat Badhe dann aber doch keine Zeit und die Schuhe bekomme ich nicht. (Das ist ganz gut so, wie sich später herausstellt.) Meine Freundin kommt auf die äusserst kluge Idee, sie auf der Rückfahrt zu besorgen, dann können wir sie mitnehmen und das Porto sparen, denn ich wollte nicht so gerne sechs Wochen lang auch noch ein paar langschäftige Stiefel mit mir herumschleppen. Man muss sich doch über die Probleme wundern, die zivilisierte Leute haben!

Ich kann mich nicht daran erinnern, was wir an dem Tag noch in London gemacht haben. Sightseeing nehme ich an und ’Lite Bites’.

 

1. Juli 1974 (Montag)

Wir sind froh, als wir am nächsten Tag losfahren. Wir nehmen die U-Bahn bis ganz an den Stadtrand, um an die Autobahn nach Norden zu kommen. Zu unserem Pech ist an der Endstation aber keine Auffahrt zur Autobahn, so dass wir mit dem Buss noch eine ganze Strecke wieder stadteinwärts fahren müssen. Wir werden dann aber sehr schnell mitgenommen, obwohl die Strasse von Trampern umsäumt ist. Das junge Pärchen, das uns aufsammelt, wollte uns erst gar nicht mitnehmen, denn sie haben uns wegen unserer gelben Öljacken für Amerikanerinnen gehalten, und ”Americans never pick anbody up!” – Von dem Moment an halten uns übrigens alle Leute für Deutsche wegen der gelben Öljacken, denn die sind 1974 bei uns gross in Mode. Wir sollen sie noch arg beschimpfen (die Jacken) in der nächsten Zeit. Wir wurden in der Höhe von Rugby abgesetzt.

Unser nächster ’Chauffeur’ ist Joe, ein Lastwagenfahrer aus Wigan. Ich erzähle ihm, dass ich George Orwell’s Buch ’The road to Wigan Pier’ gelesen habe und frage ihn, was es mit dem ’Pier’ auf sich hat, die Stadt läge ja so mitten im Land und keine grösseren Gewässer in der Nähe (oder?). Ich habe Joe’s Erklärung überhaupt nicht verstanden. Er sprach mit ziemlich starken Akzent (Lancashire???). [In Wigan gibt es einen Kanal, der wohl für Schiffahrt benutzt wird/wurde. Ein Viertel in Wigan, das am Kanal liegt, mit Speichern, heisst ’Wigan Pier’. Uuuund es gibt dort ein Restaurant, das ’The Orwell’ heisst! Alles gegoogelt.]

Joe ist klein, drahtig und sehr nett. Er nimmt uns mit bis in seine Heimatstadt (ein Pfundslift, man sehe sich die Strecke auf der Karte an – ja, wir haben wieder eine dabei: Rugby-Wigan, ca. 160 Kilometer) und spendiert uns unterwegs noch apple pie und white coffee. Wir unterhalten ihn dafür mit irischen Volksliedern wie ”If you want your child to grow …” und ”Seven drunken nights”, allerdings nur die ersten fünf Strophen, denn die beiden letzten kenne ich nicht. Die Dubliners haben das Lied in der Hamburger Musikhalle gesungen, ohne die letzten beiden Strophen. [Und wenn ich sie gekannt hätte, hätte ich behauptet, sie nicht zu kennen.] Zum Abschied küsst er uns die Hand, und das doch tatsächlich mit einem Tränchen im Auge, und lädt uns zu einem Bier ein, falls wir uns durch Zufall jemals einmal wieder treffen sollten. Cheers, Joe, es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass wir dich wiedersehen!

Joe lässt uns an einem ausserordentlich tramperungünstigem Strassenknotenpunkt zurück, einem Kreisverkehr, wo die Autos nicht richtig anhalten können. Uns schwant unheilvolle Wartezeit, da auch noch ein reizvolles, rotgelocktes Wesen an unsere Ecke kommt. Ein kleiner französischer Bubi springt aus dem Gebüsch und will sich zur Führungsperson unserer kleinen Gruppe ernennen. ”I wait ’ere, you ’ide, and when a car comes, I” und er stopft zwei Finger in den Mund, um ein Pfeifen anzudeuten. Wie ist der Kleine doch niedlich! Als schliesslich ein Wagen hält, nimmt er uns drei Mädchen mit, obwohl fast kein Platz ist, und lässt den Kleinen stehen. Da tut er uns denn doch leid!

Das rothaarige Mädchen ist eine Studentin aus Glasgow, die auch noch am heutigen Tag dorthin gelangen will. Da hat sie noch viel vor! Sie erzählt uns, dass sie immer alleine trampt, sie hat es auch in Italien getan. ”You are brave” sage ich. – ”I’m not brave, I’m jus shtuppid!” meint sie. Aber man glaube ja nicht, dass ihre Aussprache typisch schottisch oder im geringsten Glaswegian ist, oh, nein, Glaswegian sollen wir noch kennenlernen, bis jetzt haben wir noch keinen blassen Schimmer von dem, was uns erwartet!

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(Strecke London – Kendal)

Der Fahrer des Wagens, John Mansfield, Segelsportler aus Kendal, lädt uns ein, bei ihm zu übernachten. Er stellt uns auch gleich an zum Abwaschen, Teppich saugen und Betten beziehen, aber das ist ja auch in Ordnung. Er hat eine deutsche Freundin in Kiel, auch Seglerin. Am besten gefällt mir sein Kater, schwarz von der Nasen- bis zur Schwanzspitze. John warnt mich vor ihm, Kater können ruppig sein, meint er. Aber er lässt sich wohl eine Stunde lang mein Streicheln gefallen, ohne etwas anderes zu tun als zu schnurren (also der Kater).

Als John unsere weltraumerprobten Astronautenschlafsäcke sieht, fängt er schallend an zu lachen. Ich friere sogar noch mit Schlafsack unter einer dicken Daunendecke! Wahrscheinlich reflektiert die Alufolie in dem Fall die Eigenkälte.

http://www.visitcumbria.com/sl/kendal/

(Fortsetzung folgt)

Tag 12 der Zeitrechnung nach Jackies Ankunft

Ich habe ein paar Bilder gemacht …

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Sie kann in Sekundenschnelle von Tempo 100 auf komatös umschalten.

 

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Darf ich auf den Schoss? Bitte, bitte!

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Mein Korb ist mein Castle.

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Typische Terrierhaltung, achtsam und bereit.

 

Die nächsten 5 Bilder sind von einem ihrer Ausflippmomente, in denen sie ihren Korb umorganisiert.

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Hier mit dem Quietscheball, der nicht mit ins Schlafzimmer darf.

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Hier wühlt sie sich gerade unter das beneidenswert weiche Kissen. Man sieht nur den Hintern und eine kleine Schwanzspitze links.

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Hallooo, hier bin ich wieder …

Mehr noch als in Kinderfamilien, ist unser Alltag jetzt in Kackperioden eingeteilt (prä-, zwischen- und post-), schliesslich haben wir keine Windeln für den Hund. Mit meiner hundeerfahrenen Freundin habe ich mich neulich zwischen 3. und 4. Kacken verabredet. Sie kennt sich ja aus damit … 😉

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch einen schönen Sonntag. 😀

 

 

Tag 7 der Zeitrechnung nach Jackies Ankunft

Ich habe einige schöne Bücher von meiner hundeerfahrenen Freundin geliehen bekommen. Da stehen sehr nützliche Ratschläge drin, z. B. dass man überall viele Spielzeuge liegen haben soll, damit man dem Hund was als Ersatz anbieten kann, wenn er an irgendetwas nagt, das er nicht nicht benagen soll, wie z. B. Hausschuhe, Möbel etc. Gute Idee, dachte ich, wird gemacht. Beim nächsten Mal will ich ihr eine Alternative anbieten, aber wo sind denn alle die Spielzeuge hin? Versuchsweise hebe ich mal das Kissen (das beneidenswert weiche) in ihrem Korb hoch. Da finde ich 3 Kaustangen, 4 Bälle, einen Quietscheball, einen Gummiknochen und 4 Strickkauspielzeuge. Jackie ist also nicht nur ein Jäger, sondern auch ein Sammler … 😉 (Den Quietscheball „vergesse“ ich unten, wenn wir zu Bett gehen.)

Wenn Jackie gross oder klein macht, wird sie gelobt und bekommt einen Goody, also wenn sie es draussen macht!!! Sie mag aber das kalte Wetter nicht, besonders nicht den Sturm. Wer mag den schon? Sie will eigentlich nur wieder ins Haus. Sie versucht also sich zu halten, damit wir wieder reingehen, und dann kann sie im Warmen auf einen der Hundedecken pieseln oder häufeln. Das ist doch viel angenehmer. Besonders liebt sie es, auf meinen wunderschönen, dicken, weichen indischen Teppich im Esszimmer zu pieseln. Daher haben wir ihr fürs Erste den Zutritt versperrt. Die Hundedecken kann ich wenigsten ausspülen. Aber sie erledigt bereits 80 % ihrer Geschäfte draussen und nachts hält sie sich 6 Stunden. Das finde ich beeindruckend. Ich hatte mit mehr Schwierigkeiten gerechnet.

Zwischenzeitlich habe ich versucht ihr beizubringen zu kommen wenn ich ”Jackie kom” rufe. Das tut sie auch und bekommt dann einen Goody. Nun hat sie herausgefunden, dass sie sich damit leicht einen Goody verdienen kann. Sie bleibt also in 8 m Entfernung stehen, so lang ist die Leine, und guckt mich an, wartet darauf, dass ich sie rufe und kommt dann angaloppiert. Das Experiment haben wir erst einmal wieder gestoppt, denn dann hat sie noch weniger Grund, ihre Geschäfte zu erledigen, um Goodies zu bekommen. Das andere ist ja viel einfacher.

Für längere Spaziergänge haben wir ihr einen kleinen Deckmantel gekauft, denn sie friert schon sehr in diesem Wetter. Gestern waren wir zum ersten Mal im Wald mit ihr. Das war etwas gefääährlich und so viele fremde Gerüche, sie wusste gar nicht wo sie zuerst schnuppern sollte. An den ganz unwegsamen und matschigen Stellen hat mein Mann sie getragen. Aber sie war recht tapfer muss man sagen. Und sie hat keine Angst vor fremden Menschen. Solange wir dabei sind, ist das ja gut. Mein Mann hat neulich einen erwachsenen Hund mit ihr getroffen, aber da bestand gegenseitig kein grosses Interesse. In ein paar Wochen wollen wir mit ihr zum Welpentraining, damit sie ein wenig soziale Kontakte mit anderen Hunden lernt. Das Kennenlernen mit dem Foxterrier und dem Retriever von meiner hundeerfahrenen Freundin muss noch ein wenig warten, bis sie etwas älter ist.

Ab und zu flippt sie völlig aus. Rast durch das Haus wie ein Blitz und tobt in ihrem Korb herum, schlägt Purzelbäume in den Korb hinein und aus ihm heraus, wühlt sich unter ihr beneidenswert weiches Kissen und arrangiert ihre eingesammelten Spielzeuge um. Im nächsten Moment hängt sie dann wieder total abgeschlafft auf einem Schoss herum. Auf einen von uns kann sie für kurze Zeit verzichten, aber beide zusammen, dass müssen wir erst noch üben.

Heute habe ich versucht, sie zu bürsten, aber sie will lieber mit der Bürste spielen. Damit werde ich warten, bis sie im Koma-Zustand ist. Ausserdem wurde meine eigene Prachtmähne kurzgeschnitten. Mein Mann bekam lahme Arme. Irgendwie lag das an. Jackie lag dabei auf meinem Schoss und wurde ganz zugedeckt mit Haaren.

Heute waren wir kurz am Strand bei Hirtshals (ich liebe Hirtshals, und wir haben keinen der herumliegenden Samurai-Handschuhe aufgehoben) und Jackie wurde nass in der Nordsee (nur etwas). Das war nicht geplant, sie sollte nur mal die Pfötchen dippen, aber dann kam etwas mehr Wasser als geplant. Sie fiel fast um, machte aber überhaupt kein Theater. Tough little girl!

Das war’s erst einmal wieder, neue Fotos sind noch nicht. Ich habe einfach nur den Spaziergang genossen und nicht geknippst.

Foto des Monats, Dezember 2016/photo of the month, December 2016

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Nun steht es fest, im Februar wird das alte Gemäuer abgerissen, und zwar alle drei Längen … 😦

Diese Seite sieht ziemlich gefährlich aus. Vor ein paar Tagen sahen wir mal so richtig, auf wie wenig Mauer die Ostwand eigentlich steht. Der eine Pfeiler hat sich schon gelöst und der andere sieht sehr gebeugt aus. Mir gefällt nicht, dass der Heizöltank so dicht dran steht (der weisse Tank links). Mein Mann meint, dass das nur auf dem Bild so dicht aussieht, aber ich bin da nicht so sicher. Selbst wenn das Gebäude parallel zum Tank einstürzt, können Mauerbrocken und Dachplatten durch die Gegend fliegen.

Jedenfalls wissen wir, was wir im Januar zu tun haben: Stall ausräumen! Dort haben wir Gartenmöbel und anderes gelagert, und dann liegt da das ganze Holz, bereits gehacktes und Stämme etc.  Auch müssen wir die restlichen Kleinodien aus den anderen Längen retten. Ich habe schon einige Dinge beiseite geschafft, unter anderem alle die Milchkannen. Ich habe aber auch noch ein paar interessante andere Kleinigkeiten gefunden, zum Beispiel Ziegelelemene aus Glas.

In diesem Sinne, aus dem Alten aufersteht etwas Neues, ein gutes Neues Jahr 2017.

Ich heisse Jackie …

und bin ein Jack Russel Terrier, ganze 12 Wochen alt. Am 26.12 2016 holten meine neuen Besitzer mich ab. Auf der dreistündigen Autofahrt zu meinem neuen Heim sollte ich im Reisekorb liegen. Das gefiel mir gar nicht, denn ich wollte Körperkontakt, aber das war denen zu gefährlich im Auto. Fraule sass neben mir und versuchte, mich zu beruhigen, aber ich habe ganz schön geheult. Zum Schluss zog ich mich in die hinterste Ecke vom Korb zurück und schielte beleidigt auf Fraule. Lange hielt ich das nicht aus, denn dazu war ich zu neugierig. Langsam rutschte ich immer näher an Fraule heran. Zum Schluss durfte ich raus und dann verbrachte ich den Rest der Fahrt bei Fraule auf dem Schoss und war ganz brav.

Hier ein paar Bilder. Das erste hat Fraule ohne Blitz gemacht. Der Nebel, den Herrle in den Händen hat, bin ich, denn ich kann nicht richtig still sitzen.

 

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Die mit Blitz sind besser:

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Herrle ist Fraules und mein „alpha male“. Am schönsten ist es, wenn wir alle drei zusammen sind, aber inzwischen kann ich auf einen für kurze Zeit verzichten, denn ich kann dann ja den anderen belagern. Ich habe auch einen Korb mit einem enorm weichen Kissen, auf das Fraule ganz neidisch ist. Dort fühle ich mich sicher und ich schleppe alle meine Spielzeuge da mit hin.

Die letzten beiden Nächte habe ich mich 6 Stunden halten können und habe nicht auf den Boden gepieselt. Fraule und Herrle sind ganz stolz auf mich. Ich habe auch schon viele Male draussen meine Geschäfte erledigt, aber heute will ich nicht. Es ist viel zu kalt und stürmt und das Gras ist nass, pfui bäh, das bin ich gar nicht gewohnt.

Vorgestern war es besser, da waren wir im Garten und ich habe eine riesige Distel gefunden, mit der ich spielen konnte.

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Gestern war ich schon wieder im Auto unterwegs, und zwar in die Stadt, um für mich noch etwas einzukaufen. Dieses Mal musste ich im Reisekorb hinten im Auto fahren. Da habe ich etwas protestiert, aber nicht sehr lange. Es war aufregend draussen zu laufen, so viele Leute und Autos, aber ich hatte gar keine Angst. Fraule war wieder ganz stolz auf mich. Ganz viele Menschen haben mich angelächelt und einige wollten mich auch anfassen. Die junge Frau im Petshop war so nett und roch interessant nach Katze. Ich habe ganz viel Spielzeug und eine weiche Bürste für mein Fell bekommen.

Das war’s für heute, denn Fraule bekommt müde Arme vom Tippen, da sie über mich rübergreifen muss, um an die Tastatur zu kommen. Das stärkt die Armmuskeln!

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch in das Neue Jahr!