Ordnung ist das halbe Leben …

Aus der Küche ertönt ein merkwürdiger Laut, so als ob jemand schwer nach Luft schnappt. Ich ahne Schlimmes und eile zu meinem Mann, denn er ist es, der da schnappt, um zu sehen ob alles in Ordnung ist. ”Ist etwas passiert?” frage ich ihn. Er zeigt nur stumm auf eine offene Schublade im Küchenschrank.

Diese hier:

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Nun kann diese Schublade auf das ungeübte Auge den Eindruck von Durcheinander erwecken. Ich kann euch jedoch versichern, dass ich genau weiss, was darin ist und wo es ist.

Links unter der Knoblauchpresse verstecke ich z. B. meine wirklich scharfen Küchenmesser, damit zufällig vorbeikommende Passanten sie nicht als Werkzeug missbrauchen. Mittig, gut sichtbar, liegen die bereits versauten Küchenmesser, mit denen man gerne Schrauben drehen oder Dosen öffnen darf.

Und ausserdem, wer Ordnung hält ist nur zu faul zum Suchen! 😉    😀

Und damit wünsche ich euch allen ein schönes Wochenende … 😉

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Wikinger-Stil

Auf den wunsch einer einzelnen Dame oder waren es zwei, führe ich hier einmal mein Wikinger-Kleid vor. Es besteht aus einem Leinen-Unterkleid und einem Über-Wickelkleid mit angenähter Kaputze.

IMG_7273 BlogDie Gürteltasche ist authentisch nachgemacht mit einem authentischen Wikingerverschluss in Form eines Drachens.

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Und hier noch einmal etwas dichter die Tasche und der Halsschmuck, den ich bei Herta  vom 1000Interessen-Blog erstanden habe. Ich finde, dass er total zu der Kleidung passt.

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Mir fehlen eigentlich nur noch authentische Schuhe, aber die sind ziemlich teuer. Bis es so weit ist, trage ich chinesische Samtschuhe dazu. 😉

Und damit wünsche ich euen allen eine schöne Woche!

 

 

 

Umzugsaga

Es war ja eigentlich geplant und abgesprochen, dass wir am 6.9. die Möbel umziehen und am 7.9. den Garten. Am Tage des sechsten September aber, mitten in der zweiten Fuhre, beschlossen zwei Personen, dass man eine dritte Fuhre fahren würde und dafür nicht am nächsten Tag mit dem Garten. Ich konnte nicht viel dagegen sagen, es war ja angeblich alles so viel praktischer. Ausser dem Umzugswagen, ein kleiner 22 Kubikmeter, hatten wir jedes Mal zwei PKWs und zwei Gartenanhänger mit dabei. Trotzdem waren zum Schluss noch Pflanzen und andere Dinge übrig, die wir nicht mitbekamen. Vor der zweiten Fuhre kam Frau Meermond mit selbstgemachter Pizza für eine ganze Armee sowie Apfelkuchen und Kaffee. Das war wunderbar, und wir haben später vor der dritten Fuhre auch noch einmal kräftig zugelangt.

Bei der dritten Fuhre schüttete es wie aus Eimern, keiner von uns hatte einen trockenen Fetzen am Leibe, und ich konnte meine wasserdichte Jacke nicht finden. Ich fand sie dann später, als wir fertig waren, auf dem Küchentisch hinter einem Karton versteckt … 😉 Die anderen wollten nicht mit wasserdicht, das war ja was für Sissies … 😉

Sehr viel mehr taten wir dann am Umzugstag nicht. Mein Mann packte die Matratzen aus, und ich weiss nicht mehr, was ich noch gemacht habe. Wir hatten jedenfalls kein Problem einzuschlafen!

Meine erste Tat am ersten Morgen im neuen Hause war aus dem Bett zu fallen oder besser gesagt, von der Matratze zu rollen. Ich drehte mich nur auf die linke Seite und schon lag ich auf dem Boden. Gut dass wir das Bett noch nicht aufgebaut hatten … 😀

Am diesem ersten Tag haben wir dann das Bad, die Küche, das Esszimmer und die Fernsehstube funktionsfähig gemacht. Ich glaube wir haben jetzt noch so ca. 25 Kartons, die ausgepackt werden müssen, hauptsächlich meine Projekte und Comics und die Musikanlage meines Mannes und ein paar Bürosachen.

Zwischenzeitlich haben wir uns dann noch Regale und Schränke für unsere Kleidung besorgt und am Montag haben wir die letzten Pflanzen geholt. Wir müssen trotzdem noch zweimal mit unserem Anhänger fahren, bis alles hier ist. Einmal müssen wir ja sowieso noch rüber zum Saubermachen und Löcher stopfen. Und auf den Wiederverwertungsplatz mit all unserem Abfall.

Ich habe jedenfalls genügend Pflanzen, um die Steppe zu begrünen. Ich kann sogar alle meine 20 Rhododendrons unterbringen, wenn ich will, kein Problem. Aber einen möchte meine belgische Freundin haben. Erst einmal muss ich sehen, wie die blühen und ihnen Namen geben, schliesslich sind es Unikate. Das interessiert euch wahrscheinlich überhaupt nicht, aber wenn ich erst einmal in Richtung Garten und Pflanzen abtreibe … 😉

Der Tischler hat die Süd-Terrasse fertiggebaut, d.h. dass wir jetzt auf drei Terrassen wegen Regens nicht sitzen können … ich mache Spass, ich finde das toll mit all den Terrassen. Am meisten Windschatten hat man auf der Ost-Terrasse, die eigentlich zum Wäschetrocknen gedacht ist. Morgensonne!

An dem einen Abend haben wir einen Spaziergang gemacht, erst durch das Dorf und dann hinter unserem Haus einen Hügel hoch zu den Feldern. Hier ein paar Stimmungsbilder. Es war schon etwas verrückt, links ging die Sonne unter und rechts war noch total blauer Himmel …

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Die Steppe (unser jetziger „Garten“, der bisher nur aus irgendwelchem Grün besteht, das mit einem Kantenschneider kurzgehalten wurde und zwei grossen Zypressen) ist noch nicht vergiftet und umgefurcht, weil das Vergiftungsgerät des Vermieters kaputtgegangen ist. Wie er sich das mit der Hecke gedacht hat, wissen wir auch noch nicht. Sowas soll man eigentlich im Herbst pflanzen, aber da hat er ja noch Zeit. Ich habe neulich etwas Interessantes gesehen: jemand hatte in die Hecke rosa blühende Ziererdbeeren als Bodendeckung gepflanzt. Das sah toll aus und etwaiges Unkraut hat dann keine Chance. Man muss sie ”nur” am Expandieren hindern. Ich hatte mal die gelb blühende Version in einem Garten, weil ich dachte, dass das eine gute Idee wäre, aber das Zeug verbreitete sich mit Windeseile und war schwer zu entfernen. Vielleicht sollte ich einfach Walderdbeeren in die Hecke sähen, die kann man wenigstens essen. Naja, erst muss die Hecke ja da sein … 😉

Mir tut immer noch jeder Muskel weh, meinem Mann auch, aber der jammert nicht so viel wie ich … 😉

Wir sind jedenfalls gut am Ball und fühlen uns wohl hier im neuen Haus. Kein Kloak- und Algengestank; wir werden es nicht vermissen!

Das Einzige woran ich mich gewöhnen muss ist, dass das Toilettepapier jetzt auf der rechten Seite hängt und nicht auf der linken. Überhaupt will ich immer vom Eingang aus nach links in Badezimmer gehen, obwohl in allen Häusern, in denen wir gewohnt haben, das Bad rechts von der Eingangstür war.

Vom Bilderaufhängstadium sind wir allerdings noch weit entfernt. Erst einmal sind Gardinen dran … 😉

Und damit wünsche ich euch allen noch eine schöne Restwoche!

Warum wollte ich studieren?

Das ist eine berechtigte Frage, denn ich war in meinem Job als Sekretärin ja eigentlich zufrieden. Auch hatte ich nie etwas gefunden, was ich studieren wollte.

Dann ”überkam es mich” auf einmal. Ich wollte ausprobieren wie es war zu studieren. Vor allem weil ich nicht mit irgendwelchem späteren Bedauern in Form von ”hätte ich doch nur” oder ”was hätte sein können, wenn ich nur” leben wollte.

Ich orientierte mich also über die angebotenen Studiengänge und fand Orientalistik am interessantesten, Japanologie. Aber dann entdeckte ich, dass man in Hamburg Austronesistik studieren konnte, das Studium der Sprachen und Kulturen Indonesiens und der Südsee. Das hatte mich schon immer fasziniert. Es war dann in der Realität mehr Indonesisch als Südsee, aber es gefiel mir. Das Seminar war sehr klein, nur höchsten 10 Studierende in den jeweiligen Kursen inklusive einiger älterer Gaststudenten.

In der Zeit lernte ich Indonesisch, Filipino, Tahitianisch und Fidji, sowie die Anfänge von Alt-Javanisch. Das meiste habe ich inzwischen vergessen, weil ich es nie benutzt habe, aber ich konnte einfache Bücher auf Indonesisch lesen. Auch konnte ich nach dem Tahitianisch-Kursus die Maori-Bibel lesen, was darauf schliessen lässt, dass die Maoris tatsächlich von Polynesien nach Neuseeland gepaddelt sind. Die Rechtschreibung war etwas unterschiedlich, aber die Worte fast unverändert.

Die Studienzeit schenkte mir eine, wie ich fand wohlverdiente Pause vom Arbeitsleben, besonders weil ich mein Studium mit einem Feriensemester anfing. 😉  Darüber regten sich sowohl der ältere Bruder als auch seine damalige Frau auf. ”Wie kann man nur, wenn man etwas anfängt, dann macht man es so schnell wie möglich fertig.” Öh, wie bitte? Um das Fertigwerden ging es mir ja gar nicht. Interessant wie unterschiedlich Geschwister sein können … 😉

Im Laufe der Zeit stellte ich dann fest, dass ich froh sein konnte in so einem kleinen Seminar zu studieren. Meine Nebenfächer waren Spanisch und Sanskrit (welch’ Wahnsinn hat mich da geritten?). Die Sanskrit-Kurse waren auch sehr klein. Unser Professor war ein ziemlich dickleibiger mittelalter Mann, der permanent rauchte. Das durfte man damals noch. Einmal ging er sehr intensiv auf die asketische Lebensweise der heiligen Männer Indiens ein, während er eine Zigarette nach der anderen paffte. Ich konnte nicht umhin, ihn verstohlen anzugrinsen. Er schaute mich an und sagte: ”Kein Kommentar!”

Im grösseren Nebenfach, Spanisch, waren die Leersäle ebendies, Säle. Ich stellte auch fest, dass viele Studenten, die sich doch gerne von der Masse absetzen wollten, nicht so tolerant waren wenn Leute anders als sie aussahen, z. B. was Kleidung anging. Zeitweise war es in Studentenkreisen modern, sich in Parker, T-Shirt und diese merkwürdigen Cordhosen zu kleiden, die unten schmal wurden. Für die wenigsten Leute war das kleidsam. Ich wollte mit diesem Quatsch nichts zu tun haben. Ich schrieb ja auch niemandem vor wie sie sich zu kleiden hatten oder sah sie schief an, wenn mir ihre Klamotten nicht gefielen.

Der letzte Tropfen war dann ein Erlebnis in meinem eigenen Seminar. Es ging um die Lösung der sozialen Probleme in Indonesien, sprich die Unterdrückung der Armen. Ich hatte mich schlau gemacht und berichtete darüber, wie ein General der Armee darüber dachte und wie einer der liberalen Politiker darüber dachte. Dann fragte mich ein Mädchen, was ICH denn meinte, wie die Indonesier dieses Problem lösen könnten. Das überrumpelte mich. Ich erwiderte, dass ich noch nicht sehr viel über Indonesien wüsste, ich wäre noch nicht einmal dort gewesen und ob es nicht ein wenig anmassend wäre den Leuten zu erzählen, wie sie ihre Probleme lösen sollten. Daraufhin wurde die Dame richtig wütend und schnauzte mich an ”du MUSST doch eine eigene Meinung dazu haben.” Ich sah sie nur mit offenem Mund an und dachte insgeheim, ’was mache ich eigentlich hier? Hier gehöre ich nicht hin.’ Damit endete meine Karriere an der Uni Hamburg.

Alles rächt sich … früher oder später

Bevor ich damals mit meinem dreijährigen, nicht abgeschlossenen Studium der Austronesistik anfing, arbeitete ich in einer Export-Import-Firma in der Rothenbaumchaussee in Hamburg.

Von meinem Schreibtisch aus schaute ich nach draussen auf die Strasse (Erdgeschoss). Nach einiger Zeit fiel mir ein Mann auf, der immer mittags vorbeiging und mich ziemlich aufdringlich anstarrte, und zwar finster. Er war ein grosser, schlanker Mann mit welligem Haar und einem langen, wehenden Mantel. Letztendlich wurde mir das zu dumm und als er wieder vorbeiging, streckte ich ihm sehr unladylike die Zunge heraus. Von da an guckte er mich nicht mehr an.

Einige Wochen später treffe ich den Mann doch tatsächlich in der U-Bahn. Es waren kaum andere Leute im Abteil und er wanderte mit grossen Schritten den Gang auf und ab, auf und ab, ohne Pause, wie ein gefangener Tiger im Käfig (mit diesem wehenden Mantel). Wenn der Zug hielt, öffnete er alle Türen, die er konnte bevor der Zug wieder weiterfuhr (Klaustrophobie?). Dann marschierte er wieder. Und dann natürlich dieser finstere Blick, den ich ja schon kannte. Der wirkte von Nahem nicht anheimelnder als auf Abstand.

Ich hörte dann irgendwann auf zu arbeiten, begann mein Studium und nach zwei Jahren sollte ich zusammen mit anderen Studenten dem Professor vorgestellt werden, der unsere Prüfungen bewerten würde. Glaubt es oder nicht, der Professor war mein rastloser Tiger aus der U-Bahn, der Glotzer, dem ich die Zunge rausgestreckt hatte. Wie absolut peinlich. Also nicht nur für mich …

So sieht es jetzt bei uns aus …

… wir veranstalten Hindernislaufen … 😉

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… am 1.9. holen wir die Schlüssel zu dem neuen Haus, am 6. und 7.9. ziehen wir um. Wir packen bereits seit zwei Wochen, immer mal ein bisschen und letzte Woche verschärft, denn wir wollen weg!!! Mein Mann hat schon im Bad alles abmontiert und die Bilder sind von den Wänden … deshalb machen wir auch so viele Ausflüge im Moment, es ist so ungemütlich im Haus. Ich komme gar nicht nach mit dem Bilder behandeln und posten. Der Garten ist auch fertig ausgebuddelt, die Tomaten abgeerntet, da ist nichts mehr zu tun … ausser essen … das zeigt sich, wenn wir auf die Waage steigen!   😉

Es fehlen nur noch die Küche und das Schlafzimmer, ein halbe Speisekammer und ein paar Reste, ein paar Möbel auseinanderbauen (wir haben nicht so viele grosse Möbel) zwei Tage Arbeit höchstens.

Wünscht uns Glück und ganz viel Spucke!  😉

 

Goldilock versucht den Aufstieg in die Grossfinanz

Ich war ein wenig am Zögern, ob ich diese Geschichte hier veröffentlichen soll. Ich finde, dass ich da irgendwie falsch rüberkomme. Ja, ich war naiv und unreif (obwohl ich selber mich meiner Freundin soooo überlegen fühlte, ha!). Ja, ich habe mich von ihr immer wieder in seltsame Situationen bringen lassen. Aber ich kannte sie ja gut genug, manchmal war ich eben auch neugierig, was da denn jetzt wohl passieren würde, also spannend fand ich es wohl doch. Na gut, ich wage es …

 

Zu Goldilocks Plänen gehörten Partnerschaften in Geschäften und auch das Betreiben einer Heiratsvermittlung. Zu diesem Zweck bestellte sie Broschüren, weil sie glaubte, dass sie anhand dessen das Geschäftsgeheimnis ablauern könnte. Sie bestellte sie allerdings in meinem Namen … das führte dazu, dass ein Nachbar mich warnte, dass da ein älterer Herr alle Nachbarn über mich befragt hätte. Einige Tage später rief dann auch noch jemand an vom ’Club der Herzen’ oder so ähnlich und ich schaltete erst einmal gar nicht. Darüber war ich ganz schön sauer und bat sie, in Zukunft meinen Namen nicht zu benutzen .

Goldilock hatte in der Zwischenzeit ihren Instinkt so weit entwickelt, dass sie mich bat mitzukommen, wenn sie zu dubiosen Anstellungs- bzw. Partnerschaftsgesprächen ging. Das eine führte uns in die Nordheide, wohin uns zwei ‚Herren‘ mitnahmen, die mir merkwürdig vorkamen und die uns als ‚Hühner‘ bezeichneten. Aha, also wieder einmal die Zuhälterszene, dachte ich, was fand sie daran nur so reizvoll? Ich wurde in einem Landgasthof geparkt. Goldilock und die Herrem kamen dann nach ca. einer Stunde zurück und wir fuhren mehr oder weniger schweigend nach Hamburg zurück. Ich bekam keine Einzelheiten zu wissen, aber es war wohl nicht so gut gelaufen, was auch immer das bedeuten mochte.

Eine Begebenheit war der Gipfel, und darüber muss ich etwas genauer berichten. Goldilock bewarb sich in einem Hotel am Hamburger Dom als Managerin (Sie hatte vom Hotelwesen nicht die geringste Ahnung). Der Besitzer war Ungar. Da er zum Vorstellungsgespräch in die Sauna einlud, was sogar Goldilock merkwürdig vorkam, wurde ich gebeten mitzukommen. Ich kleidete mich wie gewöhnlich nach Feierabend lässig in Jeans und Rollkragenpulli.

Als wir zur Tür hineinkamen wurden wir begrüsst mit: ”Zieht euch aus!” Das hatte ich nicht vor und teilte es dem Hotelbesitzer, der uns im Bademantel empfing, mit. Während Goldilock sich etwas frisch machte, wurde ich mit Konversation darüber beglückt, wie tolerant seine Frau wäre. Dann wollte er meine Meinung zu beschnittenen Penissen wissen, ob ich nicht auch fände, dass die wesentlich besser aussähen als die unbeschnittenen. Ich gab nur ein paar öhm und äh Laute von mir. Dann stellte er sich vor mich hin und öffnete seinen Bademantel. Darunter war er nackt. Er wollte, dass ich seinen Penis begutachtete. ”Ist er nicht schön?” fragte er. Ich nickte zustimmend (ehrlich, was macht man in so einer Situation? Da ist man doch völlig unvorbereitet. Ich jedenfalls.) Das ging aber noch weiter: ”Du darfst gerne anfassen!” bekam ich zu wissen, woraufhin ich höflich ”Nein, danke” erwiderte. Nicht gerade geistreich, aber für geistreich war ich zu schockiert. „Schlechter Film“, fiel mir dazu noch ein. Zum Glück kam Goldilock dann wieder und die beiden gingen in die Sauna zu ihrem ’Vorstellungsgespräch’.

Als sie dann fertig waren, holte ich als die einzige in Kleidung uns noch was zu trinken aus der Bar und dann verliessen wir ihn. Hinterher erzählte Goldilock mir, dass der Typ sie in die Brustwarze gebissen hätte und ob ich das nicht auch unerhört fände … Ich erzählte ihr dann mein Erlebnis mit Casanova, und dann mussten wir doch ziemlich lachen. 

Nach einigen ähnlichen Erlebnissen verlegte Goldilock sich dann auf die Masche, sich doch lieber einen reichen oder jedenfalls nicht armen Ehemann zu angeln.

In der Syrer-Clique, die alle aus mehr oder weniger wohlhabenden Familien stammten, war wohl kein passendes Objekt dabei. Wir hatten einen von ihnen, der seltsamerweise Hugo hiess und Arzt war, in einer Diskothek getroffen und dann waren wir auf einmal in der Clique. Er schien jedoch kein geeigneter Kandidat zu sein, vielleicht wollte er auch nicht, ich weiss es nicht. Zwei von ihnen hatten ein Restaurant und waren beide mit Deutschen verheiratet, alles sehr sympatische Leute. Die beiden Partner trennten sich dann aber, weil sie verschiedene Ambitionsniveaus hatten oder besser gesagt, die Frau des einen war mehr ambitiös als sie alle zusammen. Dafür haben sie jetzt ein gutgehendes Restaurant in der Osterstrasse und zwei Imbisse in der Hamburger Innenstadt. Noch witziger war, dass der mit der ambitiösen Frau mit meinem ersten Mann zur See gefahren ist. Er war erster Offizier und mein Ex war Offiziersanwärter. Die Welt ist klein. In der Syrerclique ging es aber hauptsächlich um Parties und Diskothek. Das war mir auf die Dauer zu langweilig und ich habe mich da etwas abgeseilt. Ich hatte inzwischen auch meinen Ex kennengelernt und wir hatten andere Interessen.

Dann kam Mustafa auf den Plan. Ein Ägypter und Kapitän zur See. Ihm ging es finanziell gut und Goldilock zog mit ihm zusammen. Ihm war das richtig ernst. Er hat sie vor Allah zu seiner Frau gemacht und seine Mutter wusste davon. Ansonsten allerdings niemand. Er wollte sich auch nicht scheiden lassen, weil seine Frau das nicht verdient hätte, wie er meinte. Aber nach Ägypten wollte er jedenfalls nicht zurück, denn Goldilock wäre nicht mit ihm gegangen als zweite Frau. Wo fand Goldilock ihre Männer? Zum grossen Teil im Hotel Atlantik beim Frühstück. Nur mal so zwischendurch als Tipp. Mustafa war eine Seele von Mensch, der sein letztes Hemd gegeben hätte, man brauchte ihn nur zu fragen, und manchmal nicht einmal das.

Aber wie das Leben so spielt, die Schiffahrts-Route nach Hamburg wurde eingestellt und er verlor seinen Job. In Ägypten hätte er wieder einen Job bei derselben Reederei bekommen, aber er wollte ja Goldilock nicht verlassen. Nach vielen Bewerbungen und sich anhäufenden Schulden, die Goldilock den Schlaf raubten, musste er dann aber doch nach Ägypten zurück. Er gab sie wieder frei in einem Ritual, damit sie nicht an ihn gebunden war. Da war sie wieder auf sich allein gestellt. Ich muss dazu sagen, dass sie immer gearbeitet hat in all der Zeit. Sie war ja Vertreterin und gut in ihrem Job. Einmal war es Schmierölabwaschpaste, einmal waren es Brillengestelle. Sie verdiente immer gutes Geld.

Dann kam der Versuch mit dem Rundfunk- und Fernsehhai. Er sagte ihr gleich zu Anfang, dass er nicht ausgenutzt werden möchte und dass Frauen immer meinen, weil man ein Geschäft besässe, hätte man Geld wie Heu, und dann wollten sie einen heiraten und sich faul auf den Hintern setzen. Das hatte Goldilock ja eigentlich auch vor, aber nun musste sie ihm ja beweisen, dass ihr nichts ferner lag. Daher schenkte sie ihm zum Geburtstag und ähnlichen Schenktagen immer teure Reisen. Goldilock redete immer ziemlich negativ über die Beziehung und ich rechnete eigentlich immer damit, dass sie schnell wieder vorbei wäre. Es hielt dann aber doch länger als erwartet. Goldilock wunderte sich immer, dass ihre Freundinnen nicht besonders daran interessiert waren, den Rundfunk- und Fernsehhai zu treffen, aber wir warteten ja eigentlich alle nur darauf, dass sie mit ihm Schluss machen würde, so wie sie über die Beziehung redete. Wahrscheinlich war ihr selbst gar nicht klar, wie negativ sie rüberkam. Ich weiss nicht, wie das Ganze endete, weil ich eine Scheidung durchmachte und einige Jahre später dann nach Dänemark zog und der Kontakt abbrach. In meiner ersten Zeit in Dänemark waren sie noch zusammen.

Das ist jetzt mehr als zwanzig Jahre her.

Ich weiss nicht, ob ich hoffen soll, dass der Rundfunk- und Fernsehhai und sie noch zusammen sind. Ich hoffe für sie, dass sie einen guten Mann gefunden hat, so einen wie Mustafa, der sie auf Händen getragen hatte, vielleicht sogar mit genügend Geld, damit sie nicht mehr zu arbeiten braucht. 

So viel zu Goldilock. Es war nie langweilig mit ihr!