Meine Schottlandreise 1973 (Teil 3)

TEIL 3, Aberfoyle-Trossachs-Loch Achrey- Loch Venachar-Callender-Fort William- Alltsaigh-Inverness-Elgin (noch keine Bilder, sorry)

 

  1. Juli 1973 (Donnerstag)

Am nächsten Tag geht alles sehr schnell. Ein Schotte nimmt uns mit nach Aberfoyle. Unterwegs überholen wir noch die beiden jungen Schotten aus der Jugendherberge (die Schüchternen), die früher aufgebrochen sind als wir.

Die Strasse, die zu den Trossachs führt, ein Nationalpark und unser nächstes Ziel, ist wieder einmal sehr steil, natürlich nach oben. Das Schild, das uns mitteilt, dass wir uns auf dem Privatgebiet der englischen Königin bewegen, gibt uns keine Erleichterung. Gerade als wir endlich oben auf dem Hügel ankommen, hält ein englisches Ehepaar an, um uns mitzunehmen. Diverse Umräumungen sind nötig. Hundchen kommt auf den Schoss, und dann geht’s los. Der Mann war während des Krieges sechs Jahre auf den Orkney-Inseln stationiert. Er hatte sich geschworen, nie wieder nach Schottland zurückzukommen. Nun ist er doch da und bereut, es nicht schon früher getan zu haben.

Sie liefern uns um 9.30 Uhr in der Jugendherberge Trossachs ab. Dort treffen wir zwei Engländer aus Loch Ard wieder, die sich nur wundern, wie schnell wir von dort rübergekommen sind. ”Ihr habt den Rekord gebrochen!” sagt der eine. Da wir so gut in der Zeit liegen, beschliessen wir, nach Loch Kathrine zu wandern. Ich hege romantische Erwartungen, denke an ’The Lady of the Lake’ und dergleichen. Aber Seltsames erwartet uns dort: Zuerst ein riesiger Parkplatz, mit Autos übersät; Susi und ich blicken uns an: Was ist denn hier los? Volksfest? Doch dann begreifen wir: Touristenattraktion. Loch Kathrine ist jetzt die Wasserversorgung von Glasgow, daher hat man das ganze einstmals schöne Loch fein säuberlich eingezäunt und mit einer asphaltierten Strasse umgeben. Auf der wandern die Heerscharen der Touristen zu dem Stein, der verkündet, dass Prinzessin Margaret irgendetwas Verdienstvolles getan hat, verharren einen Moment in heiligem Schweigen und gehen dann zurück, um entweder im Restaurant zu essen oder um Andenken zu kaufen. Ich bin völlig verstört, und dann auch noch so viele Deutsche hier. Wir sind ja nicht nach Schottland gekommen, um Deutsche zu treffen!

Susi und ich ergreifen die Flucht und gehen einen See weiter, Loch Achray, unaussprechlich der Name, doch es ist schön hier. Es ist nur ein sehr kleines Loch und natürlich ist weit und breit ausser uns kein Tourist zu sehen. Wir setzen uns auf eine Bank vor einer alten Kirche und geniessen die Umgebung. Nach einer Weile gehen wir weiter den See entlang und landen schliesslich in einem Ort namens Brig o’Turk. Dort setzen wir uns in den Tearoom, denn es fängt an zu regnen. Erst bestellen wir bescheiden Tee und Sandwiches. Nach fünf geschriebenen Postkarten regnet es aber immer noch. Wir bestellen also auch noch einen High Tea und schwelgen in Lebensmitteln: erst etwas Warmes mit Eiern und Pommes Frites und dann Kuchen und noch mehr Sandwiches, die kleinen dreieckigen. Alles in Allem ein schöner, friedlicher Tag. Das kann man vom morgigen nicht sagen, aber morgen ist auch Freitag der dreizehnte.

 

  1. Juli 1973 (Freitag)

Singend gehen wir am nächsten Morgen auf der Landstrasse. Loch Venachar ist wunderschön, und das Wetter ist es auch. Ein Franzose nimmt uns mit bis nach Callender, nicht sehr weit, aber besser als laufen. Eine Weile müssen wir danach dann doch noch gehen, bis wir einen idealen Trampplatz entdecken, einen Parkplatz. Seltsamerweise stehen dort zwei Schotten in Kilt gekleidet und mit Dudelsäcken und spielen hier ganz mutterseelenallein in der Landschaft ’Amazing Grace’. Wir grüssen höflich ’Guten Morgen’ und stellen uns einige Meter von ihnen entfernt auf. Doch oh Schreck in der Morgenstunde: Es nahen drei Busse, die gegenüber vom Parkplatz anhalten, und drei Busladungen erregter Engländer ergiessen sich mit gezückten Kameras auf die Strasse und blockieren den Verkehr, was sie jedoch nicht zu stören scheint. Im Nu sind wir umzingelt. Aber das eigentliche Interesse gilt natürlich den beiden Schotten. Wir greifen unser Gepäck und flüchten an die andere Ecke des Parkplatzes. Als die Horde sich wieder den Bussen zuwendet, ernten Susi und ich einige neugierige Blicke: Zwei echte Tramper auf freier Wildbahn! Dann ist der Spuk, der nur ca. drei Minuten gedauert hat, vorbei.

Dann sammeln uns zwei Schotten auf. Zuerst erscheinen sie uns ein wenig suspekt, aber sie entpuppen sich als sehr nett. Wir erzählen ihnen von dem Vorfall mit den Bussen. Ihr Kommentar: ”Die spinnen, die Engländer!” Sie nehmen uns bis Strathyre mit, von wo aus wir bei einem alten Camper bis zur Kreuzung Killin-Crianlarich mitfahren können. Er versucht hartnäckig, uns dazu zu bewegen mit nach Killin zu kommen, wo es doch so schön ist! Aber wir haben einen Zeitplan und können uns nicht allzu viele Umwege oder Verzögerungen erlauben. Von der Kreuzung kommen wir mit zwei weiteren Schotten bis nach Crianlarich mit und von dort noch einmal mit einem Schotten ganz bis zur Kreuzung Oban-Fort William. Nach längerem Warten nimmt uns schliesslich ein englischer Fotograf mit nach Fort William. Dort umwogt uns sogleich das wilde Treiben der Zivilisation. Aber erst einmal brauchen wir Sandwiches! Zur Jugendherberge müssen wir dann noch fast drei Kilometer laufen. Das ist ja für uns inzwischen ein Klacks, aber es regnet ziemlich ekelhaft. Die Jugendherberge liegt mitten in einer Schlucht umgeben von imposanten Bergen. Die Wolken hängen fast auf dem Boden, und es ist dementsprechend extra feucht. Es ist nett dort, aber ungewöhnlich rummelig. Es ist eine grosse Herberge. Mich nervt der Betrieb etwas nach einer Woche Landleben.

Das Publikum ist sehr international, Schweiz, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Dänemark und sehr stark Deutschland. Der Regen zwingt einige Camper in die Jugendherberge. Wir treffen zwei Hamburger, die sich mit ihrem Zelt auf einmal mitten im Bach befunden haben. Das Wasser ist so schnell angestiegen, dass nicht einmal alle ihr Zelte retten konnten. Während wir zu Abend essen hören wir einen Hubschrauber. Wir treffen auch alte Bekannte wieder. Zum Einen den deutschen Engländer von Loch Ard, der mit dem schrecklichen Akzent, und ein Pärchen, das wir bereits in den Trossachs getroffen haben. Sie ist Schottin und er Däne. Die beiden haben sich in Wien kennengelernt und sprechen österreichisches Deutsch mit ihrem jeweiligen Akzent. Das klingt sehr charmant. Der Däne versucht, mit uns anzubändeln. Er scheint seiner schottischen Gefährtin überdrüssig zu sein. Schade, denn sie ist wirklich sehr nett, und wir gehen natürlich nicht auf ihn ein. Blöder Typ. Die beiden Hamburger bemerken es auch und gucken verwundert.

 

  1. Juli 1973 (Sonnabend)

Am nächsten Morgen hören wir, dass ein Unfall in Glen Nevis passiert ist, daher der Hubschrauber. Jemand ist nicht so glimpflich davongekommen, wie die beiden Hamburger.

Wir verbringen den Tag in Fort William und Umgebung. Fort William selbst ist sehr touristisch. Andenkenläden, Tartan-Läden und Tearooms wechseln einander ab. Alle wollen natürlich in die Schaufenster gucken, was einige Einheimische verärgert, denn hier geht man schliesslich links. Ich weiss nicht mehr, was wir dort eigentlich gemacht haben. Wahrscheinlich haben wir Sandwiches gegessen … Wir sind jedenfalls nicht in die Berge gegangen, deren höchster Ben Nevis ist, der höchste Berg nicht nur Schottlands, sondern auch Grossbritanniens.

 

  1. Juli 1973 (Sonntag!!!)

Bei herrlichstem Sonnenschein versuchen wir von Fort William wegzukommen. Nach langem, geduldigen Warten, und nachdem ich wieder einmal versucht habe, ein Polizeiauto anzuhalten, nehmen uns zwei Jungs aus Glasgow mit nach Spean Bridge. (Ich bin kurzsichtig, aber eitel. Daher habe ich während der letzten Tage bereits eine Ambulanz, ein Müllauto und andere Vehikel anzuhalten versucht, und Susi hat mich angefleht, doch bitte meine Brille aufzusetzen.) Ihr Gebrabbel ist fast nicht zu verstehen; Glaswegian ist wirklich schrecklich und nur ganz entfernt mit Englisch verwandt.

Spean Bridge scheint ein Tramper-Paradies zu sein. Jedenfalls können sich die vier bereits vorhandenen kaum von diesem Ort trennen. Susi und ich schultern unser Gepäck und bewegen uns 50 Meter weiter bis zu einem Parkplatz voller Autos. Aber wir haben natürlich vergessen, dass Sonntag ist. Niemand hat Platz für uns, weil alle ihre Autos mit wertlosem Trödel vollgestopft haben.

So stehen wir eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden (das eine Tramper-Pärchen gibt auf und nimmt den nächsten Bus), vier Stunden. Einer der Rest-Tramper kommt zu uns rüber. Er ist Schotte aus Glasgow und hat Schulferien. Mit ihm stehen wir die fünfte Stunde. Ich unterhalte mich angeregt mit ihm, verstehe aber nur einen Bruchteil von dem, was er erzählt. Er ist sehr nett und freundlich. Nach jedem zweiten Wort sagt er ’you know’. Er erzählt uns endlose Geschichten von irgendeinem Amerikaner, aber ich verstehe leider nicht, worum es geht. Vielleicht ist das mit dem Amerikaner auch schon falsch verstanden. Nur eines verstehen wir: Er hat letzte Nacht im Freien übernachtet, irgendwo bei einer Kirche, und es hat fürchterlich geregnet. ”Ich muss ja einen schrecklichen Slang sprechen, wenn ihr mich nicht versteht!” sagt er bedrückt. Sein Gepäck besteht aus einer Angel und einem Beutel, der so gut wie leer aussieht, nachdem er ihm eine Zeitung entnommen hat. ”Ich versuche, nach Skye zu kommen, zum Fischen, you know!” Wir wünschen ihm viel Glück. Natürlich kommt er vor uns weg, allein und mit dem Minigepäck.

Wir müssen uns einige schadenfrohe Blicke und dumme Bemerkungen von Autofahrern gefallen lassen, die auf Spean Bridge anhalten, um im Angesicht eines Soldaten-Denkmals zu futtern. Die ganz Aktiven pilgern die 50 Meter vom Parkplatz zum Denkmal und lassen sich dort auf die Platte bannen. Man soll von dort auch einen guten Ausbslick auf den Ben Nevis haben, aber wir finden nicht heraus, welcher von den vielen Bergen es nun ist. Keiner von den Leuten, die wir fragen, weiss es.

Viele, viele Touristenbusse können wir beobachten. Mit zweien wollen wir uns näher beschäftigen. In dem einen wird eine Ansprache auf Englisch und Deutsch gehalten. Das lässt uns aufmerken. Und da kommen sie, die Touristen mit ihrem leeren Glotzblick, den sie auf zwei arme, verzweifelte Tramper heften und sich nur von der Anwesenheit des Denkmals ablenken lassen.

Dann noch ein Bus, voller Schotten: Ein älter Herr erklärt uns, dass heute ein schlechter Tag zum Trampen sei, weil Sonntag, aber dass uns schon jemand mitnehmen wird und ”good luck”. Neben mir steht ein sprachbehinderter junger Mann. Er zeigt auf jedes neu ankommende Auto, sicher, dass es halten und uns mitnehmen wird, bitter enttäuscht, dass es nicht geschieht.

Schliesslich nimmt uns doch ein englisches Ehepaar mit nach Invergarry. Unterwegs sehen wir noch unseren Angler aus Glasgow, der erneut den Daumen raushält.

In Invergarry treffen wir auf eine wahre Horde von Trampern, ein Franzose; 3 Mädchen, die schon 7 Stunden hier stehen; ein Pärchen und noch ein Junge. Wir ergreifen wieder einmal die Flucht. Auf der Landstrasse treffen wir noch ein Pärchen. Das Mädchen heisst Linda und kommt aus Glasgow. Linda sagt uns einen Bus voraus, der auch tatsächlich kommt. Ich kann beobachten, warum die schottischen Streichhölzer so kräftig gebaut sind: man muss sie am Asphalt anreissen, nicht an der Schachtel! Das Wetter ist so schön wie selten. Wir nehmen aber trotz und alledem den Bus. Jetzt ist es genug mit dem Beine in den Bauch stehen. Zum ersten Mal geniessen wir Schottland vom Bus aus. Wir passieren Fort Augustus, das ganz nett aussieht und enden in der Jugendherberge in Invermoriston, das aus einer Kirche, einem Laden, einem Hotel, einer Tankstelle, die gleichzeitig als Post figuriert und dann eben der Jugendherberge namens Alltsaigh besteht. Letztere ist sehr schön gelegen, direkt am Loch Ness mit Kiesstrand. Das Wasser spült dicht am Haus an Land. Leider ist sie eine Herberge der Klasse ’simple’, das bedeutet kein warmes Wasser zum Duschen.

Aber noch schlimmer: 75% der Wanderer sind Deutsche, und was für welche! Eine riesige Gruppe, fünf Jungen, 3 Mädchen und ein Betreuerehepaar. (Das ist eine grosse Gruppe für eine kleine Jugendherberge.) Die Gruppenmama belegt sämtliche Kocher mit ihren Kartoffelpuffern, die nachher doch kalt werden, weil niemand zum Essen kommt. Einem Engländer entreisst sie ein Besteck mit den Worten ”alles privat, alles privat”.

Dann noch ein Ehepaar mit einem Kind, das so richtig ungezogen und impertinent ist und die anderen Leute belästigt. Neben uns sitzen zwei deutsche Jungs, die nur über alles und jedes meckern. Meine Güte, bin ich genervt. Ich verziehe mich ans Loch. Dort sitzen noch drei Deutsche, ein ewig knutschendes Pärchen und die Freundin des Mädchens. Ich schlage mich in die Büsche. Man kann auf dem Kiesstreifen am Loch entlanggehen bis zur Brücke. Später legen Susi und ich uns auf den Kies in die Sonne und träumen. Abends treffen noch die Bonner ein, die wir schon in London getroffen haben, und noch zwei Mädchen, die auf den Orkneys gewesen sind.

 

  1. Juli 1973 (Montag)

Am Montag wandern Susi und ich nach Invermoriston, um mal wieder einzukaufen. Unterwegs begegnet uns ein alter Mann, den wir schon am Vortag gesehen haben. Er scheint Schottland zu Fuss zu durchwandern, nur mit einem kleinen Beutelchen als Gepäck. Wir erstehen erst einmal Apfelgelee und Brötchen, schauen uns dann die Royal Church of Scotland an und gehen danach ins Hotel zum Tee. Wir bestellen jeder zwei Sandwichpakete (= 4 Dreiecke). ”Sie müssen sehr hungrig sein”, kommentiert die Bedienung. Nach dieser ausgiebigen Mahlzeit beschliessen wir, uns ein wenig zu bewegen. Der erste Halt findet auf einer Brücke statt. Und ich habe meinen Fotoapparat nicht dabei, so ein Mist! Etwas weiter liegt eine Bungalowsiedlung für Touristen. Nichts wie weg! Susi will unbedingt noch den alten Friedhof von Invermoriston besichtigen. In der Tankstelle fragen wir nach einem Weg durch den Wald, denn es ist ein sehr schöner Wald: Zwei Meter steiler Fels über der Strasse, darüber Fichtenwald. Der Tankwart spricht Deutsch, aber einen Weg gibt es nicht. Schade, denn so ganz ohne Weg, nicht mal einem klitzekleinen, ich weiss nicht, in Schottland verläuft man sich zu leicht.

Von der Bungalowsiedlung aus habe ich Wohnhäuser am Berg gesehen. Welch ein Leben: viel Wald, viel Berg, ein Haus, aber keine Wege! Gib mir so ein Leben!

Auf dem Rückweg schlagen wir uns einmal rechts in die Büsche, dann links den Berg hinauf. Da sitzen wir zwei Meter über der Strasse und es wird uns ein bisschen schwindelig. Ich habe Gelegenheit zu beobachten, dass die schottischen Fliegen genauso langsam sind, wie die schwedischen, dass muss an der Luftfeuchtigkeit liegen.

In der Herberge erwartet uns wieder die deutsche Invasion. Susi und ich sind beide etwas melancholisch. Wir beschliessen, am nächsten Tag mit dem Bus nach Inverness zu fahren, damit wir früh genug ankommen, um unser Gepäck abzustellen. Um elf Uhr kommen noch zwei deutsche Mädchen in unser Zimmer, eine aus Berlin und eine aus Dortmund. Die aus Berlin geht mir ziemlich auf den Keks, besonders als sie uns erklärt, wie man trampt. Gute Nacht! – Dann kommt die Wanzenpanik: Ich habe zwei kleine schwarze Punkte am Oberkörper, die sich als stichhaltige, hart gepanzerte Insekten erweisen (Zecken). Wahrscheinlich habe ich sie mir auf der Holzfällerwiese (rechts in den Büschen) eingefangen, denn sie sitzen auf dem Bauch (ich trage kein Unterhemd) und am Bein, genau an der Stelle, wo meine Hose eingerissen ist.

 

  1. Juli 1973 (Dienstag)

Der Weg nach Inverness ist schön. Man trifft viele urschottische Namen, z. B. Drumnadrochit. Inverness empfängt uns mit einem Grauschleier und Nieselregen. Mein erster Eindruck ist: alt und eng und romantisch; und das ist es. Nur die Brücken über den Fluss sind neu. An jedem Laternenpfahl und an den Tankstellen hängen Blumentöpfe. Auf der Hauptstrasse kämpfen Verkehrs polizisten mit Autos und Fussgängerschwärmen. Das Schloss sieht relativ neu aus. Von dort schiesse ich ein schönes Bild auf die alten Häuser. [Seltsamerweise muss in dem Moment die Sonne geschienen haben, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann.] In der Jugendherberge stellen wir unser Gepäck in eine Abstellkammer und versuchen, Inverness zu entdecken. Es ist leider bedeckt mit Touristen, wir können es nicht ausgraben. Ins Museum gehen wir, wo ich zum ersten Mal Bücher mit gälischen Gespenstergeschichten sehe. Ich versuche später, die Bücher als Taschenbücher zu bekommen, aber ausserhalb des Museums ist nicht einmal die Verfasserin (Sorche Nic Leodhas) bekannt.

Als wir um zwei Uhr wieder zur Jugendherberge kommen, stockt uns der Atem. Der gesamte Vorplatz ist mit jungen Leuten überfüllt, wie bei einem open-air Festival. Wieder einmal flüchten wir und beschliessen weiter zu trampen bis nach Elgin, der nächsten Station unserer Reise. So haben wir denn Gelegenheit, Inverness noch ausführlicher und mit dem Rucksack auf dem Rücken kennenzulernen. Am ersten Kreisverkehr ausserhalb der Stadt, bei einer Tankstelle, bauen wir uns auf und gehen vorsichtshalber jeder noch einmal für Damen. Ich stehe wartend an der Ausfahrt, Susi ist noch nicht wieder da, als ein dunkelblauer Kombi anhält, um uns mitzunehmen. Das Schönste: jener Menschenfreund stammt aus Elgin!

Wir wagen uns in sein Abenteuerauto, das hauptsächlich mit Zeitungspapier sowie leeren und vollen Limonadenflaschen beladen ist. Der Fahrer stellt sich als Experte im Trampen heraus! Als er noch jung war, ist er durch ganz Europa und Australien getrampt, mit keinem Gepäck ausser dem, was er auf dem Leibe trug und einem kleinen Beutelchen für Seife und Essen. Das scheint eine speziell schottische Reiseart zu sein. Er ist jetzt bereits der dritte dieser Art, den wir treffen, erst der Angler aus Glasgow, dann der alte Wanderer und jetzt er. Er empfiehlt uns, nur einmal am Tag zu essen, denn das sei besser für den Magen. Und dann haben wir ja für sein Empfinden viel zu viel Gepäck dabei: ”Ihr schleppt zu viel Kram mit euch rum. Ihr versaut euch eure Ferien. Ihr bringt euch um!” – Er ist sehr besorgt um uns und gibt uns noch weitere gute Ratschläge: ”Kauft billig und dann SCHMEISST es weg!” – Ausserdem erfahren wir, dass man als Mädchen nicht in Italien, Frankreich und Australien trampen sollte, während es sonst überall ungefährlich sei, besonders in Schottland. ”In Schottland ist es sogar für ein Mädchen alleine völlig sicher.” – Die Gegend um London bezeichnet er als zweifelhaft. ”Zu viele Touristen.” – Engländer sind für ihn allerdings auch Touristen, zumindest auf schottischem Boden. ”Und ich nehme keine langhaarigen Jungs mit. Langhaarige sind Säufer!” – Wir können ihn nicht davon überzeugen, dass es auch anständige langhaarige Jungs gibt. Als wir in Elgin einfahren zeigt er uns sein Haus, dass er selbst gebaut hat und dann fährt er uns sogar noch zur Jugendherberge.

Der Warden bekommt fast eine Herzattacke, als wir sagen, dass wir zwei Nächte bleiben wollen. ”Niemand bleibt mehr als eine Nacht in Elgin!” – Doch, wir. Wir haben uns nämlich vorgenommen, einen Tag an die Küste zu gehen, da Susi Sehnsucht nach dem Meer hat. Das machen wir dann auch am folgenden Tag, aber erst durchzuckt uns noch ein Schreck. Meine Tragetasche ist weg und mit ihr Susis Fotoapparat und meine neuen Schuhe aus Inverness. Im Auto liegengelassen, so war es. ”Wat’n Glück, dass der Mac uns sein Haus gezeigt hat.” – Wir machen uns also auf den Weg zu unserem Wohltäter und bekommen auch gleich die Gelegenheit, uns Neu-Elgin anzuschauen. Wir passieren eine Horde junger Bauarbeiter, die auch sofort anfangen zu gröhlen: ”Hallo, Mädels, schenkt mir ein Lächeln, nur ein Lächeln!” – ”Kommt her, ich bin ein sehr netter Junge!” – Sie rufen noch, als sie uns schon gar nicht mehr sehen können.

Leider ist niemand zuhause, als wir ankommen, obwohl sämtliche Türen offen stehen. So setzen wir und auf die Gartenmauer und warten geduldig. Nach zehn Minuten kommt er schon angefahren mit Söhnchen. ”Der Warden muss mich kennen, er hat euch den Weg gezeigt.” – Aber nicht doch; er hat uns doch selber sein Haus gezeigt. Der Warden hat ihn doch gar nicht zu Gesicht bekommen. Wir sagen ihm das aber nicht, wozu?

Dann gehen wir zurück, um eine Tasche reicher und essen aus Erleichterung erst einmal einen Apfel. ”Mensch Birgit, wenn wir jetzt wieder da vorbeikommen und dann noch mit Tasche!” Und richtig, lautes Gelächter von der Baustelle. ”You must be very hungry!” – Irgendwie machen wir auf Schotten immer den Eindruck, sehr hungrig zu sein.

Als wir wieder zur Jugendherberge kommen, machen wir uns erst einmal etwas zu Essen. Der Warden hockt von morgens bis abends in seinem Glaskabuff und klimpert auf seiner Gitarre. In unserem Zimmer schlafen noch vier Mädchen von irgendeiner religiösen Gemeinschaft und zwei andere, die zu einer Grossfamilie gehören. Als sie sehen, dass wir uns nackt waschen, haben sie Gesprächsstoff für die halbe Nacht. Die andere Hälfte ist mit Gesprächen über Jungs ausgefüllt. Offensichtlich haben sie nicht mitbekommen, dass wir Englisch verstehen. Sie selber waschen sich in Rollkragenpullovern und ziehen sich unter ihren Maxinachthemden um. Nun ja, jeder auf seine Art.

(Forstsetzung folgt)

Ich bin die nächsten 5 Tage offline, falls ihr euch vernachlässigt fühlen solltet … 😉

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Meine Schottlandreise 1973 (Teil 2)

TEIL 2, Rowardennon (Loch Lomond)-Loch Ard-Aberfoyle-Brig o’Turk-Loch Ard

 

  1. Juli 1973

Am Sonntag stehen wir früh auf, weil wir zum Loch Lomond wollen. Wir gehen eine kurze Strecke durch die Stadt bis zur Great Western Road. Dort fragen wir einen älteren Herrn, ob, wann und von wo ein Bus aus der Stadt heraus fahre. Der Bus Nummer 20 tut Selbiges und das auch sonntags. ”Aber es kann sein, dass sie eine halbe Stunde warten müssen.” – Besser eine halbe Stunde warten, als zu Fuss zu gehen. Wie ich uns kenne bekommen wir noch genügend Gelegenheit dazu. Der Bus kommt bereits nach 10 Minuten und bringt uns zum nächsten Kreisverkehr. Wir stehen kaum fünf Minuten, da rauscht ein junger Mann mit rotem Sportwagen heran, mit einem Bild von Snoopy auf der Seitentür. Er ist passionierter Charlie Brown Fan und bring uns bis zum nächsten Ort namens Dumbarton, wo er uns noch die richtige Strasse nach Loch Lomond zeigt. Von dort nimmt uns ein Pastor mit bis zum nächsten Ort, der Bonhill heisst. Er erzählt uns, dass er viel reist. Am besten gefällt ihm Griechenland als Reiseland.

In Bonhill stehen noch zwei Mädchen und versuchen zu trampen. Wir gehen deshalb weiter um die nächste Kurve herum. Pech nur, dass so wenig Verkehr ist! Nach einer Weile sehen wir einen alten Mann, der uns zuwinkt. Wir verstehen aber nicht, was er will und gehen ihm deshalb entgegen. ”Sie müssen den Hügel raufgehen. Da stehen Sie besser!” Wir danken ihm und folgen seinem Rat. Er hat Recht. Kurz vor dem Hügel mündet eine Seitenstrasse in ’unsere’, und von dort kommen eine Menge Autos. Der Mann ist eine ganze Strecke gegangen, nur um uns das mitzuteilen! Ich muss sagen, man hat uns bisher wirklich supergut behandelt! Alle sind zuvorkommend und hilfsbereit.

Oben auf dem Hügel brauchen wir nicht lange zu warten, da nimmt uns ein junger Mann bis zum nächsten Ort mit, Drymen. Das ist so ein winziger Ort, dass ich überzeugt bin, wir müssen den Rest des Weges zur Jugendherberge am Loch Lomond laufen. Aber nein, ein Mann mit Kind erbarmt sich unser. Er will eigentlich nur bis zum nächsten Ort, Balmaha, bringt uns aber bis zum Ende der Strasse, bis kurz vor die Jugendherberge. Wir sind also ziemlich gut vorangekommen. Es ist erst zwölf Uhr mittags und wir sind bereits in Rowardennan am wunderschönen Loch Lomond. Ich wundere mich nur, denn Sonntag ist normalerweise ein schlechter Tag für Tramper. Sonntag ist Familienausflugtag und die meisten Autos sind mit Wochenendgepäck, Kindern, Hunden und sonstigen Familienmitgliedern vollgepackt. Theoretisch hätten wir unterwegs irgendwo stranden müssen. Es erklärt jedenfalls die kurzen Lifts von heute. Die Leute fahren nur eben ins nächste Dorf zu Besuch.

Wir entledigen uns der Rucksäcke und setzen uns auf die Wiese vor der Jugendherberge. Einige Meter weiter weg sitzen drei Jungs, von denen der eine indonesisch aussieht. Nach längerem Lauschen stellen wir fest, dass es sich um Holländer handelt. Ein etwas jüngerer Knabe entpuppt sich als Schotte. Sein Name ist Ricky. Er bezeichnet sich selbst als ’tricky Ricky’. Ricky spricht viele Sprachen oberflächlich und kann auf Deutsch und Französisch zählen und ’Halt den Mund’ sagen. Zu unserer Unterhaltung gibt er einen gälischen Zungenbrecher zum Besten, der hauptsächlich aus Lauten wie ’bacharach’ und Ähnlichem besteht. Die drei Holländer sind sehr nett. Coe ist Holländer indonesischer Abstammung, Albert spricht ein witziges Gemisch aus Deutsch und Holländisch, Leivi spricht leider weder Englisch noch Deutsch. Bis zum Öffnen der Jugendherberge sind noch vier Stunden Zeit, die wir in angeregtem Gespräch verbringen. Die Holländer sind mit 15 Jungen in Rowardennon. Zurzeit ist das Gros der Gruppe jedoch beim Paddeln. Das ist ein Glück, denn zum grossen Teil stellen sie sich als ziemlich primitive Typen heraus. Gleichaltrige Jungen sind eben doch nicht so reif wie wir Mädchen. Besonders mit dem einen, genannt ’der Kleine’, haben wir viel Ärger, speziell wenn er besoffen ist. Unglücklicherweise scheint er eine Vorliebe für mich zu hegen, aus ziemlich eindeutigen Gründen übrigens, es ist nicht schmeichelhaft! Ausserdem gönnt er Albert, der sowieso ein Aussenseiter in der Gruppe ist, nicht, dass wir uns so gut mit ihm verstehen. Die Jungen können sich nicht vorstellen, dass wir drei einfach nur als Kameraden zusammen sind.

 

  1. Juli 1973

Am nächsten Tag hat Albert Geburtstag. Nach dem Frühstück gehen wir zu dritt etwas in Richtung Ben Lomond (etwa eine halbe Stunde, zu mehr reicht es nicht). Da liegen wir dann in der Sonne, fressen uns mit Süssigkeiten voll und tanzen sowohl Tango als auch Wiener Walzer. Schliesslich lädt Albert uns in den Pub zum Tee ein. Der Pub in Rowardennan sieht schon von aussen ziemlich bruchbudig aus, und drinnen bestätigt sich dieser Eindruck: Ein grosser Raum, vollgestopft mit Stühlen, winzigen Tischen und einer kleinen, klapperigen Bühne. Trotz dieses wenig anheimelnden Äusseren ist die Atmosphäre unwahrscheinlich gut. Das liegt an den Leuten.

Am Nachmittag kommen Susi und Albert auf die Wahnsinnsidee, im Loch Lomond zu baden. Ich ziehe es vor, mich auf einen Felsen zu setzen und zuzusehen. Abends veranstalten wir ein geistiges break-down. Wir stellen und alle auf einen grossen Stein und versuchen, uns gegenseitig runterzuschubsen.

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Es geht natürlich nicht ohne Tote und Verletzte ab. Von den Steinen, die Susi und Albert mit wachsender Begeisterung ins Wasser ditschen, ist Loch Lomonds Wasserspiegel garantiert um einen Meter gestiegen. Dann beschliessen wir, besoffen zu spielen, so dass die anderen Jungen denken müssen, wir hätten eine Orgie gefeiert. Wir geben unser Bestes. Es muss ein erhebender Anblick sein, besonders als ich mit einem Wäschepfahl Speerwerfen betreibe und Susi und Albert einander umarmend aus dem Wald getorkelt kommen. Alberts Bekanntschaft ist auch für unsere Sprachkenntnisse sehr nützlich. So lernen wir denn so wertvolle Idiome wie ’Chottverdomme’.

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Hier noch zwei Bilder vom Loch Lomond ohne Albert:

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[Mit Albert hatte ich noch lange Kontakt. Ich habe ihn und seinen Lebenspartner sogar einmal mit zwei anderen Freundinnen in Holland besucht. Aber das ist eine andere Geschichte. Danach ist der Kontakt irgendwie eingeschlafen.]

 

  1. Juli 1973

Am Dienstag brechen die Holländer schon um fünf Uhr morgens auf. Susi und ich haben uns vorgenommen 12 Kilometer zu Fuss nach Kinlochard zu wandern. So ein bisschen klettern. Margaret McNeill und ihre beiden Töchter Heather und Janet kommen mit uns. Wir haben uns ein wenig angefreundet. Heather ist eine kleine keltische Schönheit mit schwarzen langen Haaren, heller Haut und riesigen dunkelblauen Augen. Janet ist die Ältere, hat rötliche Haare, ist aber auch hübsch und mit ihren 10 Jahren bereits an Jungen interessiert, sehr zum Kummer ihrer Mutter.

So machen sich dann fünf verweichlichte Touristen auf den Weg, zwei von ihnen mit einem Wahnsinnsgepäck beladen. Als wir an die Stelle kommen, wo wir am Vortag mit Albert waren, hängt Susi und mir bereits die Zunge aus dem Hals. Nach einer Stunde hört die Andeutung von einem Weg auf und wir bewegen uns auf einem Geröllrutsch. Und es geht aufwärts, aufwärts, aufwärts. Zweimal begegnen wir einer blauen Marke, die uns die Richtung zeigen soll. Als wir in die tiefliegenden Wolken kommen, wird es feucht. Die Kinder frieren in ihren kurzen Hosen und ziehen lange an. An Janets Sandale ist ein Riemen gerissen, und die weissen Kniestrümpfe sehen bereits recht angegriffen aus. Margaret wandert auf Holzlatschen, nur vorne von einem Riemen gehalten. Wie macht sie das nur bei der vorherrschenden Aufwärtsrichtung?

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Wir passieren noch eine Marke. ”Ist die blau?” fragt Susi, ”mir erscheint sie mehr wie Rost pur!” Nun denn, wir marschieren weiter und rasten an der feuchtesten Stelle, die wir finden können. Dort steht ein typisch schottischer Wegweiser: drei Schilder und alle abgebrochen. Es ist jeweils nur der Anfangsbuchstabe übriggeblieben; das genügt im Grunde auch. In Richtung Loch Ard ist alles mögliche, aber kein Weg. Hauptsächlich sehe ich Moos. Ich sondiere das Terrain und finde diverse verrostete Blechdosen: ”Hier ist mal jemand langgegangen!” rufe ich freudig aus. ”Fragt sich nur, wann das war und ob die Leute überlebt haben!” So Susis Bemerkung. Ein Einheimischer, der laut Susi ’zufällig vorbeikommt’ (auf dem Ben Lomond, inmitten einer dicken Wolke, klar, dass da Leute zufällig vorbeikommen), bestätigt uns in der Annahme, dass wir in die Richtung gehen müssen. ”Sie müssen versuchen gerade zu gehen, sonst kommen Sie an die steile Seite, dort ist es gefährlich. Dann gehen Sie runter an der Aufforstung vorbei und an den Fluss. Der führt Sie dann nach Loch Ard.” Kristallklar!

Wir machen uns also wieder auf den Weg. Wir hätten genauso gut durch einen Bach waten können, so nass ist es. Die Schafe, die überall herumhoppeln, blöken uns an. Wir laben uns an einer Quelle. So herrliches Wasser habe ich noch nie getrunken! Wir schleppen uns noch über zwei Hügel, als wir den Fluss sichten. Ganz tief unter uns. Wir sind nämlich zielstrebig an die steile Seite gelangt. Da ist kein Runterkommen. Es ist so rutschig, dass wir alle Augenblicke auf dem Hintern liegen. Heather fängt an zu weinen; Margaret verliert die Nerven; Janet ist zäh. Und wir? Wir bewegen uns einfach weiter, denn hier können wir nicht bleiben. Wir krabbeln oben auf dem Kamm entlang, bis wir an eine flachere Stelle kommen. Von dem Fluss trennt uns nur noch ein zwei Meter hoher Drahtzaun und die dahinter liegende Aufforstung.

Wir klettern also hinüber. Erst Margaret, dann die Kinder, Susi, das Gepäck und dann ich. Unser Weg führt uns direkt durch die neu angepflanzten Bäume. Also, ein Weg ist da nicht, wir bewegen uns eben in Richtung Fluss. Unser Marschrhythmus ist: ein Schritt, ein Sprung; ein Schritt, ein Sprung; jeder Sprung geht über einen Entwässerungsgraben. Und das alles mit diesem Gepäck! Am Ende fühlen wir die Rucksäcke nicht mehr und bewegen uns nur noch mechanisch vorwärts, Gedanken ausgeschaltet. Mir ist alles egal. Am liebsten möchte ich mich in den Sumpf fallen lassen, um zu schlafen. Wir rasten an einem grossen Felsen. Margaret seufzt: ”Wir haben uns verirrt, total verlaufen!” Gerade in dem Moment erblicken Susis Adleraugen einen breiten Weg! Wir eilen dorthin, so schnell wir nun können, und treffen auf ein Weltwunder: ein echter Wegweiser mit allen Schildern noch intakt. Weiter unten sehen wir auch noch richtigen Wald. Wir entmatschen uns in einem Gebirgsbach. Ich steige mit Schuhen hinein und kann eigentlich keinen Unterschied zu draussen feststellen.

Acht Stunden sind wir schon unterwegs, und ca. drei Stunden liegen noch vor uns, aber Margarets Freund Eddy kommt uns mit einem Wagen entgegen. Erst nimmt er die Kinder und das Gepäck mit, dann holt er uns drei. Meine Güte, sind wir dankbar! Eddy fährt wie ein Irrer mit der Bemerkung: ”Es ist nicht mein Auto!”

In Loch Ard ist unsere erste Tat eine ausgiebige heisse Dusche, danach ein gutes Abendessen und zuletzt ein tiefer Schlaf.

 

  1. Juli 1973

Am nächsten Tag fassen Susi und ich den heroischen Entschluss, uns gründlich auszuruhen. Wir frühstücken mit Margaret und Anhang und studieren im Übrigen Typen. [Margaret und ihre Familie sowie Eddy habe ich auf meiner zweiten Reise in Glasgow besucht. Wir hatten danach noch eine Weile Briefkontakt, aber auch das ebbte dann aus.] Zwei Südländer frühstücken Kaffee und Zigaretten. Am Nebentisch sitzen zwei Schotten, anscheinend nett, aber unheimlich schüchtern. Vor dem Fenster steht ein Junge und schmiert Sandwiches. Er gehört zu zwei Engländern, ist aber seiner Ausprache nach Deutscher. Offensichtlich will er als Engländer gelten und brüllt herum in seinem schrecklichen Akzent. Die Lautstärke sollte wohl die Qualität ausgleichen. Am herrlichsten ist aber die Grossfamilie aus dem Hinterwald: Papi, Mami, Sohn und Tochter, die wie Sohn Nr. 2 aussieht, und Opi. Opi ist den ganzen Tag am polieren, erst den Tisch, dann das Geschirr, dann wieder den Tisch. Später sieht man ihn das Staubtuch schwingen und das Treppengeländer auf Hochglanz bringen. Dabei pfeift und singt er die ganze Zeit; so finde ich ihn ungeheuer sympathisch. Die Kinder strotzen vor Energie und lassen sie in Form von Lautstärke frei. Papi gemahnt an einen kanadischen Holzfäller. Mami erzeugt einen undurchdringlichen Nebel im Duschraum mit dem Kommentar: ”Dies ist mein erstes Duschbad seit zehn Jahren!”

Susi und ich beschliessen, nach Aberfoyle zu wandern. Soweit ich mich erinnere, hat Rob Roy dort ’gewirkt’. Ausserdem müssen wir einkaufen gehen, wir haben fast nichts mehr zu essen. So machen wir uns auf den Weg. Die Strasse ist zur Seeseite hin mit einer Steinmauer eingefasst. Man hat einen herrlichen Blick auf Loch Ard und das gegenüberliegende Ufer. In Aberfoyle überfiel uns die Zivilisation in Form von Andenkenläden und englischen Kaffeetanten. Wir gehen in einen Laden und fragen nach Geschirrtüchern. ”Ein ganz gewöhnliches Geschirrtuch?” werden wir gefragt. – ”Ja, bitte!” sage ich. Wir ernten verwunderte Blicke, denn meistens kaufen Touristen solche mit einem Dudelsackpfeiffer drauf oder ’Bonny old Scotland’. Die kosten dann viermal so viel.

In der riesigen Cafeteria des Ortes laben wir uns mit Kaffee und Sandwiches. Warmes Essen gibt es erst ab Mittag. Wir klemmen uns den Karton mit den ebenfalls gekauften Lebensmitteln unter den Arm und besichtigen Aberfoyle. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen, so lassen wir uns auf dem städtischen Spielplatz nieder. Ich beschliesse zu schlafen und lege mich ins Gras. Wir ernten reichlich amüsierte Blicke. Eine Stunde später setzen wir uns wieder in Richtung Cafeteria in Bewegung, um Mittag zu essen. Dann halten wir es für richtig zurückzuwandern, um rechtzeitig zum Nachmittagskaffee wieder in der Jugendherberge zu sein. Ich fotografiere ein schönes altes Landhaus. Störend wirken sich die diversen Bauarbeiter aus, die wir nun bereits zum dritten Mal treffen. Sie veranstalten ein ziemliches Hallo und äussern den dringenden Wunsch, auf die Platte gebannt zu werden. Mein Kommentar, dass ich gerne das Haus fotografieren möchte und nicht die Herren, löst eine wahre Kakophonie von Bemerkungen aus. Zum Glück verstehen wir nichts, da sie alle gleichzeitig gröhlen. Wir ziehen es vor, uns zu entfernen. Der weitere Rückweg verläuft recht harmonisch. Wir gelangen zu der Erkenntnis, dass Kartons sehr unpraktisch für den Transport von Lebensmitteln sind, insbesondere über längere Strecken.

Zurück am Loch Ard begegnen wir einem Hobby-Maler-Ehepaar. Mit der Frau unterhalten wir uns eine ganze Weile. Ihre Tochter hat eine deutsche Brieffreundin. Sie sagt uns, dass jeder malen kann, man muss einfach nur versuchen.

In der Jugendherberge, sind einige neue Übernachter angekommen. Da ist ein Deutscher mit Tochter, die in England wohnen und eine merkwürdige Frau, die auf Zehenspitzen durch den Duschraum geht und durch offene Türen guckt. Sie erzählt uns eine längere Geschichte über ein hanky, dass sie im Notfall nicht hatte, aber das ist auch das Einzige, was wir von alledem verstehen. Susi fragt dann schliesslich: ”Wie bitte?” Und wir bekommen das Ganze noch einmal serviert. Nicht, dass wir das zweite Mal mehr verstehen.

Fortsetzung folgt

Meine Schottlandreise 1973 (Teil 1)

Da war ich 18 Jahre alt. Haha, jetzt rattert bei euch die Rechenmaschine …

Ich habe einige wenige, nicht ganz so tolle Papirfotos gefunden. Das Gros der Bilder existiert in Lichtbildern, die teilweise einem Wasserschaden ausgesetzt waren. Irgendwann im Winter, wenn ich viel Zeit habe, werde ich diese digitalisieren und in mein Schottlandtagebuch einbauen. Bis dahin müssen wir uns mit dem begnügen, was da ist.

Bemerkungen aus der Jetzt-Zeit stehen in eckigen Klammern. Ansonsten habe ich den Text von damals nicht sprachlich überarbeitet.

Ich habe versucht, meine Klassenkameradin zu finden über Facebook, LinkedIn, Internet allgemein, aber es ist mir nicht gelungen. Ich weiss auch nicht, ob ihr Nachname noch derselbe ist. Vielleicht erkennt sie jemand von den Bildern wieder, das wäre doch toll.

Vorwort

1973 bin ich das erste Mal nach Schottland gereist, und zwar mit einer Klassenkameradin, die witzigerweise am selben Tag geboren ist wie ich. Warum Schottland? Ich kann es nicht mehr ganz nachvollziehen, aber ich war angetan von den schottischen Legenden und der Landschaft, die ich auf Bildern gesehen hatte. Ich hatte die ’Highland Clearances’ gelesen und andere Bücher über schottische Geschichte in Romanform.

Wir waren Schülerinnen und mussten unsere Unkosten auf ein Minimum beschränken. Eine Decksüberfahrt auf der ’Prinz Hamlet’ war damals sehr billig. Man schlief einfach irgendwo an Deck. Dann gab es die Interrail-Karten für junge Leute. Die Option, mit dem Zug zu fahren, wollten wir uns offen halten, denn wir hatten keine Erfahrung mit Trampen. Wir sind die ganze Angelegenheit sehr naiv angegangen. Vielleicht weckten wir damit den Beschützerinstinkt der Leute, denn die meisten waren wirklich sehr, sehr hilfsbereit. Vielleicht ist das auch nur die Natur der Schotten. Aber das ist nicht ganz gerecht, denn andere Nationalitäten waren uns gegenüber ebenso entgegenkommend. Tatsache ist aber, dass die Schotten allgemein sehr hilfsbereit und gastfrei waren. Und damals hatte man das Nordseeöl noch nicht entdeckt…

Alles in allem war die Reise ein voller Erfolg, trotz der Kritik, die eine 18-Jährige nun einmal von sich geben muss. Wir haben viele nette Leute kennengelernt. Mit einigen hatten wir noch lange nach der Reise Kontakt. Jedenfalls bin ich 1974 noch einmal hingereist, zusammen mit meiner besten Freundin und doppelt so lange. Ich liebte das Zigeunerleben. Im Prinzip tue ich das immer noch, nur möchte ich es jetzt etwas bequemer dabei haben.

Im Oktober 2012 waren mein Mann und ich eine Viertelstunde in Schottland, als wir in den Northumberland National Park fuhren, von der schottischen Seite aus. Ich möchte ihm wirklich gerne alle die Orte zeigen, an denen ich damals gewesen bin. Einiges wird sich sehr verändert haben, Anderes überhaupt nicht.

 

Doch nun zum Tagebuch der ersten Reise:

TEIL 1, Hamburg-London-Leeds-Barnard Castle-Glasgow

  1. Juli 1973

Die „Prinz Hamlet“ ist im Begriff abzulegen. Gerührt winken Mama und das kleine Brüderchen. Auf dem Deck herrscht eine Affenhitze, unter dem Dach Schwüle und auf dem Schiff sind ziemlich viele Idioten. [Denkt daran, ich war 18!] Die Elbe und später der Ärmelkanal sind spiegelblank. Die Sonne scheint, und es ist herrlich, auf das Wasser zu starren und sich auf Schottland zu freuen.

Abends ziehen Susi und ich uns in die Cafeteria zurück, um uns Schlafplätze für die Nacht zu sichern. Wir bekommen einige freundliche Angebote von Mannschaftsmitgliedern, ob wir nicht eine Kabine wollten usw. Wir verzichten und legen uns auf die Bänke. Mitten in der Nacht rattert ein armer Irrer an der Musikbox herum. Es zieht aus allen Ecken, aber schliesslich siegt die Müdigkeit und wir schlafen ein.

Am nächsten Morgen, 4. Juli 1973, kommen wir in Harwich an. Von dort geht es gleich weiter mit dem Zug nach London. Wir sparen 10 pence für den Bus und gehen die fünf Minuten zum Bahnhof zu Fuss, mit dem Erfolg, dass wir vor all den anderen dort sind und uns unsere Sitzplätze noch aussuchen können. Das Verstauen der Rucksäcke bereitet uns Schwierigkeiten, bis wir schliesslich den einen kurzerhand auf den Tisch stellen.

Der Zug fährt ab. Es ist Ebbe. Boote liegen auf dem Watt der Bucht verstreut. Dann sind wir bei Ebbe reingekommen, wie geht denn das? Oder ist gar nicht Ebbe, und die Bucht sieht immer so aus?

Wir fahren durch eine Landschaft, die an Schleswig-Holstein erinnert. Auf den Bahnhöfen stehen alte, verschnörkelte Holzbänke, und um die Zäune an den Bahnsteigen ranken die herrlichsten Rosen.

Nach und nach sehen wir mehr Häuser, und Susi teilt mir mit, dass wir schon in London seien.

Liverpool Street Station: ein entsetzliches Gewimmel. Wir zwängen uns durch die Menschenmenge und es gelingt uns, in eine Bank zu kommen, wo wir Geld umtauschen wollen. Man hat uns geraten, dies erst in England zu tun, weil wir dort einen besseren Kurs bekämen.

Dann kämpfen wir uns zum Bahnhof zurück und fahren zum Hydepark. Der Marsch entlang der total überlaufenen Oxford-Street gleicht einem Albtraum. Ich laufe blindlings hinter Susi her, die mir den Weg bahnt. [Wenn man einen Rucksack auf dem Rücken hat, kann man sich ganz schnell Platz verschaffen, indem man sich einfach einige Male mit Schwung umdreht …] Vom Hydepark sehe ich zu dem Zeitpunkt nur eine riesige Rasenfläche und weit hinten am Horizont ein paar Bäume. Wir legen uns nämlich gleich vorne auf die Wiese, übernächtigt und hungrig wie wir sind, um etwas zu essen. Wir sind eigentlich auf dem Weg zur Jugendherberge, aber wir wissen, dass dort noch nicht geöffnet ist.

Ein wenig später machen wir uns dann wieder auf den Weg. Die Jugendherberge liegt in der Nähe der St. Paul’s Cathedral. Ein Schwarm internationaler Jugendlicher blockiert bereits den Gehweg und die Strasse. Bald ist Einlass. Wir ächzen die Treppen hoch, denn natürlich müssen wir ganz nach oben. In unserem Zimmer sind ausser uns noch zwei sehr nette Italienerinnen. Es gelingt mir, die eine zu verärgern, indem ich sie frage, ob sie Spanierinnen seien. [Also das war nicht mit Absicht! Scout’s honour! Ist doch alles Latein!] Sie berichtet die schlimme Beleidung der „Tedesca“ ihrer Freundin, und ich höre sowas wie „scandalo“ und muss lachen, weil ich das übertrieben finde. Nun denken sie, wir verstehen Italienisch. Aus Rache fragen sie dann uns, ob wir Engländerinnen seien, was wir weit von uns weisen.

 

  1. Juli 1973

Wir wandern am nächsten Tag sieben Stunden durch die Stadt (Pausen schon abgerechnet). Wir starten am Victoria Embankment, wo ich einige schöne Fotos mache, die leider alle schwarz werden. Nur das eine blöde Bild von mir auf einer Bank wird gut. Big Ben ist meiner Meinung nach ein Ausbund an Scheusslichkeit, (meine ehrliche Meinung). Westminster Abbey finde ich schöner. Dort liegen viele interessante Menschen begraben, u. a. Darwin. Dann zieht es uns zum Regent’s Park, den wir unter vielen Mühen endlich finden. Wir legen uns auf den Rasen, ziemlich die einzigen Besucher zu diesem Zeitpunkt, und schlafen ein. Um 13.00 Uhr wachen wir auf und sind auf einmal überall von Engländern umringt. Mittagspause?

Irgendwie gelangen wir auf wunderbare Weise nach Soho, wo wir in einer kleinen Nebenstrasse auf einen Markt stossen, wo eine Ein-Mann-Band Musik spielt (mit Fusstrommel und allem Drum und Dran). Der Junge ist ein guter Gitarrist. In Soho gibt es die herrlichsten Pubs mit Holzfassaden und goldenen Buchstaben über der Tür. Auf einmal, ich weiss nicht wie (ihr habt sicher inzwischen erraten, dass wir keinen Stadtplan dabei haben …), befinden wir uns auf dem Piccadilly Circus, von Touristenmassen umwogt. In der Carnaby Street ist es ähnlich; man hört fast nur Deutsch.

Die italienischen Restaurants enttäuschen mich etwas. Ich habe noch nie mehrere Italiener in einer Gruppe zusammen erlebt, wo nicht entweder mit grossen Armbewegungen diskutiert oder gescherzt und gelacht wurde. Aber hier nur ernste Gesichter und unfreundliche Bedienung. Hat die Reserviertheit der Engländer abgefärbt oder ist man hier als Deutsche nicht gern gesehen?

Was mir in London gut gefällt ist, dass man aussehen kann wie man will und machen kann, was man will, ohne dass man angeglotzt wird. Aber die Hektik macht mich nervös. Man kann nirgendwo stehen bleiben, ohne dass gleich jemand in einen hineinläuft.

 

  1. Juli 1973

Wir nehmen den Zug von London über Doncaster nach Leeds. Richtig, wir haben ja die Interrail-Tickets! Leeds ist nicht besonders hübsch, eine Industriestadt, aber von dort ist es nicht mehr weit nach Schottland. Wir steigen aus und schlängeln uns mit unseren furchterregenden Rucksäcken durch die Menschenmenge (auch hier). Wir folgen irgendeinem Wegweiser, natürlich in die falsche Richtung!

An einem Busbahnhof frage ich einen Mann nach der A66. Kennt er nicht. Fragen Sie doch mal im Büro. Gut, ich frage im Büro. ”Ich habe keine Ahnung, fragen Sie doch mal den Busguard, der müsste es wissen.” Ich frage den Busguard (und störe ihn beim Dirigieren der Busse). Die Strassen kennt er leider nicht, ich soll ihm einen Ort nennen. Hier schlägt das Schulenglisch fehl. Er benutzt das Wort ”place” und nicht ”town”. Ich verstehe nicht, was er meint.

Wir gehen erst einmal weiter. Oh, Wonne, wir sichten einen Verkehrspolizisten! Wir fragen ihn nach der A66 und erzählen ihm, dass wir nach Glasgow wollen. ”Glasgow? Ich bin von da!” Er lächelt uns an mit seinen beiden Zähnen, die ihm noch geblieben sind. Von dem, was er sagt, verstehen wir leider nicht viel, denn er ist tatsächlich aus Glasgow. Wir erfahren aber, dass wir im Begriff sind, nach Süden zu gehen. Natürlich müssen wir nach Norden gehen. Gut. Wir drehen um. ”Wenn wir wieder am Busbahnhof vorbeikommen, lachen die sich tot!” meint Susi. Bald sind wir wieder da, wo wir losgegangen sind und wandern in die entgegengesetzte Richtung weiter. Oh, Wunder, schon wieder zwei Verkehrspolizisten, dazu noch weibliche! Sie kennen den Weg so genau, dass wir nicht alles behalten können, aber irgendwie kommen wir zu einer Autobahn. Pech nur, dass sie nach London führt.

Wir fragen eine Gruppe Bauarbeiter. Sofort entwickelt sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Vieren. Ein fünfter steigt aus dem Auto. ”Sie müssen wieder zurückgehen”, sagt einer. Ein anderer zeigt in die entgegengesetzte Richtung. ”Gehen Sie da runter. Die grosse Strasse führt zur A1 nach Norden.” ”Lass sie lieber zur A65 nach York gehen, auf der Autobahn dürfen sie nicht trampen”, rät ein dritter. Wir werfen einen Blickauf die Karte (ja, wir haben eine Karte, nur keine Stadtpläne …), und stellen fest, dass York völlig aus der Richtung liegt. Wir wollen schliesslich nach Glasgow. Die Männer streiten sich noch eine Weile. Einer schlägt uns vor, hier auf dem Rasen zu übernachten. Dazu muss gesagt werden, dass es in der Zwischenzeit angefangen hat zu regnen, und zwar recht heftig. Wir setzen uns wieder in Bewegung. Unser Ziel die A1 nach Schottland.

Wir kommen wieder an einem Busbahnhof vorbei. (Nein, nicht derselbe von vorhin!) Wir essen erst einmal. Schliesslich sind zweieinhalb Stunden vergangen, seit wir aus dem Zug gestiegen sind! Wir trinken Tee in einer Cafeteria. Ich vergesse am Thresen umzurühren (ich nehme Zucker in den Tee und Milch, jawohl!). Glücklicherweise habe ich meistens einen Teelöffel in meiner Jackentasche. Ich nehme ihn also, rühre meinen Tee um, lecke den Löffel ab und stecke ihn wieder in die Tasche. Ein älterer Herr gegenüber will sich totlachen. Ich lächele ihn an und benutze die Gelegenheit, um noch einmal nach dem Weg zu fragen. Er blickt sinnend auf die Kreuzung: ”Ja, wenn ich das nur wüsste. Ich fahre immer nur mit dem Bus!”

In unserer Verzweiflung wählen wir schliesslich die Strasse, die nicht nach York führt. Es gibt die A65 und die A67. Von der A66 ist nichts zu sehen. Die Strasse, auf der wir jetzt gehen, sieht auf jeden Fall so aus, als ob sie aus der Stadt heraus führt. Wir fragen noch einmal an einer Tankstelle. ”Gehen Sie hier weiter. Zwischen einem Pub und einem Kino gehen Sie dann rechts hoch, dann kommen Sie zur A1!” Wir sind also bereits auf dem richtigen Weg, sehr beruhigend. Nach ungefähr eineinhalb Kilometern kommen wir zu Pub und Kino. Der Hügel, den wir hinauf gehen müssen, verschlägt mir die Sprache. Ein Mann meint: ”Die A1? Das ist noch weit, über eineinhalb Kilometer!” Ich finde mich langsam damit ab, in einem Busunterstand übernachten zu müssen. Welch erhebendes Gefühl überkommt uns jedoch, als wir in der Ferne ein grünes Schild mit der Aufschrift ’A1, The North’ sehen! Erleichtert setzen wir uns auf eine Bank, um erst einmal etwas zu essen.

Ich habe gerade ein ganzes Ei im Mund, als ein Lastwagen anhält. Wir haben noch nicht einmal die Daumen in Positur gehabt. Susi springt wie von einer Tarantel gestochen auf und lässt mich mit der Eierdose und einer offenen Flasche sitzen. Ich springe ebenfalls auf, verliere den Deckel von der Flasche, bücke mich danach, richte mich wieder auf und ’zack’ knallt mir das Kochgeschirr, dass ich sehr genial hinten am Rucksack befestigt habe, auf den Kopf. Ich renne brüllend hinter Susi her, mit Flasche und Eierdose im Arm: ”Mach mir doch das Kochgeschirr wieder runter! Mach mir doch … usw.”

Der Fahrer ist sehr fürsorglich. Unsere Rucksäcke packt er hinten unter eine Plane, damit sie nicht nass werden. Wir klettern hinein, mit Umweg über das Vorderrad, wegen Nichvorhandenseins eines Trittbrettes. Wir unterhalten uns mit dem Fahrer, und er zeigt uns ein Bild von seiner Freundin. Er will uns anscheinend beruhigen hinsichtlich seiner Absichten. Ich finde das richtig nett. Nach einigen, nicht allzu vielen Kilometern setzt er uns wieder ab. Er versucht noch, einen vertrauenswürdigen Lastwagen für uns anzuhalten, hat aber damit kein Glück.

Wir stellen uns also wieder in Positur. Nicht lange danach hält ein PKW an mit einem sehr netten jungen Mann darin. Er will nach Edinburgh. Kurz vor Scotch Corner (einem grossen Kreisverkehr) komme ich jedoch auf die glorreiche Idee zu sagen, dass wir um 18.00 Uhr in einer Jugenherberge sein müssen. ”In welcher?” – ”In irgendeiner!” Bei Scotch Corner schauen wir auf die Karte. Die nächstliegende Jugendherberge ist in Barnard Castle, 8 Kilometer von hier. Unser Fahrer, dieser Engel, fährt uns bis zur Haustür. Erleichtert stürzen wir hinein, schliessen gewissenhaft die Tür, schauen uns eingehend das Gestell mit den schmutzigen Schuhen an und gehen daran vorbei. Ein schlanker, schwarzhaariger Endzwanziger stürzt auf uns zu und fällt fast in Ohnmacht.  ”Würdet ihr bitte die Schuhe ausziehen, ja? Hinter der Tür steht ein Regal dafür. Und würdet ihr bitte die Tür zumachen! Nur Deutsche kommen so stampf, stampf irgendwo rein!” Na, das fängt ja gut an. Ich drehe mich um. Tatsächlich, die Tür steht sperrangelweit offen. Es dauert eine Weile, bis ich sie richtig schliessen kann. Sie hat so einen merkwürdigen Drehknauf, den man in einer bestimmten Position festhalten muss, bis es ’klick’ macht, sonst kann man von vorn anfangen.

Nass, aber zufrieden begeben wir uns in die Küche, nachdem wir unser Gepäck abgestellt und uns häuslich niedergelassen haben. Der Warden (Jugendherbergsleiter? Ich bleibe bei ’Warden’) rennt hin und her und macht Witze; wir kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Das mit den Deutschen hatte er auch nur als Spass gemeint, sagt er jedenfalls. Sein Lieblingsspruch ist ”Just a joke, you know!” Eine Gasflamme ist völlig beschmiert, da ist was los! ”Das war eine nette, saubere Küche, bevor diese beiden Damen hier hereinkamen!” Und später: ”Nach Schottland wollt ihr? Ein schreckliches Land mit schrecklichen Leuten. Hier, dieser junge Mann, Peter, stammt von dort!” Wir fragen ihn, ob wir Milch bestellen können. ”Wie viele Gallons?” Susi und ich gucken uns unsicher an. Wieviel ist das in Litern? ”Einen Liter”, versuchen wir. ”A litter? Ja es ist schrecklich, wie die Leute mit ihrem Dreck herumschmeissen”, bekommen wir zur Antwort. So ging das den ganzen Abend.

Um 22.00 Uhr lädt uns Alan, der Warden, zu einem Whiskey ein. Wir haben eine sehr ernsthafte Unterhaltung über unsere Probleme, gegenwärtige und zukünftige und vor allem über die Schwierigkeit, ein Warden zu sein. Alan besitzt einen ganzen Zoo: Zwei sehr nette Hunde, eine Katze, Goldfische und einen Vogel.

Das Wetter ist inzwischen richtig lausig. Alan meint: ”Jeder beklagt sich über den Regen. Ich verstehe das gar nicht. Erst diese armen Radfahrer und jetzt ihr. Was habt ihr gegen Regen?” Wir erfahren, dass vor zwei Stunden ein schlimmer Sturm in Leeds gehaust hat! Haben wir ein Glück gehabt!

 

  1. Juli 1973

Am nächsten Morgen ist uns das Wetter freundlich gesonnen. Barnard Castle ist eine sehr nette kleine Stadt, und der Abschied fällt uns nicht leicht. Alan schenkt uns Kuchen als Wegzehrung. Ich mache noch ein Foto von ihm, dann ziehen wir weiter. Der Rucksack drückt ziemlich sofort. Das Schloss fällt uns ins Auge. Wir zücken die Kameras. Danach schleppen wir uns einen Hügel hoch. Von dort überblicken wir die Lage: Eine nette, kleine Strasse, hügelrunter, hügelrauf, wie in Dänemark an den Förden. Viel Verkehr ist hier allerdings nicht, und so betreten wir mutig das Hügelmeer, um die acht Kilometer zur Hauptstrasse zu Fuss zu gehen. Unterwegs strecken wir jedoch immer wieder hoffnungsfroh den Daumen raus, und siehe da, ein Wagen voller Arbeiter hält. Sie grinsen uns an mit ihren Zahnlücken, und uns ist ein bisschen mulmig zumute. Wir steigen trotzdem ein. ”Sie müssen sich in den Laderaum setzen. Das ist nicht sehr bequem.” – ”Ach, das macht überhaupt nichts!” (Immerhin sparen wir so acht Kilometer Fussmarsch …) Susi setzt sich auf einen Farbeimer und ich auf zwei kleine aufeinander gestellte Gipskartons, die sich als ziemlich wackelig erweisen.

Die vier Arbeiter stammen aus Newcastle (sprich: Nuhkassel, mit Betonung auf der zweiten Silbe). Dort haben sie ihre eigene Rasse, ihre eigene Sprache, und alles ist am besten in Nuhkassel, sogar der Whiskey. Sie erzählen uns auch, dass Glasgow ”pretty ruff” wäre, und dass man uns dort sicher die Kehlen durchschneiden wird. In Brough (auf Newcastlerisch ’Bruff’) setzen sie uns ab. Sie zeigen uns dort einen Propeller von einem Flugzeug, dass im 2. Weltkrieg abgestürzt war. Ich glaube es war ein Russe. [Ich habe versucht, das zu überprüfen, kann aber nichts finden. Ich muss wohl noch einmal dorthin und nachschauen, ob da eine Gedenktafel steht. Es scheint mir im Nachhinein etwas unwahrscheinlich zu sein, dass das ein russisches Flugzeug war. Was machte der über England?]

Von dort nimmt uns ein junger Mann bis nach Penrith mit. Er will in den Lake District, zum Fischen. Seiner Meinung nach ist der Lake District die schönste Landschaft der Welt. Er versucht uns zu überreden, mit ihm dort hinzufahren. ”Mein Wohnwagen steht da.” Da wir nicht sehr begeistert reagieren meint er: ”Es gibt eine Menge Jugendherbergen im Lake District.” Trotz und alledem, wir wollen gerne nach Schottland.

In Penrith hält ein Lastwagen neben uns. Der Fahrer sagt mehrmals ”Ich fahre nach Friess”. Schliesslich schaue ich auf die Karte, wo ist Friess? Dann geht mir ein Licht auf: Dumfries! Der Fahrer ist Schotte (daher auch die Aussprache) und wohnt dort. Er sieht recht ungepflegt aus mit eine Woche alten Bartstoppeln, ist aber sehr nett, wenn auch einsilbig. Wahrscheinlich ist er lange unterwegs gewesen.

In Dumfries sammelt uns ein älterer Engländer auf. ”Ich nehme normalerweise niemanden mit, aber Sie sehen nicht gefährlich aus”, begrüsst er uns. Er ist unheimlich nett und bringt uns nach einer ausgedehnten Sightseeing-Tour bis zur Tür der Jugendherberge in Glasgow. ”Ich will doch nicht, dass Sie nachts in der Stadt verloren gehen!” Er ist dabei, Deutsch zu lernen und gibt uns seine Adresse zwecks Briefwechsel. [Mit George, so hiess er, habe ich regelmässigen Briefkontakt gehabt und ich habe ihn auch öfter besucht. Er wohnte an der Ostküste, in der Nähe von Durham. Er ist weit über 90 Jahre alt geworden.] Das Wetter ist im Gegensatz zum Vortag einzigartig. Strahlende Sonne, tiefblauer Himmel. Trotzdem haben wir nicht richtig Lust, uns die Stadt anzusehen. Einmal haben wir natürlich Vorurteile nach all den Warnungen, wie gefährlich es in Glasgow ist, zum anderen haben wir anscheinend beide einen grüblerischen Tag.

Wir gehen in ein vertrauenswürdig aussehendes italienisches Restaurant, um zu essen. Es ist sehr teuer, aber dafür schmeckt es wenigstens nicht. Nur der Tee ist fabelhaft. Mein halbes Hähnchen ist so widerspenstig, dass mir bald der Appetit vergeht und ich das Besteck in den Ring werfe. Mein Teller sieht aus wie ein Schlachtfeld. Ich bewundere Susi, die ihre Hälfte meisterhaft bezwingt.

Fortsetzung folgt

Urlaub in Dänemark

Im Juli wollten wir eigentlich irgendwann eine Woche mit dem Wohnwagen nach Djursland fahren. Da aber der Wetterbericht so merkwürdig war, beschlossen wir, einfach nach Trelde Næs zu fahren, wo unser Wohnwagen bis Oktober einen festen Platz hat, und von dort Tagesausflüge zu unternehmen. Wir wollten nicht riskieren, dass wir das Vorzelt für eine Woche Monsun abbauen.

Eine Fahrradtour nach Vejle gelang uns. Vom Munkebjerg aus hinunter an die Förde und dann nach Vejle hinein. Wir entdeckten einen schönen Naturpfad, der an einem Kanal entlang und durch ein Industriegebiet führte. Seltsame Mischung, aber sehr schön. Er führte uns in die Nähe des Hafens. Den Munkebjerg wieder hoch, wo unser Auto stand, schaffte ich nicht einmal mit voller EL-Unterstützung und erstem Gang. Ich musste das letzte Drittel schnaufend hochschieben. In so einer Situation sind die EL-Fahrräder reichlich schwer. Beide Ufer des Vejle-Fjords sind sehenswert. Ganz besonders gefällt mir die Umgebung von Brejning, Andkjær, Munkeberg.

Dann machten wir einen Ausflug nach Odense in das dortige Eisenbahnmuseum. Es ist wesentlich grösser als das auf Bornholm, das ich aber auch sehr schön fand, mit einigen wirklich fantastischen alten Lokomotiven. Hier drei Beispiele.

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Das dritte Foto zeigt den Original-Spurenwagen oder wie sowas heisst, der in dem einen Olsen-Banden-Film benutzt wurde:

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Wer an mehr interessiert ist, kann sich die Bilder hier anschauen: (https://1drv.ms/f/s!AgFPhjrOrk1AoBULVL8xB6o_D4y7).

Da wir nun schon auf Fünen waren, schauten wir uns auch noch einen möglichen Campingplatz an, den wir schon immer einmal besuchen wollten, Flyvesandet. Der liegt wunderschön mit Blick auf das Wasser, viele Bäume, empfehlenswert. Wenn im Herbst das Wetter gut sein sollte, fahren wir vielleicht eine Woche dorthin.

Mittwoch sollte der einzige Tag in der Woche mit Regen sein. Das war er auch! Daher hatten wir geplant, uns die Regenwaldanlage in Randers anzuschauen, die in Hallen beherbergt ist. Diese Idee hatten allerdings auch Tausende von anderen Turisten. Es war unmöglich, dort zu fotografieren, weil man eng gedrängt auf den schmalen Pfaden hintereinander herging. Die Anlage ist imponierend und wirklich sehenswert, schön und liebevoll gestaltet. Wir werden da noch einmal hinfahren, wenn überall die Sommerferien vorbei sind, an einem Wochentag … Ich hätte mich so gerne mal hingesetzt, um die Vögel zu beobachten, die frei umherflogen, sich aber wegen der vielen Menschen hoch unter dem Dach aufhielten. Bilder von ”Randers Regnskov” habt ihr also noch zugute.

Djursland ist eine Reise wert, und wir werden unsere Woche dort noch irgendwann nachholen. Für Dänemark-Interessierte wäre auch die Seenplatte um Silkeborg herum zu erwähnen mit dem ”Himmelbjerg”, der die schwindelnde Höhe von 178 Metern oder so ähnlich erreicht. Man hat von dort einen atemberaubenden Ausblick auf die Seen.

Auch der Norden Dänemarks hat Naturschönheiten zu bieten, wie z. B. den Limfjord, Lille Vildmose und Store Vildmose. Für Leute, die Strand so weit das Auge reicht lieben, ist Skagen zu empfehlen.

 

Bornholm

Bornholm war toll. So eine schöne Insel. Da waren wir nicht zum letzten Mal!

Eigentlich wollten wir ja ins Weserbergland, aber dort sollte es während unserer Urlaubswoche dauerregnen. Also hat mein Mann geforscht, wo einigermassen gutes Wetter zu erwarten war, und das war dann auf Bornholm.

An einem Tag hatten wir auch dort Regenwetter, an dem haben wir ausnahmweise Museums-hopping gemacht. Wir sind sonst nicht so die Museumsgänger, aber auf Bornholm waren einige besondere:

1) Ein Museum mit alten Autos, Mottorrädern und anderen Gefährten. Die Sammlung wurde von einem nunmehr älteren Ehepaar zusammengestellt. Besonders imponierend das alte Feuerwehrauto und alles was sonst so zur Brandbekämpfung dazugehörte. Ich gebe jeweils drei Beispiele. Den Rest können sich Interessierte per OneDrive Link anschauen. Manchmal standen die Dinge etwas eng, so dass ich nicht alles mit aufs Foto bekam.



OneDrive Link: https://1drv.ms/f/s!AgFPhjrOrk1AnjIvw6Pi0kkKRYJu
URL: http://www.bornholmsautomobilmuseum.dk/

2) Ein Eisenbahnmuseum. 1968 fuhr zum letzten Mal ein Zug auf Bornholm. Keine sehr grosse Ausstellung, aber sehr schön gemacht auch mit alten Fotos. Mein Mann musste natürlich auf einen Knopf drücken (durfte man), der ein lärmendes Signal in Gang setzte. Genau davor stand ein armer älterer Herr, den es fast aus den Socken hub. Er nahm es aber mit sehr viel Humor.




Dieses Ausstellungsstück hat eine nette Geschichte: Dieser Toilettepapierhalter wurde dem Museum Anfang 2016 von einer 80jährigen Dame gespendet. Sie hatte ihn 1968 aus dem letzten Zug, der auf Bornholm fuhr geklaut. Sie muss damals dann ja so um die 32 Jahre alt gewesen sein. Sie wollte gern anonym bleiben … 😉

OneDrive Link: https://1drv.ms/f/s!AgFPhjrOrk1AnjyoaIF1HmuIBvN8
URL: http://bornholm.info/da/bornholms-jernbanemuseum

3) Bornholms technische Sammlung auf 4000 Quadratmetern: alles von ca. 6200 Mokkatassen über vollständigen alten Handwerkswerkstätten zu einem Militärjet. Unglaublich, was da alles zusammengesammelt war. Einige Privatleute haben auch ihre Sammlungen gespendet.



OneDrive Link: https://1drv.ms/f/s!AgFPhjrOrk1AnjMuJvoiyURiE1Q4
URL: http://www.bornteksamling.dk/

4) Ein Wikingerhof. Er gehört einem Schmied und Holzschnitzer und seiner Frau, die alles nach alten Vorbildern aus Museen gestaltet haben.



OneDrive Link: https://1drv.ms/f/s!AgFPhjrOrk1AnjSSa-7GyA91brDk
URL: http://www.vikingegaard.dk

Die Kirche muss einmal sehr stark gewesen sein auf Bornholm, mit jedem Dorf seiner eigenen kleinen Rundkirche plus dann noch die grossen Kirchen und Namen wie ”Gudhjem” (Gottes Zuhause, ein wirklich idyllisches Örtchen), ”Paradisbakkerne” (Paradieshügel) und ”Hellighedsklipperne” (Heiligkeitsklippen). Wenn das nicht Gottes eigene Insel ist, welche ist es dann? 😉



Und die Festung Hammershus im Norden der Insel, von der man anscheinend immer noch nicht weiss, wer sie eigentlich gebaut hat und für wen. Erstaunlich bei einer so riesigen Anlage!



Eine Woche war ein bisschen zu kurz, aber wir konnten nicht länger bleiben, da unsere Anwesenheit anderenorts erwünscht ist.

Der Camping-Platz Balka Strand gefiel uns auch gut. Vor Saisonbeginn war nicht so viel los, reichlich Platz, kein Lärm, saubere Sanitärannlagen, nettes Besitzerpaar, gute Lage in Snogebæk. Dort bekommt man sowohl Bech’s Schokolade als auch Boisen Eiscreme. (Übrigens, ich habe seit 28.5.2016 2,3 Kilo abgenommen nur durch Zucker weglassen, ausser und trotz siehe oben, das musste sein, man muss schliesslich das lokale Handwerk unterstützen.) 😉

Und hier noch zweimal Blümchen im Wind, diesmal keine Kunstwerke 😉 sondern um etwas zu demonstrieren.


Hier wächst massenweise wilder Knoblauch, alle die runden lila Knubbel.


Und es gibt sie doch noch in freier Natur, die Kornblume, jedenfalls auf Bornholm. In Dänemark habe ich sie ansonsten noch nicht wildwachsend gesehen, und in Norddeutschland auch nicht mehr.

Das war Bornholm!

Der Bericht vom Garten folgt demnächst. Nur so viel: nach dem Aussehen der Pflanzen zu urteilen, war es zuerst sehr trocken und dann kam harter Sturzregen.