Warum wollte ich studieren?

Das ist eine berechtigte Frage, denn ich war in meinem Job als Sekretärin ja eigentlich zufrieden. Auch hatte ich nie etwas gefunden, was ich studieren wollte.

Dann ”überkam es mich” auf einmal. Ich wollte ausprobieren wie es war zu studieren. Vor allem weil ich nicht mit irgendwelchem späteren Bedauern in Form von ”hätte ich doch nur” oder ”was hätte sein können, wenn ich nur” leben wollte.

Ich orientierte mich also über die angebotenen Studiengänge und fand Orientalistik am interessantesten, Japanologie. Aber dann entdeckte ich, dass man in Hamburg Austronesistik studieren konnte, das Studium der Sprachen und Kulturen Indonesiens und der Südsee. Das hatte mich schon immer fasziniert. Es war dann in der Realität mehr Indonesisch als Südsee, aber es gefiel mir. Das Seminar war sehr klein, nur höchsten 10 Studierende in den jeweiligen Kursen inklusive einiger älterer Gaststudenten.

In der Zeit lernte ich Indonesisch, Filipino, Tahitianisch und Fidji, sowie die Anfänge von Alt-Javanisch. Das meiste habe ich inzwischen vergessen, weil ich es nie benutzt habe, aber ich konnte einfache Bücher auf Indonesisch lesen. Auch konnte ich nach dem Tahitianisch-Kursus die Maori-Bibel lesen, was darauf schliessen lässt, dass die Maoris tatsächlich von Polynesien nach Neuseeland gepaddelt sind. Die Rechtschreibung war etwas unterschiedlich, aber die Worte fast unverändert.

Die Studienzeit schenkte mir eine, wie ich fand wohlverdiente Pause vom Arbeitsleben, besonders weil ich mein Studium mit einem Feriensemester anfing. 😉  Darüber regten sich sowohl der ältere Bruder als auch seine damalige Frau auf. ”Wie kann man nur, wenn man etwas anfängt, dann macht man es so schnell wie möglich fertig.” Öh, wie bitte? Um das Fertigwerden ging es mir ja gar nicht. Interessant wie unterschiedlich Geschwister sein können … 😉

Im Laufe der Zeit stellte ich dann fest, dass ich froh sein konnte in so einem kleinen Seminar zu studieren. Meine Nebenfächer waren Spanisch und Sanskrit (welch’ Wahnsinn hat mich da geritten?). Die Sanskrit-Kurse waren auch sehr klein. Unser Professor war ein ziemlich dickleibiger mittelalter Mann, der permanent rauchte. Das durfte man damals noch. Einmal ging er sehr intensiv auf die asketische Lebensweise der heiligen Männer Indiens ein, während er eine Zigarette nach der anderen paffte. Ich konnte nicht umhin, ihn verstohlen anzugrinsen. Er schaute mich an und sagte: ”Kein Kommentar!”

Im grösseren Nebenfach, Spanisch, waren die Leersäle ebendies, Säle. Ich stellte auch fest, dass viele Studenten, die sich doch gerne von der Masse absetzen wollten, nicht so tolerant waren wenn Leute anders als sie aussahen, z. B. was Kleidung anging. Zeitweise war es in Studentenkreisen modern, sich in Parker, T-Shirt und diese merkwürdigen Cordhosen zu kleiden, die unten schmal wurden. Für die wenigsten Leute war das kleidsam. Ich wollte mit diesem Quatsch nichts zu tun haben. Ich schrieb ja auch niemandem vor wie sie sich zu kleiden hatten oder sah sie schief an, wenn mir ihre Klamotten nicht gefielen.

Der letzte Tropfen war dann ein Erlebnis in meinem eigenen Seminar. Es ging um die Lösung der sozialen Probleme in Indonesien, sprich die Unterdrückung der Armen. Ich hatte mich schlau gemacht und berichtete darüber, wie ein General der Armee darüber dachte und wie einer der liberalen Politiker darüber dachte. Dann fragte mich ein Mädchen, was ICH denn meinte, wie die Indonesier dieses Problem lösen könnten. Das überrumpelte mich. Ich erwiderte, dass ich noch nicht sehr viel über Indonesien wüsste, ich wäre noch nicht einmal dort gewesen und ob es nicht ein wenig anmassend wäre den Leuten zu erzählen, wie sie ihre Probleme lösen sollten. Daraufhin wurde die Dame richtig wütend und schnauzte mich an ”du MUSST doch eine eigene Meinung dazu haben.” Ich sah sie nur mit offenem Mund an und dachte insgeheim, ’was mache ich eigentlich hier? Hier gehöre ich nicht hin.’ Damit endete meine Karriere an der Uni Hamburg.

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Umzugstöne oder -gestöhne …

Vielen Dank euch allen für all die lieben Worte und Wünsche! Der Umzug ist gut überstanden, wir hatten gute Helfer und Frau Meermond hat uns mit massenweise leckerer Pizza, Apfelkuchen und Kaffee versorgt. Wann haben Umzügler besser gegessen?

Der Rücken und alle erdenklichen Muskeln schmerzen, aber es ist gut in einem Haus zu schlafen, dass nicht modrig riecht!

Der Hauswirt lässt uns seine Internet-Verbindung mitbenutzen bis unsere eigene steht. Ist das nicht toll? Er hatte das Haus ja als RB&B vermietet im Juli und August und hat daher einen slot für das Haus eingerichtet. Da profitieren wir jetzt von.

Ihr müsst also mit den gewöhnlichen Kommentaren rechnen … 😉

Noch eine hitchhiker story von 1973

 Meine beste Freundin und ich wollten nach Hittfeld trampen und ihren Vetter besuchen. Ich hatte doch mit Susi in Schottland so gute Erfahrungen gemacht, und jetzt wollten wir mal für nächstes Jahr üben, für unsere 6wöchige Schottlandreise. Es muss so im September/Oktober gewesen sein. 

Auf dem Hinweg mussten wir erst einmal lange warten, bis dann ein kleines Auto mit zwei älteren türkischen Herren hielt und uns ein Stück mitnahm. Irgendwann zwischendurch hielten sie auf einmal an und der Fahrer stieg aus, was mich beunruhigte. Er wollte aber nur sein Jackett ausziehen. 

Der nächste Mitnehmer war ein Engländer, der mir an den Busen fasste, weil ich ohne BH ging. Das war damals anscheinend noch gewagt. Daher stiegen wir gleich wieder aus. 

Nach einiger Zeit hielt ein grosses teures Auto mit einem älteren grauhaarigen Herrn darin. Er meinte, dass er vielleicht nach Hittfeld führe. Meine Freundin sagt gleich zu mir, lass sein, mach die Tür zu. Aber ich in meiner Naivität sage zu ihm: Wieso vielleicht? Fahren Sie nun nach Hittfeld oder nicht? Woraufhin er meinte, dass es darauf ankäme, wenn wir beide etwas nett zu ihm wären …    Ich brach in schallendes Gelächter aus und knallte die Tür zu. 

Danach fuhren wir ein Stück mit einem Traktor mit vier netten jungen Männern mit, die gerade vom Feld gekommen waren. Die wären am liebsten gleich mit uns in die Hittfelder Mühle gefahren, mussten aber erst einmal nach Hause und das Stroh aus den Haaren fegen. 

Wir kamen irgendwie nach Hittfeld, ich kann mich nicht daran erinnern, wie und mit wem, und der Besuch beim Vetter verlief gemütlich. Aber wie sollten wir nun wieder nach Hause kommen? Die Vetterfreundin hatte die Idee, mit uns in die Hittfelder Mühle zu gehen, denn dort kämen viele Hamburger, von denen uns sicher einer mitnehmen würde. 

Gesagt getan. Wir amüsierten uns in der Mühle. Mit Hilfe des Bartenders gelang es mir, einen jungen Hamburger aufzutreiben, den ich fragte, ob er uns mitnehmen könnte, wenn er zurückführe. Er sagte ja, er führe so gegen 23.00 Uhr, und ich verliess mich natürlich darauf. 

Gegen 23.00 Uhr war der junge Hamburger nicht mehr aufzutreiben. Überhaupt waren nicht viele Leute in der Mühle, denn es war ein Wochentag. Was nun? Ich tanzte mit einem ca. 35jährigen Mann und beklagte mich darüber, dass wir versetzt worden waren. Macht nichts, meinte er, ihr könnt mit uns fahren. Na wunderbar! 

Wir gingen also mit unserem Wohltäter mit zum Auto und stellten fest, dass sie zu viert waren. Mit anderen Worten, wir mussten uns zu viert auf die Hinterbank quetschen. Zudem waren die anderen drei „Herren“ ziemlich aufgebracht, dass er uns versprochen hatte, uns „Hühner“ mitzunehmen und zeterten herum und der kleine giftige dicke auf dem Beifahrersitz fragte ihn, ob er denn schon den Finger in der Futze hätte etc. Der Typ neben meiner Freundin stimmte ein und beklagte sich, dass er ihm doch heute morgen sein Käffchen gemacht hätte. (Ich verstand den Zusammenhang nicht, hielt aber wohlweisslich meinen Mund.) Dann bedachte er meine Freundin mit Anzüglichkeiten, die vorgab, ihn nicht zu verstehen, woraufhin er stöhnte und sich die Haare raufte.

Ich verstand nunmehr, dass es sich um eine Gruppe Zuhälter handelte und hatte ziemlichen Schiss. Zum Glück war die Fahrt von Hittfeld auf der Autobahn nach Hamburg nicht allzu lang und letztendlich schmissen sie uns Süderstrasse raus. Das war ziemlich am Arsch der Welt, aber das war uns egal, bloss raus aus dem Auto und weg. Der Nachhauseweg war dann zwar reichlich lang, aber wir waren mit heiler Haut davongekommen. Das hätte bös ins Auge gehen können.

 

[Die Zuhälter scheinen mich zu verfolgen, wenn ich an die Geschichten mit Goldilock denke. Dabei finde ich solche Typen absolut widerlich. Aber zu dem Zeitpunkt war ich ja erst 18 und hatte noch keine Lebenserfahrung. Meiner Mutter erzählte ich diese Geschichte erst als ich so 30 Jahre alt war … 😉  Ich hatte auch einmal eine Periode, in der ich Besoffene magisch anzuziehen schien. Mir ist nicht immer klar, was ich denn nun eigentlich lernen soll von den Dingen, Menschen und Situationen, die mir begegnen. Dass Alkoholabhängigkeit viel Leid erzeugt, wusste ich ja bereits aus meiner eigenen Familie. Und was in aller Welt sollte das mit den Zuhältern? Die waren und sind für mich der letzte Abschaum.]

Italien mit dem Motorrad, Teil 5

Heute möchte ich euch die Stadt Lucca vorstellen so gut ich kann. Lucca ist eine charmante Stadt mit einer sehr gut erhaltenen Altstadt (Mittelalter bis Renaissance). Man kann auf der Stadtmauer aus dem 16. und 17. Jahrhundert ganz um den alten Stadtkern herumgehen und hat von dort einen wunderschönen Ausblick auf Lucca und die Umgebung.

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Man passt auf, dass die Hausfassaden nicht verschandelt werden, aber im Gegensatz zu San Gimignano, wo lokale Waren und Kunstwerk in den kleinen Läden angeboten wurden, sind es in Lucca mehr die ganz normalen Handelsketten, die sich dahinter verbergen. (Hier könnt ihr über die Geschichte Luccas lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Lucca). Ich habe natürlich die Gelegenheit genutzt und mir ein paar Schuhe gekauft. Die Italiener machen die besten, finde ich … obwohl, die Brasilianer sind auch nicht schlecht. Allerdings waren das keine Schuhe mit hohen Absätzen, dazu hatten wir keinen Platz, sondern feine Halbschuhe in beigefarbenen Wildleder. Reine Schönwetterschuhe, das heisst in Dänemark kann man die nur drinnen tragen … 😉   😀

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Die Piazza Anfiteatro ist nicht so überlaufen wie die Piazza San Michele, wahrscheinlich weil es dort keine „Sehenswürdigkeiten“ gibt. Man sitzt gut dort bei einem Bier oder einem Mittagessen, gemütlich.

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Lucca ist mit Restaurants wirklich aller Art ausgestattet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort jemand nichts findet, was ihm gefällt. Wir waren an einem Abend Fisch essen. Das war wunderbar. Wir hatten ganze Fische bestellt und hatten Bedenken wegen der Gräten, aber siehe da, der Kellner filettierte sie für uns!

Neben uns sass ein französisches Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, die anfingen sich Zu langweilen und es angebracht fanden, mit ihren Fahrrädern zwischen den Tischen herumzufahren (wir sassen im Freien). Nicht dass die Eltern sie berufen hätten. Wir fanden das ein wenig ungemütlich, schliesslich hätten sie auf dem Platz fahren können, nur einen halben Meter weiter, wo keine Autos fuhren. Wir assen daher etwas schneller als normal und waren eher fertig als die Franzosen, die vor uns gekommen waren. „Die haben aber schnell gegessen“, bemerkte die Frau zu ihrem Mann. 😀  😀

Die Abendbilder sind leider etwas unscharf, aber sie geben die ruhige Stimmung trotzdem gut wieder. Ab 22.00 Uhr sind nicht mehr viele Leute in der Altstadt unterwegs. Im Sommer mag das anders sein. Wir waren ja im Mai dort.

Auch in Lucca sah man überall in allen nur erdenklichen kleinen Ecken Blumentöpfe auf den kleinen Balkons.

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Ferner befindet sich das Geburtshaus Giacomo Puccinis in Lucca:

Doch auch dieses Filmposter fanden wir sehenswert:

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Steve McQueen in dem Film „The great escape“. Ich weiss leider nicht, wie der auf Deutsch heisst.

Und als Krönung noch ein paar Bilder der sehr berühmten Basilica de San Michele:

Und damit wünsche ich euch allen noch eine schöne Restwoche.

Wir werden morgen den Garten umziehen und übermorgen in der alten Bleibe saubermachen und Löcher zukleistern. Am Wochenende können wir uns dann um das Neue Haus kümmern. Da freue ich mich schon drauf! Vielleicht müssen wir auch erst einmal ausruhen, wir sind ja keine „Frühjahrsküken mehr, wie die Dänen sagen … 😉 😀

 

 

Ich melde mich kurz ab / I will drop out for a short while

Heute ziehen wir um und haben noch kein Internet in dem neuen Haus. Es ist geplant, dass es am 11.9. angeschlossen werden soll. Das war der früheste Termin, den man uns anbieten konnte. Ich habe daher ein paar kleinere Beiträge geschrieben, teilweise alte Geschichten benutzt, und sie im Voraus ”ge-scheduled”  😉   Das bedeutet aber, dass ich zwischen dem 6. und dem 11.9. nicht auf Kommentare antworten oder selber kommentieren kann. Nur, dass ihr Bescheid wisst … 😉

We move to another place today and don’t have Internet in the new house yet. It is planned that we will get connected again on 11 September. That was the earliest they could offer. I therefore have scheduled a few small texts (in German), or used old unpublished stories. However, I will not be able to answer to comments or to comment on your posts between 6 and 11 September. Just so you know … 😉

Goldilocks Opa

 Diese Geschichte hatte ich fast schon vergessen. Sie ist teilweise lustig, teilweise merkwürdig und teilweise schrecklich.

Goldilocks Opa kam nach Hamburg, um seine Enkelin zu besuchen. (Wir wohnten damals noch zusammen in Wilhelmsburg.) Ich wurde vorbereitet: Opa ist ein richtiger Schwabe, trennt sich ungern vom Geld. Zuhause dosiert er das Abwaschmittel, damit seine Frau nicht zu viel benutzt und zählt das Wechselgeld nach dem Einkauf. Der Einkauf selbst geht so vor sich: Oma legt in den Wagen, Opa legt ins Regal zurück.

Wir zogen also mit Opa über die Hamburger Reeperbahn. An den Blicken der Leute konnten wir sehen, dass wir in deren Augen ein klarer Fall von Abzocke eines alten Mannes waren. Von wegen! Das meiste musste Goldilock bezahlen, denn Opa war ja Rentner und hatte kein Geld. Beim Cafe Keese trat er ein und fragte als erstes „Haben Sie auch Rentnerpreise?“ und liess eine Bemerkung über das geizig geschenkte Bier fallen.

Opa liess sich ausführlich darüber aus, was er alles machen würde, wenn Oma erst einmal tot war. Er hätte heimlich Geld beiseite gelegt. Und als erstes würde er sich nach einer jüngeren Frau umsehen. Aber der würde er nicht verraten, dass er Geld auf der Kante hatte.

Als wir wieder nach Hause kamen, drückte er Goldilock 20 DM in die Hand mit der Bemerkung, dass sie sich davon einen schönen Abend machen sollte … 😉

Aber Opa hatte sich verrechnet; er starb zuerst! Goldilock berichtete, dass er es gar nicht fassen konnte, dass er abtreten sollte und sich mit Händen und Füssen dagegen gesträubt hätte. Das war wahrscheinlich der Grund dafür, dass er dann in seinem alten Hause spukte, er wollte nicht gehen. Das ist kein Witz!

Oma war jetzt eigentlich frei von ihrem Plagegeist, aber was passierte? Sie sah und fühlte ihn überall im Haus. Und ihre daraus entstehende Angst verstärkte seine Präsenz im Haus. Ich meinte zu Goldilock, dass ihre Oma am besten umziehen sollte, aber das wollte die alte Dame dann nicht. Es endete damit, dass Oma ins Heim eingewiesen wurde, weil ihre „Zwangsvorstellungen“ immer schlimmer wurden, u. a. trat ein Gynäkologenstuhl in ihnen auf.

Die alte Dame tat mir so leid. Wäre sie doch nur umgezogen. Vielleicht hätte sie dann noch ein paar angenehme Jahre gehabt.

Alles rächt sich … früher oder später

Bevor ich damals mit meinem dreijährigen, nicht abgeschlossenen Studium der Austronesistik anfing, arbeitete ich in einer Export-Import-Firma in der Rothenbaumchaussee in Hamburg.

Von meinem Schreibtisch aus schaute ich nach draussen auf die Strasse (Erdgeschoss). Nach einiger Zeit fiel mir ein Mann auf, der immer mittags vorbeiging und mich ziemlich aufdringlich anstarrte, und zwar finster. Er war ein grosser, schlanker Mann mit welligem Haar und einem langen, wehenden Mantel. Letztendlich wurde mir das zu dumm und als er wieder vorbeiging, streckte ich ihm sehr unladylike die Zunge heraus. Von da an guckte er mich nicht mehr an.

Einige Wochen später treffe ich den Mann doch tatsächlich in der U-Bahn. Es waren kaum andere Leute im Abteil und er wanderte mit grossen Schritten den Gang auf und ab, auf und ab, ohne Pause, wie ein gefangener Tiger im Käfig (mit diesem wehenden Mantel). Wenn der Zug hielt, öffnete er alle Türen, die er konnte bevor der Zug wieder weiterfuhr (Klaustrophobie?). Dann marschierte er wieder. Und dann natürlich dieser finstere Blick, den ich ja schon kannte. Der wirkte von Nahem nicht anheimelnder als auf Abstand.

Ich hörte dann irgendwann auf zu arbeiten, begann mein Studium und nach zwei Jahren sollte ich zusammen mit anderen Studenten dem Professor vorgestellt werden, der unsere Prüfungen bewerten würde. Glaubt es oder nicht, der Professor war mein rastloser Tiger aus der U-Bahn, der Glotzer, dem ich die Zunge rausgestreckt hatte. Wie absolut peinlich. Also nicht nur für mich …